14.02.2017 Mengkofen

Drama in Mengkofen

Blutiges Ende einer Grillparty: Mann (61) sticht auf langjährige Lebensgefährtin ein

Messer
Foto: Holger Becker
Eine Grillparty in Mengkofen (Lkr. Dingolfing-Landau) nahm ein blutiges Ende.

Als seine langjährige Lebensgefährtin (47) einen Anruf ihres neuen Liebhabers bekam, nahm eine fröhliche Grillparty auf einem Einödhof in Mengkofen (Lkr. Dingolfing-Landau) ein blutiges Ende: Nicht nur, dass ein Bulgare (61) mit einem Küchenmesser die 47-Jährige eher leicht verletzte, er brachte sich selbst einen fast tödlichen Stich bei. Nun wurde der blutige Zwischenfall vor dem Landgericht in Landshut verhandelt.

Insgesamt 28 Jahre hatte die Beziehung gehalten, ehe die Frau nach Spanien ging und dort eine Beziehung mit einem Schwarzafrikaner begann. Nach der Saison wollte sie nicht mehr zu ihrem Ex nach Bulgarien zurückkehren, sondern folgte einer Einladung ihrer Tochter (29), die damals in Mengkofen mit einem heimischen Kaufmann (49) zusammenlebte. Die 29-Jährige hatte ihren Stiefvater, den Bauarbeiter, informiert, der dann Anfang Juni letzten Jahres ebenfalls auf dem Einödhof eintraf.

Etwa zwei Wochen später, so die von Staatsanwalt Thomas Rauscher vertretene Anklage, , kam es dann bei einer fröhlichen Grillparty auf dem Hof zum Exzess: Die 47-Jährige bekam gegen 22 Uhr einen Anruf und der 61-Jährige sah auf dem Display des Handys das Foto des Nebenbuhlers, eines jüngeren Schwarzafrikaners. Da habe er, so der Anklagevorwurf, nach einer verbalen Auseinandersetzung zu einem Küchenmesser mit einer Klingenlänge von 15 Zentimetern gegriffen und mit voller Kraft und gezielt auf die linke Brustkorbseite der 47-Jährigen gezielt.

Die langjährige Lebensgefährtin habe allerdings den Messerstich ablenken und abmildern können, indem sie mit beiden Händen den rechten Unterarm und das rechte Handgelenk des Mannes zu fassen bekam. Sie habe deshalb lediglich an der rechten Brust eine etwa drei Zentimeter lange und zwei Zentimeter tiefe Schnittwunde erlitten, sei dann in ein nahe gelegenes Getreidefeld geflüchtet und habe sich dort versteckt, bis Polizei- und Rettungskräfte eingetroffen seien. Der 61-Jährige, so die Anklage, habe den Stich aus Eifersucht in Tötungsabsicht geführt und sich deshalb des versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung schuldig gemacht.

An besagtem Abend habe man in fröhlicher Runde gegrillt, getrunken, getanzt und gelacht, bis das Telefon seiner Lebensgefährtin geklingelt habe, erklärte der 61-Jährige. Er habe sie gebeten, das Gespräch abzubrechen. „Das tat sie nicht, da habe ich das Messer genommen und gesagt, dass ich mich umbringe, wenn sie mich nicht mehr liebt.” Er habe dann eine entsprechende Bewegung mit dem Messer in der Hand gemacht, sie habe ihn an der Hand gepackt: „Wir haben ein bisschen gekämpft und da habe ich sie aus Versehen geschnitten.”

Er habe seine Lebensgefährtin nicht verletzen und schon gar nicht töten wollen: „Ich habe sie geliebt, die Frau, die man liebt, bringt man doch nicht um.” Er selbst habe sich dann in Selbstmordabsicht in die Herzgegend gestochen. Die Verletzung war, wie ihm später per Gutachten bestätigt wurde, lebensgefährlich: Der Herzbeutel war angestochen, der Mann musste noch beim Abtransport im Sanka und später auch noch einmal in einer Straubinger Klinik, in die er gebracht wurde, reanimiert werden.

Die jetzt wieder in Bulgarien lebende 47-Jährige hatte angeblich aus finanziellen Gründen die Reise zum Prozess nicht antreten können, so dass die Prozessbeteiligten mit ihren polizeilichen Vernehmungen und den Aussagen beim Ermittlungsrichter vorlieb nehmen mussten. Und die waren recht widersprüchlich: Einmal nahm sie ihren Ex-Lebensgefährten in Schutz, sprach davon, dass er das Messer gegen sich selbst gerichtet habe, dann äußerte sie wieder, dass „er mich an diesem Tag umbringen wollte".

Staatsanwalt Rauscher hatte keine Zweifel, dass der 61-Jährige mit voller Wucht in Tötungsabsicht in Richtung Brustbereich der Lebensgefährtin gestochen habe, bzw. deren Tod zumindest billigend in Kauf genommen habe. Es hätte sich um einen typischen erweiterten Suizid gehandelt.

Strafmildernd falle ins Gewicht, dass der 61-Jährige nach dem psychiatrischen Gutachten einerseits in einem heftigen Affektzustand gehandelt habe und deshalb von verminderter Schuldfähigkeit auszugehen sei, andererseits die Folgen der Attacken für das Opfer eher gering gewesen seien und die Ex-Lebensgefährtin auch kein großes Strafverfolgungsinteresse habe. Für den versuchten Totschlag und die gefährliche Körperverletzung beantragte der Anklagevertreter eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten.

Verteidiger Michael Dietl verwies darauf, dass der Anruf des neuen Liebhabers der Funke gewesen sei, der zur Explosion geführt habe: „Für ihn ist eine Welt zusammengebrochen.” Es seien aber Zweifel an einem bedingten Tötungsvorsatz seines Mandanten geblieben, vielmehr stehe fest, dass er sich selbst habe umbringen wollen. Letztlich, so der Verteidiger, bleibe eine gefährliche Körperverletzung, für die eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten angemessen sei.

Die Schwurgerichtskammer kam ebenfalls zum Ergebnis, dass letztlich nur von einem Verletzungsvorsatz ausgehen könne. Allerdings wäre auch ein Tötungsvorsatz plausibel begründbar, die Entscheidung habe sich im wahrsten Sinne des Worten „auf des Messers Schneide” bewegt. Die massive affektive Erregung und die alkoholische Enthemmung hätten sich ebenso wie die überschaubare Verletzung des Opfers strafmildernd ausgewirkt.

Der 61-Jährige kam letztlich mit einer Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung und einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten davon. 

Autor: ws

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