07.03.2014 Wiesmühl

Unternehmer wehrt sich im Interview gegen Welle der Kritik

Kiesabbau, ein Naturschutzgebiet und viele Fragen

Schedersee
Foto: Andreas Falkinger
Wie passen Unternehmertum, Kiesabbau und Umweltschutz zusammen? In Wiesmühl brauen sich über einem gut gemeinten Projekt von Benno Wieser gerade düstere Gewitterwolken zusammen. Im Interview rechtfertigt sich gegen böse Anschuldigungen. Offensichtlich geb es viele Missverständnisse.

Benno Wieser will in Wiesmühl auf seinem Grund und Boden ein Naturschutzgebiet samt See errichten. Alle Ämter, Behörden und Gutachten befürworten das Projekt – doch zwei Anlieger opponieren dagegen und scharen weitere „Schedersee“-Gegner samt Umweltschutzverband Alztal und Umgebung hinter sich. Inzwischen ist den Gegnern auch der gesamte Tachertinger Gemeinderat beigesprungen und hat sich sehr vehement gegen das Naturschutzgebiet, das mit Hilfe des Kiesnassabbauverfahrens erstellt werden soll, ausgesprochen.  Wir haben mit Benno Wieser über sein Projekt „Schedersee – Kiesabbau in der Wies“ gesprochen.

 

Herr Wieser, hat Sie die einhellige Ablehnung des Gemeinderates überrascht?

 

Benno Wieser: „In der Sache nicht, in der Vehemenz schon. Für die Abstimmung war das kein guter Zeitpunkt. Da ging’s meines Erachtens weniger um die Sache als darum, einem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Mir war klar, dass sich so kurz vor den Kommunalwahlen kaum ein Gemeinderat offen für unser Projekt und gegen die Bedenken zahlreicher – vor allem zahlreicher anwesender – Gemeindebürger positionieren würde. Was mich dann doch überrascht hat, war die Heftigkeit mancher Reaktionen.

 

Sie spielen auf den Ausspruch einer Gemeinderätin an, die sagte, ihr Vorhaben sei „beinahe schon kriminell“?

 

Wieser: „Ja. Da wurde eine Grenze überschritten. Ich bin Geschäftsmann – da lebt man von seinem guten Ruf. Wenn schwarz auf weiß zu lesen ist, ich ginge ,schon beinah kriminell‘ vor, dann ist das schlicht rufschädigend. Zumal ich zahllose Gutachten beigebracht habe, die belegen, dass da gar nichts mit unrechten Dingen zugeht. Ich habe mich in den vergangenen Monaten bemüht, Druck aus dem Kessel zu nehmen und alle zu informieren, die sich informieren lassen wollen. Wenn eine Gemeinderätin, die dieses Angebot nachweislich nicht angenommen hat, derart ungeheuerliche Unterstellungen äußert, dann fungiert sie ausschließlich als Scharfmacherin. Ob’s zum See kommt oder nicht – mir liegt daran, dass wir in Wiesmühl auch noch vernünftig miteinander umgehen können, wenn Frau Lobensommer demnächst nicht mehr im Gemeinderat sitzt und sich nicht mehr genötigt sieht, sich um vermeintliche Interessen der Mitbürger kümmern zu müssen.“

 

Sie sind der Auffassung, Sie hätten die Öffentlichkeit ausreichend informiert?

 

Wieser: „Auf alle Fälle. Gut, es kann sein, dass ich die Leute anfangs mit dem Plan, ein Naturschutzgebiet zu erstellen, überrumpelt habe. Aber ich glaube, dass ich nach diesen Anfangsschwierigkeiten alles getan habe, um das Projekt umfassend darzulegen.

 

Wie hat diese Überzeugungsarbeit ausgesehen?

 

Wieser: „Ich hätt’s mir ja leicht machen können. Die Pläne sind alle ausgelegen; jeder, der sich dafür interessiert, hätte sie im Landratsamt einsehen können. Aber ich hab auch immer wieder betont, dass meine Tür jedem, der Fragen hat, offen steht. Gekommen ist keiner. Im September 2012 hab ich auf meine Kosten eine Busfahrt zu einem vergleichbaren Kiesnassabbau in Straubing organisiert. Anlieger und Tachertinger Gemeinderäte waren ausdrücklich persönlich eingeladen. Der Bus war voll besetzt – Schedersee-Gegner und Gemeinderäte waren nicht dabei. Aber wenn’s der objektiven Meinungsfindung dient: Ich biete Projektgegnern und Gemeinderäten hiermit eine weitere Fahrt nach Straubing an.“

 

Sie sind also der Auffassung, die Gemeinderäte haben über etwas befunden, ohne sich im Sinne einer Sorgfaltspflicht um ein objektives Meinungsbild bemüht zu haben?

 

Wieser: „Viele der Aussagen lassen zumindest darauf schließen. Es werden Argumente ins Feld geführt, die schon seit zwei Jahren widerlegt sind: Da ist von einer sieben Meter hohen Schallschutzwand die Rede, von einer 20 bis 25 Meter breiten Abstandsfläche, von einem Loch. Wer einen Blick auf den Plan wirft, sieht, dass nichts davon richtig ist. Die ,Wand‘ ist ein begrünter Hügel, die Abstandsfläche ist an der schmalsten Stelle um die 40 Meter breit, eine Grube entsteht nicht, weil sie sich sofort mit Grundwasser füllt. Der UVA behauptet, der Kiesnassabbau gefährde die Artenvielfalt. Tatsächlich wird der See dort neue Lebensräume schaffen, wo jetzt noch intensiv Mais gedüngt und gespritzt wird. Wo der UVA die Artenvielfalt hernimmt, ist mir schleierhaft.“

 

Gebäudeschäden durch Rutschungen oder Erschütterungen sind nicht zu befürchten?

 

Wieser: „Wirklich nicht. Das belegen auch die Gutachten. Von einem Wertverlust der Häuser und künftigen Seegrundstücke kann gar keine Rede sein.

 

Es wurde die Befürchtung geäußert, dass sich Kiesabbau in der Wies und die Geothermie in Garching nicht vertragen könnten?

 

Wieser: „Da werden in zwei oder drei Kilometer Entfernung drei Kilometer tiefe Löcher gebohrt. Der See wird an seiner tiefsten Stelle 25 Meter tief sein. Wir haben also einen Unterschied von 2.975 Höhenmetern. Da passt die Zugspitze dazwischen, und zwar nicht ab Höhe Eibsee, sondern ab Meereshöhe gemessen. Ich kann beim besten Willen keinen Zusammenhang erkennen.

 

Mit einer zusätzlichen Belastung durch den Lkw-Verkehr müssten die Anwohner aber doch schon leben, oder?

 

Wieser: „Vordergründig vielleicht. Fakt ist doch, dass unser Abnehmer so oder so Kies braucht. Wenn er ihn nicht aus der Wies holt, wie es die ökologisch und wirtschaftlich sinnvollere Variante wäre, dann holt er ihn womöglich aus dem Landkreis Altötting. Das heißt doch: Diese Laster fahren in jedem Fall durch Wiesmühl. Das Aufkommen von theoretisch zusätzlichen 30 Lastern wird bei über 10.000 Autos, die täglich durchs Dorf karren, subjektiv auch gar nicht wahrgenommen.“

 

Aber die Ladetätigkeit verursacht doch Lärm, und das elf Stunden am Tag?

 

Wieser: „Die Laster werden am von den Wohnhäusern entferntesten Punkt beladen. Der nasse Kies wird auf schwimmenden Förderbändern zu den Lastern gebracht; da fahren also keine Kipper stundenlang kreuz und quer durch eine Grube, die im Übrigen gar nicht existiert, weil sie ein See ist. Und wenn der Kiesabnehmer für 30 Lastwagenladungen elf Stunden brauchen würde, dann müsste er ernsthaft seine Wirtschaftlichkeit hinterfragen. Das Gutachten besagt, dass der Abbau elf Stunden lang möglich wäre, ohne die Lärmschutzrahmenbedingungen zu verletzen. Abgebaut wird aber maximal acht Stunden, für den Nassabbau im Nahbereich dürfen drei Stunden täglich nicht überschritten werden. Wir ziehen da doch keinen Schichtbetrieb auf.“

 

Es geht aber doch vordergründig um den Kiesabbau in der Wies und nicht um die Erstellung eines Naturschutzgebietes? Wird Ihnen „reiner Etikettenschwindel“ zu Recht vorgeworfen?

 

Wieser: „Was war zuerst da – die Henne oder das Ei? In meinem Fall war’s eindeutig die Idee zum See. Die Frage ist, wie man da hingelangt. Der Kies muss dafür jedenfalls weg. Wie gesagt, ich bin Geschäftsmann, und als solchem ist es mir hoffentlich nicht verboten, auf und mit meinem Grund und Boden Geschäfte zu machen. Der Vorwurf des ,Etikettenschwindels‘ ist in dem Zusammenhang allerdings dreist. Wollte ich mir das steinige Maisfeld vergolden lassen, dann fänden sich andere Möglichkeiten. Sobald der Kiesstandort ausgebeutet ist, habe ich nie wieder Gelegenheit, an diesem Stück Land auch nur einen Cent zu verdienen. Das wird dauerhaft und unumkehrbar ein Naturschutzgebiet, das der Allgemeinheit zugute kommt. Nur damit das deutlich wird: Ich schenk da quasi zwölf Hektar weg. Dass ich diesen Verzicht und die Ausgaben, die für das Naturschutzgebiet noch entstehen, gegenfinanziere, erscheint mir nur legitim.“

 

Wenn das alles so rosig wäre, wie Sie das schildern, wie erklären Sie sich dann den Gegenwind, den Ihr Projekt heraufbeschworen hat?

 

Wieser: „Ich gehe davon aus, dass ich die Leute mit meinem Schedersee-Plan anfangs überfordert hab. Wenn dann einer auch noch ein Problem mit meiner Person hat, dann formiert er den Widerstand, im Sinne von: ,Wenn der sich wie der kleine König von Wiesmühl aufführt, dann schauen wir mal, ob wir ihn nicht in die Schranken weisen können.‘ Und so schaukelt sich das hoch. Man macht den Nachbarn völlig irrational Angst, dass ihre Lebensqualität leidet und die Häuser und Grundstücke nichts mehr wert sind, man spannt den UVA ein. Das ist auch so ein Paradoxon: Ein Verband, der sich den Umweltschutz auf die Fahne geschrieben hat, setzt sich gegen ein Umweltschutzprojekt ein! Auf welcher Seite da wohl ein ,reiner Etikettenschwindel‘ liegt?“

 

Aber Fakt ist doch auch, dass sich nicht alle Behörden positiv ihrem Projekt gegenüber geäußert haben, wie auch in der Gemeinderatssitzung bemängelt wurde.

 

Wieser: „Das stimmt so nicht. Gegen das Projekt ausgesprochen haben sich – aus welchen Beweggründen auch immer – der BBV Mühldorf und Traunstein sowie der Bund Naturschutz Bayern. Und das sind keine Behörden, sondern Interessenvertretungen. Alle Behörden, die eine Stellungnahme zu den Gutachten abgeben müssen – Wasserwirtschaftsamt, Untere Naturschutzbehörde, Landratsämter –, haben sich samt und sonders für den Schedersee ausgesprochen. Von 22 eingeholten Meinungen sind 20 für das Projekt. Wenn der BBV im Zusammenhang mit dem Schedersee mit dem Begriff ,Flächenfraß‘ arbeitet, dann ist das schon eine eigenwillige Neudefinition. Von Flächenfraß spricht man, wenn Naturland in Verkehrs- oder Siedlungsflächen umgewandelt wird. Wir wandeln ein Stück Land, auf dem nur unter intensivem Dünger- und Pflanzenschutzmitteleinsatz der Flachwurzler Mais mit Müh und Not gedeiht, in ein Naturschutzgebiet um. Wir geben der Natur Land zurück. Das ist, mit Verlaub, das Gegenteil von Flächenfraß.“

Autor: Andreas Falkinger

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