20.03.2017 Moosburg / Landshut

Haftverlängerung für 29-jährigen Hilfsarbeiter

6 Monate Haft für eine ordinäre Schimpfkanonade, die den Richter sprachlos machte

Gericht Richter
Foto: 123rf.com
Mit einer ordniären Schimpfkanonade aus der untersten Schublade beleidigte ein 29-Jähriger aus Moosburg einen Polizeibeamten. Das Landgericht verlängerte dafür seinen Gefängnisaufenthalt um sechs Monate.

Seit seiner Kindheit lebt der 29-jährige, aus dem Kosovo stammende Hilfsarbeiter bereits in Moosburg. Integration war und ist für ihn offenbar ein Fremdwort. Einen Schulabschluss, geschweige denn eine Lehre, hat er nicht. Dafür landete er laut psychiatrischem Gutachten bereits mit 14 in der Drogenszene, konsumierte Cannabis, Amfetamin und Kokain, außerdem „bekämpfte” er seinen Frust mit Alkohol.

 


Seit 2002 ließ er dann regelmäßig bei der Justiz arbeiten, brachte es auf insgesamt acht Verurteilungen u.a. wegen Unterschlagung und Diebstählen. In erster Linie aber gebärdete er sich als Brutalo, handelte sich wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegeben Polizeibeamte eine Jugendstrafe von 18 Monaten ein, die er zu verbüßen hatte.

 


Zuletzt wurde er dann 2014 wegen gefährlicher Körperverletzung, Widerstand, Beleidigung und Hausfriedensbruchs zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt, die zunächst noch zur Bewährung ausgesetzt wurde. Allerdings kam der 29-Jährige den mit der Bewährung verbundenen Auflagen nicht nach: U.a. brach er den Kontakt zu einem Bewährungshelfer ab und entzog sich auch den ihm auferlegten Alkohol- und Drogenkontrollen. Deshalb wurde die Bewährung im November 2015 widerrufen und seitdem sitzt der Hilfsarbeiter die 18 Monate in der JVA Bernau ab. Das Haftende war für Oktober avisiert.

 

Allerdings leistete sich der 29-Jährige noch vor seinem Haftantritt einen weiteren „Ausraster”. In den frühen Morgenstunden des 13. Dezember 2015 tauchte er vor dem Mehrfamilienhaus seiner ehemaligen Lebensgefährtin, die ihm nach sieben Jahren den Laufpass gegeben hatte, auf und verwechselte die Klingel, weckte einen Polizeibeamten (45) auf. Als der die Sprechanlage bediente, gab der Hilfsarbeiter laut schreiend vulgäre Beleidigungen und ordinäre Drohungen von sich. Seine Drohungen unterstrich der 29-Jährige damit, dass er in Richtung des Polizeibeamten mit dem „Kopfabschneiden” gestikulierte.

 


Damit der Vorwürfe nicht genug: Am 5. Februar 2016 entwendete der Hilfsarbeiter in einer Moosburger Tankstelle eine Flasche Jack Daniels im Wert von 37 Euro. Er versteckte die Flasche in seiner Jacke und verließ die Tankstelle. Allerdings konnte er später anhand der Videoüberwachung identifiziert werden.

 

Vor der 5. Strafkammer, wo sich der Hilfsarbeiter wegen Beleidigung, Bedrohung und Diebstahls zu verantworten hatte, machte er geltend, damals in einer „Ausnahmesituation” gewesen zu sein: Er habe keinen Job gehabt, die Bewährung sei widerrufen worden und nach dem Rauswurf bei seiner Lebensgefährtin sei er obdachlos gewesen.

 

An jenem Morgen habe er auch noch Alkohol und Drogen intus gehabt, sei deshalb „explodiert”. Seine Entschuldigung in Richtung des Polizeibeamten, dem er auch noch eine Schmerzensgeldzahlung anbot, wurde nicht akzeptiert. Das psychiatrische Gutachten bescheinigte dem 29-Jährigen einen Drogenmissbrauch und eine beginnende Alkholabhängigkeit, allerdings sei seine Schuldfähigkeit dadurch nicht beeinträchtigt gewesen, zumal ihm bewusst sei, dass er alkoholisiert zu Aggressionsausbrüchen neige.

 

Staatsanwalt Jürgen Rohrmüller beantragte eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten. Er gestand dem Hilfsarbeiter zwar eine alkoholische Enthemmung zu, außerdem sei der Schaden durch den Whisky-Diebstahl gering gewesen. Andererseits habe es sich aber um massive Beleidigungen und Bedrohungen in aller Öffentlichkeit gehandelt, wobei der 29-Jährige unter offener einschlägiger Bewährung gestanden habe.

 

Verteidigerin Julia Weinmann plädierte dagegen auf eine Geld- bzw. Bewährungsstrafe. Sie verwies auf die psychische Ausnahmesituation, in der sich ihr Mandant befunden habe: „Da kam es zu einem Augenblicksversagen.” Außerdem habe er sich entschuldigt und mache derzeit bereits einen harten Vollzug in der JVA Bernau durch: Nicht nur, dass er so gut wie keinen Besuch von Verwandten bekomme, es sei dort auch bereits zu handgreiflichen Übergriffen auf ihn gekommen. Die habe er allerdings nicht zur Anzeige gebracht, um nicht auch noch als „Verräter” gebrandmarkt zu werden.

 

Die 5. Strafkammer verhängte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Der Angeklagte, so Vorsitzender Richter Klaus Kurtz, mache zwar aktuell einen guten Eindruck, aber: „Aus den Akten kennen wir ihn anders.” Außerdem, so der Richter, habe er derart massive Beleidigungen in seiner ganzen Laufbahn noch nicht erlebt: „Die machen einen sprachlos.”

Autor: ws
Weitere Nachrichten aus dem selben Ort: