16.05.2017
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Kommentar der Woche




Meist bekomme ich von der Deutschen Rentenversicherung nur Zettel, über die ich mich ärgere. Dass ich nach 20 Arbeitsjahren beispielsweise genauso viel Rentenanspruch gesammelt habe wie ein Bundestagsabgeordneter nach vier Jahren im Parlament: 800 Euro nämlich.


Diesmal aber ist es ein Stimmzettel – für die Sozialwahlen. Überall habe ich dazu schon große Anzeigenkampagnen gesehen: Klar, kein Mensch weiß, was da eigentlich gewählt wird und im Zweifel, um sich nicht zu blamieren, setzt der Staat auf Propaganda. Gewählt werden übrigens unsere Vertreter in den Sozialkassen – die Errungenschaft unseres Landes! Doch halt: Warum genau soll ich mich denn bitte an dieser Wahl beteiligen?


Unsere Sozialkassen werden doch seit Jahren geplündert! Für die Flüchtlingskrise pult Gesundheitsminister Hermann Gröhe im Gesundheitsfond rum, der Einheitssatz wird konterkariert, indem die Zusatzbeiträge explodieren, die aber nur die Arbeitnehmer zahlen.
Und bei der Rente haben sie uns doch auch beklaut! Die Besteuerung hat man eingeführt, der Satz steigt, bis ich mal in Rente gehe auf 100 Prozent der zu versteuernden Rente. Die Absicherung von Berufsunfähigkeit hat man für Jahrgänge nach 1960 mit der Verweisbarkeit versehen – wenn ich meinen Job als Journalist nicht mehr machen kann, schicken sie mich eben in einen anderen Job. Steuern und Abgaben belaufen sich für mich auf 50 Prozent meines Gehalts – das ist genauso nah am Kommunismus wie am Kapitalismus. Und auf der Wahlliste stehen zum größten Teil Gewerkschaften wie verdi, eine der Gewerkschaften, die längst zu linken politischen Organisationen geworden sind. Warum sollte ich also wählen?


Ganz einfach: Weil ich mitmischen will! Und zwar immer und überall! Wenn es etwas gibt, worauf ich stolz bin, dann ist es die Meinungsfreiheit und die Möglichkeit, an Wahlen teilzunehmen. Für diese Möglichkeit habe ich nichts getan, sondern das ist das Erbe aus 70 Jahren Demokratie und Frieden.


Jeder, der etwa in der DDR in einer Diktatur lebte, sollte wissen, was es bedeutet, wenn man seine Klappe halten muss. Ich rede mit! Basta!

Autor: Christian Eckl