27.02.2017

Umweltverschmutzung

Diese Straftaten haben Umweltjournalisten in den letzten Jahren aufgedeckt

Ölfim, Öl, Umweltverschmutzung
Täglich verschmutzen Menschen die Meere, zerstören die Natur, verpesten die Luft und betreiben Raubbau an der Natur. Die Folge sind Ressourcenknappheit, Umwelt- und Naturkatastrophen sowie massive Gesundheitsschäden und Todesfolgen für Mensch und Tier. Während die alltäglichen kleinen Umweltsünden kaum Erwähnung in den Medien finden, berichten Journalisten immer wieder über spektakuläre Umwelt- und Naturkatastrophen, die die Weltbevölkerung in Angst und Schrecken versetzen.

Viele große Medienhäuser verzichten auf die Einrichtung eines hauseigenen Umweltressorts. Daher ist die diesbezügliche Berichterstattung durch kompetente Fachjournalisten umso wichtiger. Besondere Aufmerksamkeit erregen Umweltkatastrophen wie das Reaktorunglück in Tschernobyl im April 1986 oder explodierende Ölplattformen wie Deep Water Horizon im April 2010. Greenpeace führt regelmäßig spektakuläre Aktionen wie die Besetzung der Ölplattform Brent Spar im April 1995 durch. Die folgende Berichterstattung sorgte für ein großes Medienecho und entfachte eine gesellschaftliche und politische Diskussion um die Entsorgung von Industriemüll in den Meeren.

Einer der größten deutschen Umweltskandale geht zurück bis in das Jahr 1951. Der Chemiekonzern Boehringer Ingelheim produzierte das Insektizid LINDAN, aus dem das Abfallprodukt Trichlorphenol entstand. Dies war Ausgangsstoff für das Herbizid T-Säure mit verschiedenen hochgiftigen Dioxinen, unter anderem TCDD und Chlorbenzol. Bereits wenige Jahre nach Produktionsbeginn erkrankten viele Arbeiter an einer Dioxinvergiftung, der sogenannten Chlorakne. Die Krebstotenrate unter den Mitarbeitern, die seit 1952 im Werk beschäftigt und bis 1984 verstorben waren, liegt deutlich über dem Durchschnitt der Normalbevölkerung. 1984 machten Journalisten auf eine Deponie mit zahlreichen Fässern dioxinverseuchter Abfälle aufmerksam, deren unsachgemäße Lagerung eine Bedrohung für die Umwelt und das Grundwasser darstellten. Auf Druck von Umweltbehörden musste Boehringer die Deponie mit den Altlasten schließen.

Ein weiterer Umweltskandal ereignete sich 2014 an der deutsch-niederländischen Grenze in der Grafschaft Bentheim. Hier wurde auf dem Gelände einer Müllverbrennungsanlage doppelt so viel Asche auf dem Gelände verklappt wie gesetzlich erlaubt. Die Abfallprodukte der Müllverbrennung wurden entweder auf dem Gelände vergraben oder auf einem bis zu 15 Meter hohen Ascheberg abgeladen. Dabei lassen sich diese Abfallprodukte mit modernen technischen Methoden so aufbereiten, dass sie als Brennstoff weiter zu verwenden sind. Diese Aufbereitung erfolgte in diesem Fall jedoch nicht. Die Rolle des Gewerbeaufsichtsamts war äußerst fragwürdig, was die Polizei und die Staatsanwaltschaft auf den Plan rief. Journalisten bekamen einen Tipp von einem Zeugen, der die dubiosen Vorgänge auf dem Gelände der Müllverbrennungsanlage beobachtet hatte.

Im November 1986 verursachte ein kleiner Schwelbrand, der sich zu einem Großfeuer in dem Chemiekonzern Sandoz entwickelte, eine weitere Umweltkatastrophe in Deutschland. Löschwasser der Feuerwehr spülte mehr als 20 Tonnen Schadstoffe in Form von Quecksilber, Pestiziden und Insektiziden in den Rhein. In der Folge färbte sich das Wasser rot, ein massenhaftes Fischsterben trat ein und die Wasserversorgung brach zusammen.

Der Öltanker Exxon Valdez lief Ende März 1989 auf das Bligh-Riff in Südalaska auf, wobei 37.000 Tonnen Rohöl ins Meer ausliefen und eine Ölpest verursachten. Schuld an dieser Umweltkatastrophe war menschliches Versagen: Der Kapitän war zum Unglückszeitpunkt betrunken.

Der Zweite Golfkrieg verursachte 1991 eine große Ölpest am Persischen Golf. Irakische Soldaten setzten auf Anweisung der Regierung die Ölfelder in Brand und öffneten gleichzeitig mehrere Ventile des Sea-Island-Terminals in Kuweit, um Öl von mehreren Tankern ins Meer fließen zu lassen.

Im November 2002 sank der spanische Öltanker "Prestige" auf dem Weg von Lettland nach Singapur. 37.000 Tonnen Schweröl gelangten ins Meer und verursachten eine Ölpest. Journalisten deckten im Zuge der Ereignisse auf, dass die spanischen Behörden Fehlentscheidungen auf allen Ebenen getroffen hatten. Aus Angst vor den Folgen ließen sie den havarierten Tanker auf das offene Meer schleppen, anstatt den nächsten Hafen anzulaufen, um das Öl abzupumpen.

Die Stadt Bajos de Haina gilt als das Tschernobyl der Dominikanischen Republik. Die Bleikontamination der Bewohner ist ungefähr 15 Mal so hoch wie bei der Normalbevölkerung. Zurückzuführen sind diese schweren Vergiftungserscheinungen auf das Unternehmen Baterias, das viele Jahre lang unbehelligt Autobatterien für Recycling-Zwecke eingeschmolzen hatte und die Abfallprodukte über unsachgemäß in der Umwelt entsorgte. Die Folgen für die Bevölkerung sind verheerend: Frühgeburten, Missbildungen, Augenschäden und schwere Gesundheitsschäden. Ohne umsichtige und hartnäckige Journalisten wäre das Schicksal dieser Menschen niemals an die Öffentlichkeit gelangt.

Der deutsche Fachjournalistenverband gibt Informationen rund um das Berufsbild des Umweltjournalisten heraus.

Das Deutsche Journalisten Kolleg bietet die Kurseinheit F120 Umweltjournalismus an. Die Interessenten erhalten einen Einblick in dieses Berufsfeld und können so feststellen, ob diese Tätigkeit wirklich die richtige Wahl für sie ist.

Das Informationsportal presseausweis.de hält alle Informationen rund um die Akkreditierung von Journalisten und den damit verbundenen Presseausweis für Umweltjournalisten bereit.