08.03.2017
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Wer bezahlt beim ersten Date?

Paar beim Essen
Foto: 123rf
Die Zeiten haben sich offenbar geändert


Im Internet bin ich kürzlich über eine interessante Diskussion gestolpert. Das Thema: „Er hat beim ersten Date nicht bezahlt. Was soll ich davon halten?“


Eine junge Frau berichtet über ein „Date“ in einer Bar. Sie und er hätten jeweils etwas gegessen und getrunken und bei der Frage nach der Bezahlung habe er „getrennt“ angegeben. Zitat der jungen Frau: „Mir hätt´s fast den Vogel rausgehauen.“ Nach diesem offenbar traumatischen Erlebnis fragt die Herzdame das Internet, ob das nun bedeute, dass seine Absichten lediglich freundschaftlich seien?
Die Antworten haben mich dann doch überrascht, denn die überwiegend männlichen Kommentatoren fanden es völlig normal, auch beim ersten Date getrennt zu bezahlen.


Zitat: „Warum soll der Mann zahlen? Ihr seid doch sonst immer so emanzipiert, da könnt ihr auch euer Zeug selbst zahlen.“

Ich erzähle euch jetzt, wie das zu „meiner Zeit“ üblich war, also Mitte der 80er Jahre.


Wenn das erste Date in einem Lokal oder Restaurant stattgefunden hat, dann war es für mich als Mann selbstverständlich, die Rechnung zu bezahlen. Ohne wenn und aber. Allerdings habe ich immer sehr darauf geachtet, wie sich meine weibliche Begleitung verhält. Es war ganz wichtig, dass sie zumindest Anstalten machte, selbst zu bezahlen.


Ich möchte fast sagen, dass es damals eine Art Ritual des Bezahlens gab und jeder wusste, welche Rolle er dabei spielen muss.
Sehen wir uns das Ganze in der Praxis an:


Erstes Date, der Mann bittet um die Rechnung. Jetzt ist es an der Frau, in der Handtasche herumzukramen, die Geldbörse herauszufischen und demonstrativ auf den Tisch zu legen.
Auf die Frage der Bedienung nach „zusammen oder getrennt“, beeilt sich die Dame, „getrennt“ zu sagen. Nun ist es an dem Herren der Schöpfung, heftig zu widersprechen: „Nein, kommt nicht in Frage, Du bist eingeladen.“ Es folgt ein gespielter Seufzer der Dame, der so viel ausdrücken soll wie: Ich kann dich ohnehin nicht davon abbringen. Dann blickt sie ihn liebevoll an und bedankt sich artig.

Hat sich die Angebetete beim ersten Date nicht an dieses Ritual gehalten, gab es oft kein zweites. Denn auch zu meiner Jugendzeit wollte man zwar ein Kavalier sein, nicht aber der Depp, den man ausnutzen konnte.


In der Nachbesprechung des Dates mit den anderen Jungs war es immer ein wichtiger Punkt, ob die Frau die Geldbörse gezückt hat oder nicht.

Spätestens beim dritten Date überließ Mann dann auch mal ihr das Bezahlen, natürlich nicht, ohne vorher ordentlich zu protestieren.
Dabei ging es eigentlich nie ums Geld, sondern um die Geste - und den gegenseitigen Respekt.

Mike Schmitzer

Autor: Mike Schmitzer