10.10.2017
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Kommentar der Woche


Lego oder Playmobil?

Die Menschheit neigt ja dazu, sich gerne in Lager zu spalten. Das geht schon früh los. Ich gehörte damals zur Lego-Fraktion. Das bedeutete, dass ich mit den unkreativen Playmobil-Jungs so rein gar nichts zu tun haben wollte. Playmobil? Das ging gar nicht! Nun möchte man meinen, der Mensch würde im Lauf der Jahre reifen und womöglich sogar toleranter werden.


Aber die Lager gibt es natürlich nach wie vor und man hegt und pflegt seine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Fraktion mitunter schon fast in religiösen Ausmaßen.


Am stärksten fällt mir das jedes Jahr im Herbst auf. Nämlich immer dann, wenn Apple sein neues Telefon vorstellt. Dann werden die Lager wieder offensichtlich. Während die Apfeljünger ergriffen die Live-Übertragung der Produktpräsentation mitverfolgen, verteufeln die Benutzer von Android-Mobiltelefonen die Apple-Produkte als technisch unterlegene und total überteuerte Lifestyle-Dinger, die kein normaler Mensch braucht.


Kompromisse? Unmöglich! Da gibt es nur entweder oder ... Das Schlimmste, was man machen kann: Nicht klar Stellung beziehen. Das fordert eingefleischte Vertreter beider Lager nur dazu heraus, zu einer nicht enden wollenden Überzeugungs-Orgie anzusetzen.
Und so muss ich mich jetzt outen: Ich benutze ein Apple-Telefon. Und dabei bleib ich auch. Aber nicht, weil ich aus tiefstem Herzen überzeugt bin, zum einzig wahren Lager zu gehören. Nein, hauptsächlich ist es rein der Bequemlichkeit geschuldet. Ich kenn mich mit dem iPhone aus und weiß ungefähr, welchen Knopf ich wo drücken muss und was das Ding dann macht. Mich in ein anderes System einzuarbeiten, ist mir einfach zu müßig. Deswegen bleibe ich übrigens auch bei der Kamera-Marke meines Vertrauens. Und nicht weil ich glaube, alle anderen Hersteller auf der Welt würden ohnehin nur unbrauchbaren Schrott produzieren.


Also liebe Leser, egal ob Auto, Telefon, Küchengerät ... Seien Sie einfach ein bisschen tolerant. Nur eine Bitte: Versuchen Sie bloß nicht, mich nachträglich von Playmobil zu überzeugen!

Autor: Stefan Schmidbauer