05.10.2017 Burgkirchen

Spanner

Zivilcourage: Eltern überführen Spanner in Burgkirchener Freibad

Freibad Burgkirchen
Foto: martinwimmer/bäderverwaltung
Eine 13-Jährige wurde Opfer eines Spanners. Eltern begaben sich auf Verfolgungsjagd

„Als das Mädchen mir erzählte, was sie in der Kabine erlebt hat, ist die Löwin in mir erwacht. Ich bin losgespurtet wie eine Rakete ...“

Sabine S. (Name geändert) erinnert sich noch sehr gut an den 31. August diesen Jahres. Es war der letzte Tag, an dem das Burgkirchener Freibad (LK. Altötting) geöffnet hatte, und die 46-Jährige war mit drei Mädchen dort beim Baden - mit ihrer Tochter und deren Freundinnen.
Als ein Unwetter aufzog, gingen die drei Mädchen zu den Umkleidekabinen um sich fürs Nachhausgehen umzuziehen.
Als eines der Mädchen gerade dabei war, die Unterwäsche anzuziehen, bemerkte es am Boden in ihrer Kabine einen Mann, der sie mit großen Augen betrachtete. Der Spanner hatte sich so weit unten durchgeschoben, dass der halbe Oberkörper in ihre Kabine ragte.
Nach dem ersten Schock schrie das Mädchen den Mann an: „Hallo! Geht´s noch?“
Darauf hin robbte der Übeltäter zurück in seine Kabine.


Später wird Sabine S. feststellen, dass der Mann zwei Kabinen „strategisch“ für sich reserviert hat, um möglichst gut spannen zu können. Zumindest ist das die Theorie der 46-Jährigen.


Die 13-Jährige zog sich schnell an und warnte ihre Freundinnen. Gemeinsam gingen die Teenies dann zurück zur Decke, wo Sabine S. und der Vater des betroffenen Mädchens warteten.
„Sie weinte, wollte aber zuerst gar nicht sagen, was ihr zugestoßen ist. Erst als ihre Freundinnen sie dazu ermunterten, berichtete sie von ihrem Erlebnis“, so Sabine S.
Jetzt kommt der Moment, in dem die 46-Jährige aufspringt und wie von der Tarantel gestochen losrennt - begleitet von dem Vater der 13-Jährigen.


Das Pech für den Spanner (der zwischen 40 und 50 Jahre alt sein dürfte) war, dass er ein sehr auffälliges grünes T-Shirt mit Firmenaufdruck trug und das Mädchen ihn auch sonst recht gut beschreiben konnte.


Die erste Anlaufstelle der beiden Elternteile war die Kasse, um einen der Schwimmmeister um Unterstützung zu bitten. Diese waren in diesem Moment jedoch alle im Bad unterwegs.
Deshalb hinterließen die beiden den Hinweis auf den Spanner bei der Kassenkraft und machten sich alleine auf den Weg zu den Umkleidekabinen und teilten sich dort auf, um den Bereich schneller durchsuchen zu können.


Es war Sabine S., die den Spanner entdeckte, als er gerade mit dem Kopf unter einer Kabinentüre hervorlugte, um zu sehen, ob die Luft rein ist.
„Wir haben Dich“, schrie die 46-Jährige und stemmte sich gegen die Kabinentür. „Hier kommst Du nicht mehr raus.“
In die Enge getrieben, warf der Mann seinen Rücksack in eine gegenüberliegende Kabine und kletterte dann selbst hinüber, um so zu entkommen.


An der Kabinentür wartete aber schon der Vater des 13-jährigen Spanneropfers.
„Ich bin sofort hinübergelaufen und gemeinsam haben wir den Mann in eine Ecke gedrängt, ohne ihn anzufassen. Erstaunlicherweise hat er auch nicht versucht, sich zu wehren oder abzuhauen“, erinnert sich die zierliche Frau.
Im selben Moment kamen zwei Schwimmmeister und schnappten sich den Spanner. Sie nahmen ihm das Smartphone ab und hielten ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest.


Wie der leitende Schwimmeister dem Wochenblatt erklärte, habe der Mann ihm gegenüber zugegeben, bewusst unter der Umkleidekabine durchgeschaut zu haben. Sein Kommentar sei gewesen: „Keiner ist fehlerfrei“.

Sabine S. findet es richtig, wie die Mädchen auf den Vorfall reagiert haben (gleich Erwachsene suchen und berichten, was passiert ist). Gedanken macht sie sich noch, ob der Mann nicht schon mehrfach tätig geworden ist und schlimmstenfalls sogar Fotos gemacht und ins Internet gestellt hat. Aber das ist Sache der Polizei. Sie hat gegen den Spanner, der selbst ein Familienvater sein soll, Strafanzeige erstattet.

Autor: Mike Schmitzer

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