05.02.2016 Traunstein/Schneizlreuth

Grundsätzlich zufrieden

„Es kann keine gerechte Strafe geben”: Rekationen auf das Urteil zum Brand in Schneizlreuth


Foto: FDL/Arz
Hier die Reaktionen zum Urteil im Fall der Brandkatastrophe von Schneizlreuth, bei der sechs Menschen ihr Leben verloren haben. Der Angeklagte soll für drei Jahre hinter Gitter.

„Grundsätzlich zufrieden“ zeigte sich Staatsanwältin Monika Veiglhuber mit dem Urteil. Sie habe vier Jahre Freiheitsstrafe beantragt. Das Gericht habe drei Jahre verhängt und sich „im Wesentlichen der Staatsanwaltschaft angeschlossen“. Sie werde das Urteil prüfen und dann entscheiden, ob sie Rechtsmittel einlege. Zu strafrechtlichen Ermittlungen gegen Mitarbeiter der Gemeinde Schneizlreuth oder das Landratsamt könne sie sich derzeit nicht äußern, so die Anklägerin.

 

Verteidiger sehen „viele Kommunen aufgerüttelt“

 

Der Angeklagte war auf eine Freiheitsstrafe, die vollzogen werde, „vorbereitet“, betonten die Verteidiger Frank Starke und Harald Baumgärtl, die auf eineinhalb Jahre mit Bewährung plädiert hatten, nach dem Urteil. Das Gericht habe ein Mitverschulden der Gemeinde angenommen – „wenn auch nicht von dem Gewicht, wie wir es sehen“. Sie seien „nicht ganz zufrieden“. Jedoch sei das Gericht ein Jahr unter dem Antrag der Staatsanwältin geblieben. Ein Jahr weniger sei „erheblich“. Der Strafvollzug beinhalte Möglichkeiten wie eine Halbstrafe oder das Verbüßen von zweidrittel der Strafe mit Restaussetzung zur Bewährung. Für ihren Mandanten sei wichtig gewesen, nicht als „Krimineller oder Verbrecher“ dargestellt zu werden. Zudem habe das Verfahren „viele Kommunen aufgerüttelt“, sich mehr Gedanken um eine Feuerbeschau zu machen. Damit werde letztlich mehr Sicherheit für Menschen geschaffen. Deshalb habe er „nicht umsonst den Vergleich zu dem Prozess um den Eishalleneinsturz in Bad Reichenhall gezogen“, ergänzte Baumgärtl. In beiden Fällen hätten Personen gravierende Fehler begangen und gleichzeitig die Behörden versagt.

 

Nebenklägerin: „Es gibt keine gerechte Strafe“

 

Nebenklägerin Jennifer Doppelhofer, die bei der Feuerkatastrophe ihren 32-jährigen Ehemann und Vater zweier gemeinsamer Kinder verlor, bezeichnete die Strafe als „okay“: „Ich bin froh, dass keine Strafe mit Bewährung verhängt wurde.“ Die 31-Jährige weiter: „Es gibt keine gerechte Strafe für den Tod von sechs Menschen.“ Der Angeklagte sei wohl kein böser Mensch. Er habe aber fahrlässig gehandelt und nicht überlegt, was geschehen könne, „wenn es in so einem Haus brennt“. Es habe ewig gedauert, bis sie realisiert habe, dass ihr Mann nicht mehr nach Hause kommt. Sie hab e zwei Kinder: „Es muss weitergehen.“ Sie sei an allen sieben Prozesstagen nach Traunstein gekommen: „Ich musste wissen, was damals vorgefallen ist.“ Zum Verhalten der Behörden meinte die junge Witwe: „Das macht mich sehr sauer.“

Autor: Monika Kretzmer

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