20.02.2017 Landshut / Moosburg

Moosburger Testfahrer (38) handelt sich 20 Monate Knast ein

Dreister Betrüger macht selbst vor eigenen Freunden nicht halt

Gericht Justiz Verhandlung Prozess
Foto: Jürgen Unterhauser
Um sich aus seinem finanziellen Desaster zu befreien, bediente sich ein 38-jähriger Moosburger Testfahrer wieder einmal betrügerischer Methoden und machte dabei selbst vor Freunden nicht halt. Jetzt landet er für 20 Monate hinter Gitter.

Der gelernte Elektriker mit slowenischer Staatsbürgerschaft, der schon seit jungen Jahren in der Kfz-Branche arbeitete und zuletzt als Testfahrer unterwegs war, wurde nach seinen Angaben 2012/13 durch eine Magen- bzw. Darmkrebserkrankung aus der Bahn geworfen und handelte sich schon da wegen Betrugs eine Freiheitsstrafe von knapp zweieinhalb Jahren ein.


Im März 2015, so die von Staatsanwältin Jennifer Schäfer vertretene Anklage, spiegelte er zwei Freunden, einem 37-jährigen Servicetechniker aus Mauern und einem 28-jährigen Testfahrer aus Freising die Gründung einer Firma „Airporttransfer und Parkservice” vor und bot ihnen eine Beteiligung an. Der Freisinger Testfahrer ließ sich auf das Geschäft ein und übergab seinem vermeintlichen Freund für den angeblichen Erwerb eines Betriebsgrundstücks Schwaig (Oberding) in zwei Tranchen insgesamt 45.000 Euro.


Dieses Geld, so die Anklage, habe der 38-Jährige aber ausnahmslos für seinen eigenen Lebensunterhalt verbraucht. Beim Amtsgericht Freising hatte er sich deshalb wegen Betrugs eine Freiheitsstrafe von 20 Monaten, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt wurde, eingehandelt. Dagegen hatten sowohl er als auch die Staatsanwaltschaft, die zwei Jahre Gefängnis beantragt hatte, Berufung eingelegt.


Bei der Neuauflage vor der 5. Strafkammer des Landgerichts räumte der Testfahrer den Betrugsvorwurf unumwunden ein. „Ich war pleite, habe Kohle gebraucht, ich wusste nicht mehr weiter und bin in ein tiefes Loch gefallen”, räumte der 38-Jährige ein. Er habe damals rund 25.000 Euro Schulden, u.a. auch aus einem Autokauf gehabt. Inzwischen habe er wieder einen gut dotierten Job als Techniker bei einem Automobilhersteller und sei bereit, seine Schulden bei seinem ehemaligen Freisinger Kollegen in 1.000 Euro-Raten zurückzuzahlen. Zudem habe er auch noch für drei Kinder zu sorgen, untermauerte er seine Hoffnung, doch noch mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen.

 

Der gepratzelte Testfahrer berichtete, dass er den Kollegen über den Servicetechniker kennen gelernt habe. Letztlich sei eine Freundschaft entstanden und die Idee mit dem Airporttransfer und dem Parkservice sei ihm durchaus erfolgversprechend erschienen. Und so nebenbei: Inzwischen gebe es derartige Angebote und die Firmen florierten.

 

Er selbst habe dann für den angeblichen Grundstückskauf zunächst sein eigenes Auto verkauft und seine Ersparnisse flüssig gemacht, um in einer ersten Tranche 19.000 Euro aufzubringen. Für die weiteren 25.000 Euro, die er investierte, habe er sogar einen Kredit aufgenommen, den er heute noch abzahle. Nebenbei habe er dann dem 38-Jährigen noch weitere 5.000 Euro für einen Urlaub in der Türkei geliehen: „Damit er sich von der Krebsbehandlung erholen konnte.”

 

Von finanziellen Problemen habe ihm sein Ex-Freund nie etwas erzählt. Im Gegenteil, er habe zunächst damit geprahlt, dass er Millionen aus seiner „alten” Firma, die in der Branche mit Fahrzeugüberführungen erfolgreich gewesen sei, auf dem Konto habe. Als es dann „eng” geworden sei, habe er erzählt, dass sein ehemaliger Geschäftspartner mit dem Geld abgehauen und inzwischen in Afrika tödlich verunglückt sei, die Millionen also in absehbarer Zeit zurückfließen müssten.

 

„Ich bin damals zusammengebrochen, hatte nichts mehr als Schulden”, so der Testfahrer. Auf sein Geld warte er noch heute obwohl sein ehemaliger „Partner” schon im Termin beim Amtsgericht Freising die Rückzahlung angekündigt habe. Auch der Servicetechniker bekundete, dass er auf die Versprechungen seines Ex-Freundes hereingefallen sei: „Ich habe sogar meinen Job gekündigt und den Personenbeförderungsschein gemacht.” Der Sachbearbeiter der Erdinger Kripo bestätigte, dass der 38-Jährige zwar ein Geständnis abgelegt, es aber dahingehend relativiert habe, dass ihm das Geld quasi aufgedrängt worden sei.

 

Vorsitzender Richter Klaus Kurtz machte dem Testfahrer klar, dass seine Berufung keinerlei Aussicht auf Erfolg habe. Eine Bewährungschance sei nicht mehr drin; denn er habe bisher nichts in Sachen Schadenswiedergutmachung unternommen: „Den Worten sind keine Taten gefolgt, Sie stehen mit leeren Händen da. Dazu kommt noch die einschlägige Vorstrafe.” Deshalb, so der Vorsitzende Richter, drohe eventuell sogar eine höhere Freiheitsstrafe, nachdem auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt habe. Dieses Risiko ging der 38-Jährige nicht ein, nahm seine Berufung - wie dann auch die Staatsanwältin - zurück.

Autor: ws

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