11.10.2017 Erding

Im Landkreis Erding waren es 2016 rund 1.370 Wildunfälle

Zahl der Wildunfälle in Bayern weiter hoch

Laut dem Bayerischen Innenministerium ist die Zahl der Wildunfälle, die in den ersten drei Monaten diesen Jahres registriert wurden, mit 15.200 Zusammenstößen unverändert hoch.
Foto: Kreisjagdverband Erding e.V.
Laut dem Bayerischen Innenministerium ist die Zahl der Wildunfälle, die in den ersten drei Monaten diesen Jahres registriert wurden, mit 15.200 Zusammenstößen unverändert hoch.

Der Kreisjagdverband Erding e.V. warnt aktuell vor einer erhöhten Gefahr von Wildunfällen im Herbst und fordert eine Verantwortungsgemeinschaft aus Verkehrsteilnehmer, Grundstückseigentümer, Jägerschaft und Straßenbaulastträger um die Zahl der Wildunfälle zu verringern. Im Landkreis Erding wurden laut Polizeiinspektion Erding im Jahr 2016 rund 1.370 Wildunfälle registriert. Bis September 2017 waren es 1.077 Wildunfälle im Landkreis Erding. Die Dunkelziffer ist sicher höher.

 

Der BJV appelliert an Autofahrer zur Vorsicht

Der Vorsitzende und Biologie Thomas Schreder appelliert an alle Verkehrsteilnehmer: „Fahren Sie auch in Ihrem eigenen Interesse besonders vorsichtig. Speziell bei Fahrten durch Waldstücke, entlang von Hecken oder zwischen hohen Ackerbaukulturen wie Maisfelder kann unvermittelt Wild auf der Straße auftauchen. Behalten Sie daher auch immer den Fahrbahnrand im Auge und seien Sie stets bremsbereit. Taucht auf der Fahrbahn ein Stück Wild auf, sollte gegebenenfalls sofort abgeblendet und kontrolliert gebremst werden. Ist ein Zusammenstoß nicht mehr zu verhindern, muss das Lenkrad unbedingt gerade gehalten werden – keinesfalls sollten unkontrollierte Ausweichmanöver versucht werden.“

 

Richtiges Verhalten bei Wildunfällen – Wildunfall-Flyer des BJV

Mit dem Wildunfall-Flyer informiert der BJV alle Verkehrsteilnehmer, wie sich Wildunfälle vermeiden lassen und wie man richtig reagiert, wenn ein Zusammenstoß unvermeidbar ist. Dazu zählen auch die korrekte Angabe des Unfallortes mit Hilfe des Navigationsgerätes, einem GPS-Handy oder Straßenmarkierungen sowie das Erfassen der Bedeutung von Stationszeichen am Straßenrand, was vielen Autofahrern nicht geläufig ist.

 

Thomas Schreder gibt ein paar Tipps zum richtigen Verhalten:

- Die goldene Regel zum korrekten Verhalten lautet: Ruhe bewahren! Schalten Sie Ihre Warnblinkanlage ein, legen Sie Ihre Warnweste an und sichern Sie die Unfallstelle mit einem Warndreieck. Personenschutz geht vor!

- Verletze Tiere dürfen keinesfalls angefasst werden. Wurde das Wild durch den Zusammenstoß getötet, sollte man es nach Möglichkeit mit Schutzhandschuhen von der Fahrbahn an den Rand ziehen, um Folgeunfälle zu vermeiden.

- Das getötete Wild darf keinesfalls mitgenommen werden, da es sich dabei um den Tatbestand der Wilderei handeln würde.

- Auch wenn das Wild nach der Kollision scheinbar unversehrt weiter läuft, ist es meist schwer verletzt und geht jämmerlich zu Grunde. Daher muss ein Wildunfall nach dem Bayerischen Jagdgesetz in jedem Fall unverzüglich der Polizei gemeldet werden. Die Polizei informiert den zuständigen Jagdpächter, der sich mit seinem Jagdhund auf die Suche nach dem verletzten Wild macht. Nur so kann das leidende Tier vom zuständigen Jäger erlöst werden.

- Im Übrigen ist für die Versicherungen die Meldung des Wildunfall bei der Polizei sehr wichtig. 

 

Der Wildunfall-Flyer kann in der Geschäftsstelle des BJV kostenlos bestellt werden: Tel.: 089-990234-0 oder ist im Internet unter http://www.jagd-bayern.de/uploads/media/Wildunfall_Flyer.pdf verfügbar.

 

Wieso kommt es vermehrt zu Wildunfällen?

Die unverändert hohe Zahl an Wildunfällen ist auf verschiedene Ursachen zurückzuführen: Zum einen nimmt die Verkehrsdichte stetig zu, Fahrzeuge fahren immer schneller, die Störungen in den Revieren werden immer mehr, unsere Landschaft wird durch immer mehr Straßen durschnitten und somit auch der Lebensraum der Wildtiere. Der Landkreis Erding ist hier durch seine Lage zwischen der Landeshauptstadt München, Landshut und dem Flughafen einer ganz besonderen Belastung ausgesetzt. Während sich Wildtiere innerhalb ihres Lebensraumes, fortbewegen, müssen sie permanent mehrere dicht befahrene Straßen überqueren.

 

Zum anderen fällt gerade in der jetzigen Jahreszeit die Rush-hour des Berufsverkehrs mit den Aktivitätszeiten einiger Wildarten zusammen, das heißt, in den frühen Morgenstunden und in der Abenddämmerung sind die Tiere besonders viel unterwegs. Aber auch nachts ist die Aktivität der Wildtier hoch und daher die Gefahr von Wildunfällen immer gegeben. Speziell bei Straßen, die durch Waldstücke, entlang von Hecken oder zwischen hohen Ackerbaukulturen wie Maisfelder führen, kann unvermittelt Wild auf der Straße auftauchen.

 

Zerschneidet eine neu gebaute Straße den Lebensraum von Wildtieren, folgen diese oft Jahre später noch ihren gewohnten Wegen, den sogenannten Wechseln – auch über die Straße. Zudem locken wildtierfreundliche Bepflanzungen an Straßenränder wie Streuobstbäume, wilde Kräuter und Blühstreifen zusätzlich Wildtiere an, daher fordert der BJV das sogenannte Straßenbegleitgrün wildtierunfreundlich zu gestalten. Die Jägerschaft kann aber auch mit einer intensiven Bejagung in Straßennähe Einfluss auf das Verhalten der Wildtiere nehmen. Zu Guter Letzt ist es an den Verkehrsteilnehmer selbst, Geschwindigkeitsbegrenzungen einzuhalten, Warnzeichen zu beachten und so einen Teil zur Vermeidung von Wildunfällen beizutragen.

 

Verantwortungsgemeinschaft zur Verhinderung von Wildunfällen zwingend notwendig

Die Gründe für die Wildunfälle in Bayern sind nicht durch einen Faktor alleine beeinflussbar. Der Vorsitzende Thomas Schreder dazu: „Die konstant hohe Zahl an Wildunfällen zeigt uns, dass wir dringend eine Verantwortungsgemeinschaft bilden müssen, in der jeder einzelne für eine Reduzierung der Wildunfallzahlen beitragen muss. Dazu zählt der Grundeigentümer genauso wie der Jäger, der Verkehrsteilnehmer ebenso wie der Straßenbaulastträger.“

 

Pauschale Abschussforderungen helfen nicht weiter

Die im Zusammenhang mit den Wildunfällen geäußerten pauschalen Abschusserhöhungen für Rehwild aus der SPD Landtagsfraktion lehnt der Kreisjagdverband Erding e.V. ab. „Es hilft nicht, pauschal die Erhöhung der Rehwildabschüsse zu fordern. Das Thema Wildunfall ist ein sehr komplexes und sehr wichtiges Thema, das regionalspezifisch bearbeitet werden muss“, so Schreder. „Hoher Freizeitdruck im Wildlebensraum, überhöhte Geschwindigkeit und Nichtbeachtung der Warnhinweise sind sehr wichtige Ursachen, die bei der Wildunfallvermeidung Beachtung finden müssen.“

 

Viele Jäger in Bayern bringen auf eigene Kosten Wildwarnreflektoren oder sogenannte Duftzäune am Straßenrand an, um dadurch die Zahl der Wildunfälle zu verringern. Aktuell hat der Bayerische Jagdverband unter der Leitung von Andreas Ruepp eine Plakataktion zur Vermeidung von Wildunfällen gestartet. An besonders unfallträchtigen Straßenabschnitten sollen diese Plakate den Autofahrer warnen.

Autor: Pressemitteilung

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