12.11.2017, 09:24 Uhr

Adel Der Fürst, den der König heiß und innig „liebte“


Ein neues Buch dokumentiert die innige Freundschaft zwischen Fürst Paul von Thurn und Taxis und König Ludwig. Sie schrieben sich heiße Liebesbriefe.

REGENSBURG Nun, heutzutage wäre die Sache klar, nur würden die Beteiligten wohl keine Briefe, sondern Mails schreiben. „Keine Feder kann schreiben, keine Worte können die Seligkeit ausdrücken, in der ich schwelge, seitdem ich mit dir bis an deinen Throne gehen durfte. Als wir so Arm in Arm gingen, so innig und verschlungen, wie war mir so wohl, so überaus wohl!“ Der, der das schreibt, hat einen großen Namen, es ist Paul von Thurn und Taxis. Doch der, dem der Brief gewidmet ist, ist noch viel berühmter: Es ist König Ludwig II., heute besser bekannt als der Märchenkönig.

Erhalten sind lediglich die Briefe von Fürst Paul an den König, doch dieser antwortete stets umgehend. Und der Fürst schrieb relativ eindeutig, wie sehr er Ludwig zugetan war: „Heiß geliebter Ludwig!“, heißt es da etwa in einem Brief vom 7. Mai 1866 an den König von Bayern, „O inniger, innigst geliebter Freund! Auch ich werde süß träumen, du wirst mir erscheinen, dein holdes Antlitz, deine schönen, lieben Augen werden mich ansehen, ich werde Wonne saugen aus denselben, o ich werde nochmals glücklich sein!“

Dokumentiert haben diese Briefe jetzt die Autoren Sylvia Alphéus und Lothar Jegensdorf in ihrem Buch „Fürst Paul von Thurn und Taxis. Ein eigensinniges Leben“ (Allitera-Verlag, ISBN 978-3-86906-968-5) und es geht keineswegs nur um die Männerfreundschaft zwischen Paul und König Ludwig, sondern vielmehr um das Leben eines Hochadeligen in jener Zeit. Ob Paul und Ludwig wirklich mehr verband als nur eine innige Männerfreundschaft, vermögen die Autoren nicht zu sagen. Dagegen spricht, dass Ludwig streng katholisch war und sehr puritanisch erzogen wurde, zudem war Homosexualität zu jener Zeit gesellschaftlich völlig undenkbar. Andererseits gehen die Briefe Pauls nah an die Grenze der Männerfreundschaft, scharf an die Homoerotik.

Doch das Leben des Fürsten ist ohnehin von Dramen geprägt: Der junge König kündigt ihm abrupt die Freundschaft, seine Familie verstößt ihn aus Regensburg und sogar Richard Wagner macht ihn zur „Persona non grata“. Paul von Thurn und Taxis nimmt einen neuen Namen an, heiratet eine Bürgerliche und nennt ich fortan Namen Paul von Fels. Fazit: Ein spannendes Buch über ein spannendes Leben!


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