11.10.2017 Berchtesagden

Aufregung am Obersalzberg:

500 Kilo-Bombe gefunden und entschärft


Foto: Pfeiffer
Aufregung auf der Baustelle des Erweiterungsbaus der Dokumentation Obersalzberg: es wurde eine 500-Kilogramm-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt ...

Aufregung auf der Baustelle des Erweiterungsbaus der Dokumentation Obersalzberg: Dort hat Kampfmittelräumer Christoph Hertle am Dienstag eine 500-Kilogramm-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt.

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Die als „SAP 1000 lbs“ bekannte Bombe war direkt neben einem Bunkereingang gefunden worden, die Fundstelle wurde zunächst abgesichert, die Bombe später entschärft. Der Blindgänger war während des Zweiten Weltkriegs aus 8000 Metern abgeworfen worden, allerdings nicht detoniert.

Hunderte Bomben wurden am 25. April 1945 über Berchtesgaden abgeworfen. Die Amerikaner vermuteten dort Hitlers Alpenfestung. Deshalb entschied man sich dazu, vor der Einnahme des Ortes durch die anrückenden allierten Truppen, den Obersalzberg vorab zu bombardieren. Experten sprechen von 1300 Bomben, die hier an einem Tag abgeworfen wurden und weite Teile des ehemaligen Führersperrbezirkes zerstörten.

Christoph Hertle ist Kampfmittelräumer aus der Nähe von Straubing und derzeit am Obersalzberg mit seinem Suchgerät unterwegs. Seine Aufgabe: die nähere Umgebung der Dokumentation Obersalzberg zu sondieren und nach Munition und Waffen abzusuchen. Denn einen Steinwurf entfernt von der aktuellen Dokumentation soll das Erweiterungsgebäude im Hang des Berges errichtet werden – für eine Millionensumme.

„Wir haben hier oben Bomben vermutet“, sagt Hertle, der am Dienstag die 500-Kilo-Bombe in rund vier Metern Tiefe entdeckt hatte. 15 Meter neben dem Eingang zu einem unterirdischen Bunker hat er den Blindgänger, der sein Ziel im Zweiten Weltkrieg verfehlt hatte, geortet.

Die Freiwillige Feuerwehr Berchtesgaden wurde hinzugerufen und errichtete ein großes Zelt oberhalb des Fundortes. Ein Bagger rückte an und entfernte nach und nach den lehmigen Untergrund, um an das Kampfmittel heranzukommen. Hertle vermutet am Obersalzberg weitere Blindgänger, die nicht explodiert sind und noch immer tief im Boden schlummern. Seiner Meinung nach könnten es bis zu 16 Bomben sein, teils deutlich größer als die „SAP 1000 lbs“. Bomben, in denen bis zu 4000 Kilogramm Sprengstoff enthalten sind.“ Wo sie genau sind, weiß er zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Die „SAP 1000 lbs“ ist die bislang einzige, die dem Metalldetektor auffiel.

Bauarbeiten vorläufig eingestellt 

Dass die Aufregung am Obersalzberg nun groß ist, ist nicht von der Hand zu weisen. Denn weitergebaut werden kann erst dann, wenn sichergestellt ist, dass die Umgebung sicher ist. Nach der Entdeckung des hochexplosiven Geräts wurde am Dienstagnachmittag umgehend ein Sprengkommando aus München nach Berchtesgaden gerufen.

Roger Flakowski ist Sprengmeister und entschärft seit Jahren Bomben, die während des Krieges abgeworfen, aber niemals explodiert waren. Als Sprengmeister lebt man gefährlich, weiß er. Trotzdem hat er keine Angst, wenn er zu einem Auftrag gerufen wird. „Wichtig ist, dass man den Zünder entfernt.“ Die „SAP 1000 lbs“ hat nur einen Zünder, der im hinteren Teil der Bombe in einer rund sechs Zentimeter breiten Öffnung steckte.

Eine halbe Tonne wiegt das aus Stahl gefertigte, über einen Meter lange Teil. „Die Bombe sollte eigentlich den Bunker durchschlagen und im Inneren detonieren“, sagt Flakowski. Statt dessen landete sie 15 Meter entfernt, drang in den Boden ein: eine Zündung erfolgte nicht. Weil die 500-Kilo-Bombe gut erhalten ist, konnte Flakowski den Zünder problemlos entfernen und somit das Kampfmittel entschärfen.

Mit Hilfe eines Baggers wurde das schwere Gerät aus der Grube geborgen. Roger Flakowski reinigte die Stahlhülle, um eventuelle Beschädigungen sichtbar zu machen. „Die Bombe ist sehr gut erhalten“, so sein Fazit. Sogar die Verladenummer ist noch darauf zu erkennen: „FLD 102“. In der Tat trägt diese noch die Originalfarbe, obwohl sie seit über 70 Jahren im Erdreich liegt.

Gutes Gefühl für Kampfmittelräumer

Für Kamfmittelräumer Christoph Hertle ist es die erste Bombe dieser Größe, die er gefunden hat. „Das ist ein gutes Gefühl.“ Roger Flakowski sagt, dass man in Gegenden wie dem Obersalzberg durchaus auf weitere vergleichbare Kampfmittel stoßen könnte. „Das ist nicht ausgeschlossen.“ Die „SAP 1000 lbs“ soll nun in einen sogenannten Zerlegebetrieb transportiert werden, in dem zunächst der Sprengstoff aus der Bombe entfernt wird. Dann wird das Stahlgefährt in seine Einzelteile zerlegt und entsorgt. Für das Sprengkommando geht es zurück nach München, für Christoph Hertle ist die Arbeit am Obersalzberg aber noch nicht beendet. „Ich muss das gesamte Areal ein weiteres Mal sondieren“, sagt er. Damit auch wirklich jedes mögliche Kampfmittel entdeckt und entschärft werden kann.“ 

Autor: Pfeiffer
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