10.10.2017
Artikel drucken Leserbrief schreiben

Gastkommentar der Woche


Tunnels schon wieder zu

Wie bitte? Die Tunnels der B 11 werden schon wieder gesperrt?! Seit dem großen Umbau, der Generalsanierung im Jahr 2015, ist es gefühlt das 7. oder 8. Mal. Und immer dienen die Sperrungen der Verkehrssicherheit. Klar. Mal geht das Licht nicht so richtig, mal muss dringend gewartet werden und mal ist ein Gewährleistungsschaden zu beheben. Diesmal ist's also wieder eine Wartung. Die neuen Einbauten sind ja auch schon fast zwei Jahre alt, da muss man schon Verständnis haben. Vermutlich aber ist schön langsam Schluss mit dem Verständnis. Erst die einjährige Sperrung der Tunnels, dann die Sperrung der B 11, und dazu seit Monaten die Behinderungen auf den Autobahnen. Bei jedem Unfall auf der Baustrecke, bei jedem größeren Stau – also praktisch täglich – wälzen sich ungewohnte Verkehrsströme durch die Innenstadt. Da fragt man sich schon, ob diese Arbeiten im Tunnel nun wirklich so dringlich waren. Oder ob man nicht hätte warten können, bis endlich die Autobahnen wieder frei befahrbar sind.


Es ist doch seltsam. Früher bauten die Menschen auch Tunnels. Und die hielten Jahrhunderte, ohne dass in ihnen ständig gearbeitet werden musste. Je sicherer (Brandschutz nach EU-Recht) die Tunnels werden, desto häufiger sind sie gesperrt – was auch nicht gerade zur Sicherheit beiträgt. Aber vielleicht ist das wie mit den Waschmaschinen und anderen Haushaltsgeräten. Alle Fachleute sagen mir, dass die neuen Maschinen längst nicht so lange halten wie die alten, die vielleicht mehr Energie verbrauchten, aber für die Ewigkeit gebaut waren – ohne all die Kinkerlitzchen, mit denen heute geworben wird. Wo bitte, ist der ökologische Vorteil einer energetisch korrekten Spülmaschine, wenn sie nach fünf Jahren verschrottet werden muss? Beim Drucker haben wir uns schon dran gewöhnt, dass es oft günstiger ist, ein neues Modell zu kaufen, statt eines neuen Toner.


Wer hat die Wölfe befreit?
Wer hat das Rudel Wölfe im Nationalpark freigelassen? War es ein fehlgeleiteter Tierfreund? Oder war es ein Wolfshasser, der den Menschen im Bayerischen Wald drastisch vor Augen führen wollte, dass Wölfe doch nicht so ungefährlich sind. Jedenfalls war die „Befreiung“ aus dem gesicherten Gehege im Nationalpark ein Akt unglaublicher Dummheit.
Schon freilaufende, verwilderte Hunde sind gefährlich. Umso mehr natürlich Wölfe, gerade wenn sie unter menschlicher Obhut lebten und den Existenzkampf in freier Wildbahn nicht kennen.


Das desaströse Wahlergebnis in Bayern hat vielleicht auch ein bisschen was mit dem offiziellen Jubel über die ersten Wolfsrudel zu tun, die – wer weiß woher – bei uns eingewandert sind. Besonders glücklich waren die Bauern und Jäger und Wanderer nicht über diese Nachricht. Und dass Schäfer heute ihre Herden einzäunen müssen, um sie zu schützen, gefällt nicht jedem. Wenn ausgestorbene Wildtiere wie Wölfe, Bären oder Biber und Luchse wieder auftauchen, freuen sich die Naturschützer. Aber sie passen einfach nicht mehr in unsere Welt, da beißt die Maus keinen Faden ab. Die entlaufenen Wölfe vom Nationalpark haben das mehr als deutlich gemacht.


Dark Dinner
Waren Sie schon mal bei einem Dark Dinner? Einem Festschmaus in völliger Dunkelheit? Das ist die neueste Mode – aber ich glaube nicht, dass sich das wirklich durchsetzt. Selbst wenn einen nachts der Heißhunger packt und man im Dunkeln zum Kühlschrank schleicht, hat man doch ein kleines Licht, in dem man erkennen kann, was man da nascht: Essiggurke oder eine Scheibe Wurst, das Rest-Schnitzel vom Mittagstisch oder den Pudding. Wer das kulinarische Abenteuer sucht und Geld sparen will, könnte das Licht im Kühlschrank ausschalten und blindlings reingreifen. Das wäre dann auch ein „Dark Dinner“.

Autor: Cornelia Wohlhüter