Wochenblatt
02.02.2011 Erding/Grucking

Experten votieren für eine Südtrasse, reichlich Widerstand aus Bockhorn und Langengeisling

Die Nordumfahrung im Wirtshaus: Der helle Wahnsinn


Informationsabend in Grucking.

Die Nordumfahrung im Wirtshaus – sie hat am Montagabend gezeigt, wie umstritten das Verkehrsprojekt zur Entlastung von Erding tatsächlich ist. Nachdem Verkehrsexperten von Straßenbauamt Freising und Planungsbüros stadtnahe Südtrassen als Favoriten präsentierten, ging es im mit 300 Besuchern voll besetzten Saal des Gasthauses Rauch in Grucking (Bild o., Foto: cb) hoch her.

Eine offene Diskussion, ein Disput, wie ihn Landrat Martin Bayerstorfer haben wollte. Und so waren am Montagabend alle in die Dorfwirtschaft gekommen. Die Experten, wie gesagt. Die Volksvertreter, Bürgermeister, Gemeinde- und Kreisräte. Das Volk, das in der ersten Hälfte der Veranstaltung vor allem mit reichlich Fachchinesisch konfrontiert wurde.

Für Peter Weywadel, Leiter des Straßenbauamts Freising, ebenso klar wie für Helmuth Ammerl vom Münchner Planungsbüro Obermeyer: Eine mittige Trasse der Nordumfahrung zwischen Eitting und Bockhorn kommt überhaupt nicht infrage. Hohen Kosten stünden dabei nur geringe Entlastungen der (Berufs-)Verkehrsbrennpunkte in Erding entgegen. Eine Mitte-Variante erachten die Experten gar als gefährlich, weil sie mit einer über drei Kilometer langen Geraden einen echten Unfallschwerpunkt schaffen würde.

Also die Süd-Wahltrassen, nördlich von Langengeisling gelegen. Planer Ammerl brachte seine Präferenz deutlich auf den Punkt: „Eine Wahltrasse Süd würde trotz zunehmenden Verkehrs wegen des Flughafens beispielsweise auf der Anton-Bruckner-Straße ein Verkehrsniveau unter dem aktuellen gewährleisten.“ Ammerl und Weywadel sagten übereinstimmend, dass sie dem Strukturausschuss des Landkreises empfehlen würden, die Wahltrassen Süd 2 und 3 weiter zu verfolgen.

Damit zogen sie den Groll der unterschiedlichsten Lagern auf sich. Etwa den von Karl Heinz Jobst, derzeit parteiloser Kreisrat: „Egal welche Variante man nimmt, sie sind alle gleich schlecht“. In „eines der wertvollsten Feuchtbiotope des Landkreises“ einen Verkehrsknotenpunkt hineinzulegen, erachtet Jobst gar als „hellen Wahnsinn“.

Was beispielsweise Weywadel garnicht erst anfechten wollte: „Wir tangieren immer die wertvollsten Flächen, wenn wir kommen“, flüchtete er sich in Sarkasmus , ehe er ernst hinterherschickte: „Der Konflikt ist uns sehr wohl bewusst. Es ist halt die Frage wie der Landkreis das bewertet.“

Noch deutllicher waren die Wortmeldungen aus der Gemeinde Bockhorn. Martin Haindl aus Hecken befürchtet „erheblich mehr Verkehr durch Bockhorn“ mit „2.000 Autos zusätzlich direkt an Schule und Kindergarten vorbei“.

Bockhorns Bürgermeister Hans Schreiner zeigte sich über die Expertisen blank erbost: „Die Belange von Bockhorn interessieren bei der Planung der Nordumfahrung nicht im Geringsten.“ Seine Drohung: „Die Gemeinde wird mit aller Kraft“ gegen diese Nordumfahrungspläne Widerstand leisten. Da halfen auch Beschwichtigungen von Landrat Bayerstorfer, vor allem für Grünbach nach entlastenden Alternativen zu suchen, nichts mehr.

Martin Neumaier aus Langengeisling beschwor noch einmal die Vorzüge einer mittleren Trasse. Dadurch würden auch die Holzlandgemeinden und Taufkirchen vom Verkehr entlastet; eine Südtrasse sei „nur für Erding am besten“.

Womit er den Groll von Eittings Bürgermeister Georg Wiester und dem Eichenkofener Ortssprecher Lorenz Hellinger auf sich zog. Wiester verwies auf die aktuelle Verkehrs-Schieflage in Eitting mit „63.000 Fahrzeugen pro Tag“, Hellinger beklagte den möglichen Verlust von wertvollen Böden für die Eichenkofener Landwirte.

Zwei Wortmeldungen äußerten generelle Zweifel an einer Nordumfahrung. Hartmut Witting aus Langengeisling von der Bürgerinitiative „Nordumfahrung, so nicht“, stellte die rhetorische Frage, warum die Busse zum Flughafen so schlecht ausgelastet sind. Und warum die Flughafen München GmbH für ihre Mitarbeiter keinen Werksverkehr wie beispielsweise BMW zustande bringt.

Alfred Schreiber vom Verkehrsclub (VCD) Erding-Freising: „Sollen wir die Nordumfahrung nicht eher bleiben lassen? Sie bringt wenig Entlastung, viel Landschaftszerstörung und man zieht zusätzlichen Verkehr an.“ Und nicht zuletzt meldeten sich auch noch die Tierschützer zu Wort: Störche gefährdet, Frösche und Salamander ebenso – der Weg zur Nordumfahrung, auf welcher Trasse auch immer, wird definitiv ein steiniger werden.

Autor: cb

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