24.09.2017 Landkreise Traunsein/BGL

So hat der Wahlkreis Traunstein gewählt

Politisches Erdbeben im Stimmbezirk 225: SPD landet hinter der AFD

Bundestagswahl 2017
Foto: 123rf
Viele lange Gesichter gab es im Landratsamt Traunstein. Besonders pikant: Im Kampf um Platz zwei ließ die AFD die SPD mit 250 Stimmen hinter sich. Das Wochenblatt auf Stimmensuche.

Die Entscheidung ist gefallen. Alle 50 Kommunen sind bei der Bundestagswahl für die Landkreise Traunstein und das Berchtesgadener Land ausgezählt. Trotz großer Verluste bleibt die CSU mit 44,63 Prozent mit Abstand stärkste Partei. Platz zwei sicherte sich die AFD, die mit 12,02 Prozent die SPD (11,87 Prozent) hinter sich ließ. Platz vier sicherten sich die Grünen mit 9,2 Prozent vor der FDP (9,15 Prozent) und den Linken mit 5,33 Prozent.

Bei den Erststimmen konnte Dr. Peter Ramsauer trotz herber Verluste mit 50,33 Prozent die absolute Mehrheit für sich verbuchen. Damit lag der Stimmkreisabgeordnete fast sechs Prozent über dem CSU-Ergebnis. Dr. Bärbel Kofler (SPD) landete mit 16,11 Prozent auf Platz zwei vor Hansjörg Gerhard Georg Müller (AFD) mit 10,22 Prozent. Die weiteren Ergebnisse: Andreas Herden (Grüne): 8,15 Prozent; Alexander Reich (F.D.P): 5,67 Prozent; Andreas Eberherr (Linke): 4,49 Prozent; Konrad Bauregger (Bayerpartei): 2,86 Prozent und Theresa Thanbichler (ÖDP: 2,22 Prozent.

Mit 77,02 Prozent lag die Wahlbeteiligung fast zehn Prozentüunkte höher als 2013. Stimmen zum Wahlergebnis: 

Der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch (CSU) zeigte sich mit dem Abschneiden seiner eigenen Partei nicht zufrieden. Noch schlimmer sei das Abschneiden der CDU. Die Schuld sah er hier bei Kanzlerin Angela Merkel, sie habe die Sorgen der Menschen nicht ernst genommen. Bedenklich stimme das Abschneiden der AfD, so Walch gegenüber dem Wochenblatt. Walch sprach sich für eine große Koalition aus, diese aber wird es wohl nach ersten Aussagen der SPD-Verantwortlichen nicht geben.

Dr. Bärbel Kofler von der SPD, bisher Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, wird noch länger am Ergebnis ihrer Partei zu knabbern haben. Es sei historisch schlecht, die Partei habe das nicht verdient. Martin Schulz sei der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt gewesen, er habe gekämpft bis zum Schluss, so Kofler. Ihm gelte ihr Respekt. Das Abschneiden der AfD bezeichnete Kofler als "erschreckend".

Hansjörg Gerhard Georg Müller von der AfD verriet dem Wochenblatt, dass er selbst bei der JU in Würzburg aktiv gewesen sei. Er sei zudem ein großer Fan von Franz Josef Strauß. Die AfD stehe nun da, wo die CSU 1998 stand. Mit der Sortierung nach links oder rechts könne er nichts anfangen, er sei ein Wirtschaftsliberaler.

Peter Ramsauer, der das Direktmandat für die CSU wieder gewonnen konnte, zeigte sich enttäuscht von der SPD. Es sei "verantwortungslos", dass sich die SPD einer möglichen großen Koalition verweigere. Normalerweise gelte "erst das Land, dann die Partei", bei der SPD sei dies offenbar anders herum. Von einer möglichen Koalition mit den Grünen hält Ramsauer nicht viel, es sei eine "grauenhafte Vorstellung mit Herrn Trittin in der Koalition zu sitzen", so Ramsauer gegenüber dem Wochenblatt. Eine Koalition stehe wohl nicht vor Weihnachten fest. Die CSU habe den Platz "rechts der Mitte" freigegeben, diesen fülle nun die AfD. 

 

Bezeichnend dann eine Begebenheit am Rande: Müller schüttelte Ramsauer die Hand und wünschte sich eine "gute Zusammenarbeit" für die Region. Ramsauers trockene Antwort: "Das habe ich bisher gut alleine geschafft!" 

Autor: Michael Kolpe

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