17.03.2017 Freising / Landshut

Rumänischer Gelegenheitsarbeiter gesteht auch Einbruch in Freising

Knapp vier Jahre für Bandenmitglied der 'Kupferbrigade'

Kupfer-Brigade Prozess
Foto: ws
Über 100 Einbrüche – vor allem in Bayern verübt – gehen auf das Konto der rumänischen „Kupferbrigade”. Gegen über 40 Mitglieder der Bande liefen oder laufen derzeit Prozesse. Der 27-jährige Gelegenheitsarbeiter, der u.a. an Coups in Freising beteiligt war, wurde jetzt von der 6. Strafkammer des Landgerichts zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt.

Wie mehrfach berichtet, hatten sich im Sommer 2014 zahlreiche Roma – überwiegend aus derselben rumänischen Kleinstadt stammend – zu einer Bande zusammengeschlossen um in der Folge vor allem im südbayerischen Raum im großem Umfang Einbruchsdiebstähle in Gewerbeobjekte, insbesondere in Elektrofirmen und metallverarbeitende Betriebe, zu begehen.

 

Abgesehen hatten sie es auf hochwertige Metalle, insbesondere Kupfer, transportierten es tonnenweise ab. Dabei brachen sie Eingangstüren und -tore der Firmengebäude mit brachialer Gewalt auf, zerstörten vorhandene Überwachungskameras. Zum Abtransport der Metalle verwendeten sie meist zuvor entwendete Transportfahrzeuge, mit denen sie das Kupfer und die Buntmetalle nach Venlo in den Niederlanden brachten und es sich dort bei einem Hehler gut bezahlen ließen. Das Geld wurde dann umgehend zwischen den am jeweiligen Bruch beteiligten Bandenmitgliedern – teilweise bis zu acht – aufgeteilt.

 

Im Rahmen der inzwischen vor dem Land- und Amtsgericht laufenden bzw. bereits abgeschlossenen Prozessen geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass die Bandenmitglieder arbeitsteilig, koordiniert und hochgradig organisiert vorging. Insgesamt, so eine Hochrechnung, wurde bei den über 100 Einbrüchen eine Beute von über 300.000 Euro gemacht. Der durch die Transporter-Diebstähle und die brachiale Vorgehensweise an den einzelnen Objekten verursachte Schaden belief sich auf noch einmal über 200.000 Euro.

 

Ins Visier der Kripo-Ermittlungsgruppe „Andrada” geriet die Bande im November 2014, als es in Traunstein zu ersten Festnahmen kam. Unter anderem klickten die Handschellen auch bei dem heute 27-Jährigen, dem die von Staatsanwalt Dr. Roland Zimmermann vertretene Anklage zunächst die Beteiligung an insgesamt fünf Einbrüchen, darunter zwei in Freising, vorwarf. Letztere gingen am 8. Oktober 2014 bei einer Firma in der Münchener Straße, wo Kupferkabel im Wert von 25.000 Euro erbeutet wurden, über die Bühne. Bei einem weiteren Coup am 8. Dezember 2014 waren mehrere „Brigade”-Mitglieder in eine Lagerhalle am Gute Änger eingedrungen und hatten dort etwa 2,6 Tonnen Kupferteile in Wert von 10.000 Euro abtransportiert.

 

Der 27-Jährige hatte sich zum Auftakt des sich über vier Verhandlungstage hinziehenden Prozesses in Schweigen gehüllt. Dabei gab es gegen ihn genügend Indizien: So hatte er u.a. bei einem Einbruch in ein landwirtschaftliches Anwesen im Oktober 2014 in Hebertsfelden (Lkr. Rottal-Inn), der im Versuch stecken blieb, da die Rumänen vom Hofbesitzer überrascht wurden, seine Jacke zurückgelassen. Im Rahmen eines Abgleichs mit DNA-Material aus Frankreich, wo er zeitweise als Bettler unterwegs war, konnte er als Besitzer identifiziert werden. Außerdem war sein Handy zu den Tatzeiten bei den einzelnen Objekten und bei den Holland-Fahrten eingeloggt.

 

Letztlich rang sich der Gelegenheitsarbeiter doch noch zu einem Geständnis durch, wobei er allerdings seine Beteiligung auf drei Coups beschränkte, den versuchten in Hebertsfelden, sowie den ersten in Freising und einen weiteren in Dingolfing, bei dem Buntmetallkabel im Wert von 20.000 Euro entwendet worden waren.

 

Staatsanwalt Dr. Zimmermann beantragte für den versuchten sowie die zwei Fälle des vollendeten schweren Bandendiebstahls eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten. Für ihn gab es keine Zweifel dass es sich bei der „Kupferbrigade” um eine Bande, die mit hoher krimineller Energie und skrupellos vorgegangen sei, gehandelt habe und der Angeklagte ein Mitglied gewesen sei. Verteidiger Dr. Leonhard Mühlenfeld dagegen sah keine „Bandenabrede” als nachgewiesen an, vieles sei lückenhaft und nebulös geblieben. Allerdings habe sein Mandant die Mitwirkung bei Einbrüchen der Gruppierung eingeräumt. Dafür sei eine Freiheitsstrafe nicht über dreieinhalb Jahre angemessen, zumal der 27-Jährige wegen seiner Sprachprobleme praktisch eine „Isolationshaft” zu verbüßen habe.

 

Vorsitzender Richter Ralph Reiter verwies in der Urteilsbegründung darauf, dass man Fälle aus der Anklage, die nicht ganz „koscher” gewesen seien, ausgeschieden habe. Allerdings habe es keine Zweifel an der bandenmäßigen Tatbegehung gegeben: Es sei Hand-in-Hand „gearbeitet” und der Erlös aus den Verkäufen geteilt worden. Was das Strafmaß angehe, habe man den 27-Jährigen eher als Mitläufer eingestuft und versucht, ihm mit einem moderaten Strafmaß individuell gerecht zu werden.

 

Der Vorsitzende Richter versäumte es nicht, der Ermittlungsgruppe „Andrada” ein Kompliment für die aufwendigen und akribischen Ermittlungen auszusprechen. Nur dadurch sei eine dichte Indizienkette erstellt und der Tatnachweis ermöglicht worden.

Autor: ws

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