28.02.2017
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Gastkommentar der Woche


Empfang zum 80. Geburtstag

Wissen Sie, was ein Déjà-vu ist? Wenn einen das Gefühl beschleicht, man habe etwas schon einmal erlebt. So ist's mir dieser Tage ergangen, als Dieter Görlitz seinen 80. Geburtstag feierte. Die Stadt gab einen Empfang zu seinen Ehren, auf der großen Treppe zum historischen Rathaussaal standen dicht an dicht die Gratulanten.

 

Und oben stand der Ehrenbürger und nahm das Defilee ab. Genau so war's vor 30 Jahren, als der damalige OB Dieter Görlitz ins Alte Rathaus eingeladen hatte: Jedermann sollte dem Stadtoberhaupt zum 50. Geburtstag gratulieren dürfen. Die Warteschlange ist legendär, sie reichte weit auf den Stadtplatz hinaus. Erinnern Sie sich?

 

Er stand für Aufbruchsstimmung

Die jungen Leute unter den Gästen haben am Samstag natürlich auch heftig applaudiert zu seiner Lebensleistung, die Oberbürgermeister Dr. Christian Moser und als Festredner Dick Deimer würdigten.


Aber ich glaube, wer diese Zeit nicht selbst erlebt hat, kann nicht ermessen, welche Verdienste Dieter Görlitz als OB wirklich hatte. Das lässt sich gar nicht mit einzelnen Projekten erklären, so eindrucksvoll sie auch sein mögen. Das Wichtigste war wohl die Aufbruchsstimmung, die Görlitz in „seiner“ Stadt erzeugte, sein mitreißender Tatendrang und der unbedingte Wunsch, Deggendorf nach vorn zu bringen. Witzigerweise kam das am besten in dem Marsch zum Ausdruck, den die Stadtkapelle ihm zu Ehren komponiert hatte: Ein schnelles, feuriges Musikstück, völlig ungeeignet zum Marschieren. Wer da mithalten will, muss mindestens den Laufschritt einlegen. Genauso war Dieter Görlitz. Und diese schnelle Gangart forderte er auch von seinen Mitstreitern.
Der Gastgeber OB Christian Moser übrigens feiert im Juli auch einen runden Geburtstag: Er wird 40. Vielleicht gibt er ja gleichfalls einen Bürgerempfang. Oder er wartet zehn Jahre ab, um es dann seinem Vor-Vorgänger gleichzutun.

 

Pronold und die Curry-Wurst

Beim Sonntags-Stammtisch des BR mit Helmut Markwort war diesmal Florian Pronold zu Gast. Der Parlamentarische Staatssekretär und Noch-Landeschef der SPD nutzte die Bühne, um für sein Lieblingslokal in Deggendorf Werbung zu machen: Die beste Currywurst weltweit wird beim Schober Otto serviert, sagte er.


Hoffentlich hat seine Chefin, die Umweltministerin Barbara Hendricks nicht zugeschaut, sonst gibt's womöglich einen Rüffel, denn die Umweltministerin macht sich ja in jüngster Zeit für vegetarische Kost bei Staatsempfängen stark. Man wolle Vorbild sein, so die Bundesministerin. Pronold, mit akkurat geschnittenem 3-Tage-Bart, wurde von der Stammtischrunde sehr glimpflich behandelt. Niemand fragte ihn nach den „Bauernregeln“, die sein Ministerium nach heftigen Protesten der Landwirte zurückziehen musste. In Deggendorf hat ihn wohl auch niemand darauf angesprochen. Denn seit er der Stadt einen kräftigen Zuschuss zur Erneuerung der Eishalle zusagen konnte, hat er zuhause einen großen Stein im Brett.

 

Von Raben und Bienen

Neulich nachts ist ein riesiger Schwarm von Raben in die Stadt eingefallen. Sie haben in den Bäumen am Friedhof genächtigt. Augenzeugen berichten, dass die Bäume schwarz waren von den Vögeln. Anderntags sind sie weitergezogen. Wohin? Am ersten „Frühlingstag“ vor einer Woche haben auch die Bienen ihre Winterruhe beendet und sind erstmals ausgeflogen. Vor diesem ersten Ausflug sollte man besser die Wäsche von der Leine holen, denn die Bienen haben nach dem langen Schlaf übervolle Blasen und nutzten die Gelegenheit an der frischen Luft, um sich zu entleeren. Hängt Wäsche rum, ist sie über und über gesprenkelt.

 

Die Waldbahn wartet nicht

Das ist neu: Immer häufiger beschweren sich Bahnpendler, dass ihnen die Waldbahn vor der Nase weggefahren ist. Eigentlich ist alles perfekt getaktet.

 

Der Zug aus München kommt an, ein paar Minuten später fährt die Waldbahn Richtung Bayerischer Wald. Früher hat das auch gut geklappt, aber seit einigen Wochen pressiert's dem Lokführer offenbar. Er fährt eine Minute eher los, ohne Rücksicht drauf, ob da noch Zugreisende über die Treppe hasten, um den Zug zu erreichen. Vor allem für ältere Bahnreisende, die sich mit ihrem Koffer abplagen und nicht mehr so hurtig springen können, ist das ein echtes Problem. Diese Eile ist nicht verständlich, denn schließlich wartet kein Anschlusszug auf die Waldbahn. Und schade ist es auch, denn bis vor kurzem habe ich nur Lob gehört über die Privatbahn und ihr ungewöhnlich freundliches und flexibles Personal.

Autor: Cornelia Wohlhüter