18.05.2017, 11:12 Uhr

BLLV hat Tipps für Eltern parat Was tun bei Liebeskummer?

Foto: kostman / 123RF Stockfoto (Foto:Schmid)Foto: kostman / 123RF Stockfoto (Foto:Schmid)

Auch viele Eltern leiden mit ihrem Kind. Sie wollen helfen, sind zugleich aber auch ratlos

DEUTSCHLAND Der erste Liebeskummer ist schlimmer als alles, was man je erlebt hat! Schlimmer als jede Strafe, schlimmer als jede schlechte Note. Liebeskummer ist eine Katastrophe fürs Seelenleben!

Zum ersten Mal erfahren junge Menschen, dass es so gut wie kein Gegenmittel zu geben scheint. Ein tiefgreifender Schmerz, Angst und Qual begleitet den ersten Liebeskummer, der manchmal Spuren fürs ganze Leben hinterlässt.

„Jugendliche erleben eines der intensivsten Gefühlsmomente, die die der Verliebtheit noch übertreffen können“, erklärt die Leiterin der Abteilung Berufswissenschaften im Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), Birgit Dittmer-Glaubig. „Wenn der Freund aus heiterem Himmel Schluss macht oder die Freundin plötzlich einen anderen hat, stürzt eine Welt ein, woraus es kein Entrinnen zu geben scheint. Der Kummer lässt sich nicht einfach abstellen.

Es ist auch nicht einfach: Wie sind die richtigen Worte zu finden, ohne aufdringlich zu sein? Wie schaffen es Mütter und Väter, die Gefühle ihres Kindes ernst zu nehmen, es nicht durch zu viele Fragen weiter zu verletzen und ihm gleichzeitig Mut zu machen, das Leben wieder neu anzugehen?

„Es kann schon hilfreich sein, wenn sich Eltern vor Augen führen, dass die erste Beziehung meistens nicht lange dauert. Freilich: der damit verbundene Kummer nach der Trennung ist schlimm… nicht zu tröstende Weinanfälle, sich einschließen im Zimmer, stundenlange Telefonate und lautes Musikhören sind nur einige der unverkennbaren Merkmale dieser Situation. Je gelassener Eltern jedoch bleiben, umso besser“, rät Dittmer-Glaubig.

Eltern sollten sich in dieser Zeit soweit wie möglich zurücknehmen - wichtig sei aber, der Situation mit der nötigen Ernsthaftigkeit zu begegnen. Das Kind müsse das Verständnis der Eltern spüren. „Manchmal hilft es, wenn die Mutter oder der Vater vom eigenen ersten Liebeskummer erzählen und davon, wie schwierig es war, ihn zu bewältigen. Sie können so ihrem Kind Mut machen und signalisieren, dass es möglich ist, Liebenskummer irgendwann auch zu überwinden.“

Absolutes Tabu sei jedoch, die Situation herunter zu spielen. „Sätze, wie ‚das wird schon wieder, du bist ja noch jung‘, wirken verletzend und sind wenig hilfreich“, betont Dittmer-Glaubig. Sie appelliert auch an die Nachsicht der Eltern: „Es hilft dem Kind, wenn nicht jedes Wort und jede Verhaltensweise überbewertet werden.“ Viele junge Frauen und Männer wüssten nicht, wohin mit ihren extremen Gefühlen und könnten daher auch nicht „vernünftig“ damit umgehen. „Sie brauchen Zeit, die Situation zu erfassen und zu verarbeiten.“

Und doch: Eltern sollten wachsam sein und ihr Kind gut beobachten. „In Ausnahmefällen ergeben sich aus der seelischen Not Selbstzweifel und massive Einbußen beim Selbstbewusstsein - Mädchen sind davon besonders betroffen.“ Jungen hingegen reagierten häufig aggressiv oder depressiv. „Wenn Eltern den Eindruck haben, ihr Kind kommt aus der schwierigen Situation nicht von alleine heraus, wenn sich die emotionale Krise über Wochen hinzieht, wenn sich das Kind abkapselt und seine Interessen verliert, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.

Im „Normalfall“ hilft es jungen Menschen jedoch sehr, wenn Eltern einfach zu hören und das Kind seinem Kummer freien Lauf lassen kann. „Eltern sollten sich daher zu jeder Zeit als unaufdringlicher und geduldiger Gesprächspartner anbieten. Aushorchen und Nachbohren hingegen sind kontraproduktiv.“ Mütter und Väter sollten sich auch mit abwertenden Äußerungen über die Ex-Freundin oder den Ex-Freund zurückhalten.

„Die Zeit heilt sicherlich alle Wunden, bringt wieder Sonne in die Weltuntergangsstimmung des ersten Liebeskummers. Eltern sollten ihn geduldig mittragen und abwarten.“


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