26.07.2016

Gesundheit

Krankenzusatzversicherungen – Gut abgesichert oder abgezockt?

Zahnreinigung
Zusatzversicherungen erfreuen sich an einem teilweise ungeahnten Boom. Das Geschäft mit der Risikominimierung läuft auf Hochtouren. Wie YouGov, ein international tätiges Markt- und Meinungsforschungsinstitut, Anfang des Jahres in einer Studie berichtete, wollen elf Prozent der in Deutschland 18- bis 59-Jährigen gesetzlich Versicherten "eine oder mehrere pKZV" (Private Krankenzusatzversicherung) "wahrscheinlich" oder "bestimmt" abschließen. Verbraucher sollten beim Abschluss sorgfältig prüfen, ob eine entsprechende Versicherung tatsächlich nötig ist.

Hohes Potenzial für Versicherungsbranche

Das Potenzial, das Versicherer im Sektor Krankenzusatzversicherungen erwarten dürfen, ist enorm. Wie die bereits erwähnte YouGov Studie unterstreicht, beschäftigen sich viele Deutsche mit diesem Thema. Diese enorme Nachfrage führt unweigerlich dazu, dass die Branche eine Vielzahl an Angeboten entwickelt. Das Spektrum reicht schon heute von Zahn- über Brillen- bis hin zu Pflegezusatzversicherungen. Tendenz steigend. Mit dieser Entwicklung einhergeht allerdings, dass der Markt auch reichlich unnötige Policen in petto hat. Viele stellen eine verzichtbare Ausgabe dar. Die Kosten für einige Versicherungen sind zudem sehr hoch, weshalb es sich doppelt lohnt die Angebote genauestens anzuschauen.


Bedarf analysieren und vergleichen

Grundsätzlich macht eine Krankenzusatzversicherung immer dann Sinn, wenn sich Lücken in der gesetzlichen Absicherung ergeben. Aufgrund der teilweise markanten Kürzungen der gesetzlichen Leistungen sind die Zuzahlungen, welche die Versicherten selbst übernehmen müssen, relativ hoch. Um diese Unkosten zu reduzieren, werden Krankenzusatzversicherungen abgeschlossen. In einigen Fällen kann der Versicherungsschutz mit den ergänzenden Policen sogar auf 100 Prozent aufgestockt werden. Unter dem Sammelbegriff der Krankenzusatzversicherungen sind Angebote für die punktuelle Risikoabsicherung zu finden. So sollen mit einer Zahnzusatzversicherung zum Beispiel die Kosten für Zahnersatz und bei einer Brillenversicherung die Ausgaben für Brillen versichert werden.

Einige Zusatzversicherungen klingen auf den ersten Blick vorteilhaft, doch beim näheren Hinsehen wird deutlich, dass das Preis-Leistungsverhältnis nicht zufriedenstellend ist. Zunächst sollte daher der individuelle Bedarf ermittelt und analysiert werden. Patienten, die zum Beispiel regelmäßig unter Zahnproblemen leiden und voraussichtlich in den nächsten Jahren Zahnersatz benötigen, sind mit einer passenden Zahnzusatzversicherung gut beraten. Denn die Zuzahlungen sind hierbei besonders hoch und belasten die Haushaltskasse merkbar. „Die gesetzliche Krankenkasse beteiligt sich an Implantaten, Inlays oder Brücken lediglich mit 50 %, bei Nachweis eines regelmäßigen Zahnarztbesuches kann der Wert auf 60 % gesteigert werden“, wird im Ratgeber von www.krankenzusatzversicherung.de erklärt. Ebenfalls Beachtung erfordern die teilweise markanten regionalen Preisunterschiede, die im Artikel über einen aktuellen Barmer-Report thematisiert werden.

Elementar bei Krankenzusatzversicherungen, egal welcher Art, ist das Vergleichen mehrerer Offerten. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Versicherungsgesellschaften sind nicht selten drastisch. Daher muss derjenige Anbieter ermittelt werden, der die benötigten Leistungen optimal deckt und einen angemessenen Preis verlangt. Mit einer privaten Krankenhauszusatzversicherung erhalten Patienten beispielswiese eine Chefarztbehandlung. Auch ein Einzelzimmer wird zugesichert. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. Wer sich in Privatkliniken behandeln lässt, muss vorher klären, ob die Rechnung von der Versicherung bezahlt wird. Oft ist das nur dann der Fall, wenn zwischen gesetzlichem Versicherer und Klinik ein Vertragsverhältnis besteht. ZDF hat sich in der Sendung WISO-Tipp mit dem Thema Krankenhauszusatzversicherungen beschäftigt. Im folgenden Video erhalten Verbraucher wertvollen Tipps zur Auswahl der richtigen Zusatzversicherung:

Krankentagegeldversicherungen lohnen sich besonders für Freiberufler und Selbstständige, weil sie bei Krankheit mit einem Verdienstausfall kalkulieren müssen.


Wenn Krankheiten und Alter zum Problem werden

Leider sind sinnvolle Krankenzusatzversicherungen nicht immer eine Option. Je nach Alter oder Vorerkrankungen schließen die Versicherer Antragssteller aus. Um dennoch von Zusatzleistungen zu profitieren, können Wahltarife von gesetzlichen Krankenkassen eine Alternative sein. Sie werden den bereits Versicherten angeboten, um den gesetzlichen Schutz zu ergänzen. Allerdings haben Wahltarifen auch Nachteile:
  • Mindestbindungspflicht: Beträgt häufig ein Jahr oder sogar drei Jahre. Der Versicherungswechsel wird erschwert.
  • Dauer: Wahltarife gelten nicht unbedingt lebenslang, so dass manche Versicherte viele Jahre oder gar Jahrzehnte einzahlen, ohne jemals Leistungen zu erhalten.
  • Unterkalkulation: Kommt es zur Unterkalkulation sind Versicherungen berechtigt Wahltarife zu streichen, was ebenfalls dazu führen kann, dass die geleisteten Zahlungen ohne Gegenleistung verpuffen.



Ein Muss: Der Auslandsreiseschutz

Die Auslandsreisekrankenversicherung sollte für jeden ein Muss sein. Denn hierbei handelt es sich um die einzige private Zusatzversicherung, die dringend empfehlenswert ist. Ohne diese Versicherung kann im Ausland lediglich die medizinische Grundversorgung erwartet werden. Je nach Reiseziel ist diese leider stark eingeschränkt. Dies gilt auch innerhalb Europa. Eine extreme finanzielle Belastung geht außerdem vom Rücktransport nach Deutschland aus. Beträge im fünfstelligen Bereich sind keine Seltenheit. Da die Auslandskrankenversicherung sehr günstig zu haben ist, sollte diese jeder Reisende sein Eigen nennen. Pro Person sind gerade einmal zehn Euro jährlich zu erwarten.