15.03.2017 Pirach

Hat das lange Warten bald ein Ende?

Was tut sich am Bahnübergang in Pirach?

Schranke Pirach
Foto: Gina Parchatka
Wartezeiten von 20 Minuten sind hier keine Seltenheit: Das soll sich ändern

Er ist so etwas wie ein „Ort der verlorenen Zeit“: der Bahnübergang in Pirach. Wer auf der Staatsstraße 2107 unterwegs ist, der kann von Glück reden, wenn er nicht von diesem „Zeitmonster“ gestoppt wird.

 

Das einzig „Gute“ an der ungeliebten Schranke: Sie macht keinen Unterschied, wer da vor ihr im Auto sitzt und ungeduldig mit den Fingern aufs Lenkrad klopft. So hat es im Juni den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer höchst selbst erwischt: 20 Minuten wurde er auf dem Weg zur Eröffnung des TUM Studienzentrums in Raitenhaslach aufgehalten. „Eine ganze Rede hätte ich in der Zeit schreiben können“, hatte Seehofer damals gepoltert und angekündigt, diesen „Problem-Bahnübergang“ unverzüglich aufs Tableau zu bringen.

 

Bislang aber ist die Situation so, wie sie Seehofer treffend beschrieben hat – es herrschen „verkehrliche Verhältnisse wie auf dem Balkan“. Täglich sitzen Fahrzeuglenker wartend vor den geschlossenen Schranken und wertvolle Zeit verrinnt ungenützt.

 

Ein Bahnsprecher bestätigt: „Die Lösung für den Bahnübergang Pirach hängt mit dem Neubau der Ortsumgehung Pirach zusammen. Die Planung dazu liegt beim Staatlichen Bauamt Traunstein. Wir können nur so viel mitteilen: Es soll eine neue Straßenunterführung unter der Bahnlinie hindurch gebaut werden. Während das Staatliche Bauamt für die Straßenbaumaßnahmen zuständig ist, wird die Südostbayernbahn (SOB) die Eisenbahnbrücke bauen. Der jetzige, mit einer Vollschrankenanlage gesicherte Bahnübergang in Pirach wird an dieser Stelle dauerhaft geschlossen. Der Straßenverkehr wird zu der neuen Straßenunterführung umgeleitet. Wartezeiten an den Schranken gehören dann der Vergangenheit an.“

 

Wie weit die Planungen gediehen sind, schildert Peter Maltan, Abteilungsleiter im Staatlichen Bauamt Traunstein:


Wie ist der aktuelle Planungsstand?


Derzeit befinden wir uns im Stadium des Vorentwurfs. Aktuell laufen Gespräche zur konkreten Kostenabstimmung, wobei von einer Kostendrittelung von Straßenbaulastträger, Bahn und Bund ausgegangen wird. Geklärt wird momentan auch, wer als Bauherr auftritt, da die Umfahrung Pirach im Gesamtzusammenhang zu sehen ist mit der Umfahrung Burghausen, dem dreispurigen Ausbau der B 20 ab Marktl und dem Ausbau der Strecke Hochöster-Pirach- Burghausen zur neuen B 20.

 


Wie kann man sich die angestrebte Lösung vorstellen?


Es wird eine Unterführung gebaut, aber nicht an der Stelle des jetzigen Bahnübergangs. Die Staatsstraße wird in Richtung Osten verlagert. Geprüft wurde auch die Möglichkeit einer Überführung, die aber aus Naturschutzgründen und wegen der Beeinträchtigung des Landschaftsbildes nicht in Frage kommt. Auf Wunsch der Bahn soll die Auflösung der benachbarten Übergänge Mad und Kollmann im Planfeststellungsverfahren eingebunden werden.

 


Wann hat das Warten an der Bahnschranke ein Ende?


Dazu eine Aussage zu treffen, wäre zum momentanen Zeitpunkt unseriös. Es handelt sich hier um ein größeres Projekt, und es sind noch weitere Stadien zu durchlaufen. Unser – recht sportliches – Ziel ist es, heuer den Vorentwurf mit der technischen Planung und Klärung der Kostenfrage zum Abschluss zu bringen. Dann wird ins Planfeststellungsverfahren eingestiegen, das in der Regel anderthalb Jahre dauert. Um Baurecht zu schaffen, muss der Grunderwerb geregelt werden, und da ist es schwierig, Aussagen zu treffen, wie lange das dauert. Wenn alles super läuft, könnten wir in drei Jahren Baurecht erlangen.

 

Die „grauen Herren von der Zeitsparkasse“ aus Michael Endes Roman „Momo“ haben also noch eine ganze Weile ihre Freude an der Bahnschranke in Pirach – und es lässt sich noch so manche Rede an dieser Stelle schreiben ...

Schranke Schlange
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Autor: Gina Parchatka

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