12.10.2017 Landkreis-Altötting

Kreiskliniken

Große Pläne für die Kreiskliniken: Auch die Notaufnahme entlasten

Operation OP Chirurgie
Foto: 123rf.com
Neuer OP-Trakt und 80 zusätzliche Betten. Ambulante Operationen in Burghausen

Wie laufen die Planungsarbeiten für die Sanierung und die Erweiterung des Altöttinger Krankenhauses und was passiert in Burghausen? Fragen an Landrat Erwin Schneider.

Herr Schneider, wie ist der Stand bei den Erweiterungs- und Umbauarbeiten beim Krankenhaus Altötting? Läuft alles nach Zeitplan?
Wir sind voll im Zeitplan. Von der neuen Fördermaßnahme ist noch nichts gebaut worden. Die Bauarbeiten beginnen voraussichtlich Mitte nächsten Jahres und zwar mit einem neuen Operationstrakt in Form eines Anbaus im Norden der Kreisklinik. Zugleich haben wir durch ein Gespräch mit dem Ministerpräsidenten die Möglichkeit bekommen, auch im nächsten Jahr die Aufstockung der Bettenhäuser zu beginnen. Wir sind voll in der Planung und die wichtigsten Beschlüsse sind gefasst und die nötigen Genehmigungen erteilt. Die Bausumme liegt bei etwa 100 Millionen Euro.


Wenn diese Bauarbeiten abgeschlossen sind, was hat das Altöttinger Krankenhaus dann mehr zu bieten?
Das Krankenhaus wird nach dem ersten Bauabschnitt über zusätzliche 80 Betten verfügen. Die Gefäßchirurgie wird von Burghausen nach Altötting gewandert sein, um das Schwerpunkthaus zu komplettieren. Wir werden völlig neue Operationssäle auf dem neuesten Stand der Technik haben.


Im weiteren Bauabschnitt werden die alten Bettenhäuser komplett entkernt und saniert.
Insgesamt wird das Krankenhaus auf den neuesten Stand gebracht, von den OP-Sälen bis hin zu den Zimmern. Das ist natürlich gut für die Patienten. Wir bauen sehr kompakt, das heißt, es wird eher in die Höhe gebaut als in die Fläche. Der Zentrumscharakter wird gestärkt und es werden weitere Fachärzte hinzukommen.


Wie lange dauert das?
Das dauert bis zum Jahr 2023/2024.


Im Altöttinger Stadtrat haben Sie jetzt zusätzliche Pläne fürs Altöttinger Krankenhaus vorgestellt, die Sie auch umsetzen wollen. Worum geht es da?
Ich wünsche mir ein Parallelgebäude zum jetzigen Dienstleistungs- und Facharztzentrum. Das bestehende DiFaz steht ja rechts vom Haupteingang und das neue Gebäude würde links davon stehen. Dort sind jetzt noch Parkplätze. Das Erdgeschoss des künftigen zweiten DiFaz könnten wir an Arztpraxen vermieten. In den ersten Stock würde ich die neue Intensivstation bauen, die jetzt noch an anderer Stelle konzipiert ist. Im zweiten Stock möchte ich die Krankenpflegeschule installieren, die jetzt im Keller beheimatet ist.

Wie hoch wären die Baukosten für dieses zusätzliche Vorhaben?
Das sind etwa 10 Millionen, wobei etwa drei Millionen davon für die neue Intensivstation gefördert werden.

Die Kreiskliniken bestehen ja nicht nur aus dem Altöttinger, sondern auch aus dem Burghauser Krankenhaus. Was ist denn hier passiert und was wird noch gemacht?

Das Burghauser Haus ist auf dem besten Weg zu einem integrierten Gesundheitszentrum, das jetzt schon sehr gut angenommen wird. Wir haben stationäre Betten, wir haben eine geriatrische Rehabilitation und ein Medizinisches Versorgungszentrum, in dem Fachärzte tätig sind.

Die Kritik an dem Umbau des Burghauser Hauses - manche bezeichnen es als Demontage - und der gleichzeitigen Erweiterung des Altöttinger Krankenhauses ist noch nicht verstummt. Sagen Sie uns bitte nochmal den Grund dafür.
Der Grund ist ganz einfach: Bei der geforderten Qualität der Medizin und den technischen Anforderungen, ist es auf Dauer in unserem 107.000-Einwohner-Landkreis nicht möglich, zwei große Akuthäuser zu betreiben. Wenn man zukunftsfähig sein möchte, muss man sich auf ein zentrales Haus konzentrieren und die Entscheidung für Altötting ist ja schon vor 30 Jahren gefallen, als man das dortige Krankenhaus groß gebaut hat. Dort müssen wir alle wichtigen Disziplinen, wie etwa die Gefäßchirurgie vereinigen. Diese Zentralisierung der stationären Medizin ist deutschlandweit und weltweit so.
Andererseits werden in Zukunft immer mehr Operationen ambulant durchgeführt. Zukünftig wird sogar eine Hüftgelenksprothese in manchen Fällen ambulant gemacht. Man braucht also die ambulanten Krankenhäuser und hierfür ist Burghausen optimal geeignet.


Immer wieder wird die Altöttinger Notaufnahme kritisiert, weil sie dem Patientenansturm nicht mehr gewachsen zu sein scheint. Als Grund hört man oft, dass der Umbau des Burghauser Krankenhauses teilweise daran schuld sei. Was passiert in Altötting um das Notaufnahmeproblem in den Griff zu bekommen?
Also was die Notaufnahme in Burghausen betrifft, ist bisher nichts zurückgebaut worden. Daran kann es also nicht liegen. Die Burghauser Notaufnahme funktioniert heute noch genauso wie vor zehn Jahren. Der Grund dafür, dass es sich in der Altöttinger Notaufnahme oft staut, ist eine gesellschaftliche Entwicklung. Wegen Dingen, die man früher vom Hausarzt behandeln hat lassen oder vom ärztlichen Bereitschaftsdienst, geht man heute in die Notaufnahme. Früher war es so, dass die meisten, die in die Notaufnahme gegangen sind, stationär aufgenommen wurden. Heute gehen zwei Drittel wieder heim, weil es sich um Bagatellfälle handelt. Und das verstopft die Notaufnahmen - nicht nur in Altötting.
Was tun wir dagegen? Wir werden bis zum Jahresanfang 2018 eine Bereitschaftspraxis am Krankenhaus einrichten, wo die niedergelassenen Ärzte solche Fälle an den Abenden und Wochenenden abfangen. Dadurch erwarten wir eine Verbesserung in der Notaufnahme.
 

Das bedeutet, der Patient muss nicht mehr nachsehen, wer ärztlichen Bereitschaftsdienst hat, weil dieser eine fixe Station am Krankenhaus hat?
Genauso ist es. Es gibt einen Arzt, der sitzt in Altötting am Krankenhaus und einen zweiten, der herumfährt und die Patienten besucht, die nicht in der Lage sind, in die Bereitschaftspraxis zu fahren.

Autor: Mike Schmitzer

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