09.08.2017 Landauer Busfahrer (53) bestreitet Übergriffe bis zuletzt - Kammer geht über Antrag der Staatsanwältin hinaus Landau/Landshut

Urteil

Landauer (53) bestreitet Taten – knapp sieben Jahre Haft für sexuellen Missbrauch der Tochter

Bis zuletzt bestritt ein 53-jähriger Landauer Busfahrer den ihm vor der 6. Strafkammer des Landgerichts Landshut vorgeworfenen schweren sexuellen Missbrauch seiner inzwischen 24-jährigen Tochter in deren Kindheit: zunächst im letzten Wort unter Tränen und dann bei der Urteilsverkündung mit lautstarkem Protest. Das Gericht verhängte gegen ihn eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten und ging damit sogar über den Antrag von Staatsanwältin Veronika Bergmeier hinaus.
Foto: ws
Bis zuletzt bestritt ein 53-jähriger Landauer Busfahrer den ihm vor der 6. Strafkammer des Landgerichts Landshut vorgeworfenen schweren sexuellen Missbrauch seiner inzwischen 24-jährigen Tochter in deren Kindheit: zunächst im letzten Wort unter Tränen und dann bei der Urteilsverkündung mit lautstarkem Protest. Das Gericht verhängte gegen ihn eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten und ging damit sogar über den Antrag von Staatsanwältin Veronika Bergmeier hinaus.

Nach sieben Verhandlungstagen, so Vorsitzender Richter Ralph Reiter, sah die Kammer 60 Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs seiner damals zehn- bis 13-jährigen Tochter sowie vier Fälle des "einfachen" sexuellen Missbrauchs von zwei Nichten – damals zwölf und elf Jahre alt – als erwiesen an. Neben der Freiheitsstrafe verurteilte sie den Busfahrer zu einer Schmerzensgeldzahlung von 25.000 Euro an die Tochter, außerdem muss er für alle künftigen materiellen und immateriellen Schäden aufkommen.

 

Ab 2003 und bis 2006 habe sich der 53-Jährige mindestens alle zwei Wochen ins Kinderzimmer begeben, sich zur Tochter ins Bett gelegt, sie ausgezogen, zunächst nur begrapscht, später aber drang er auch mit dem Finger in ihren Intimbereich ein und führte schließlich mit ihr auch den Geschlechtsverkehr durch. Daneben hatte er auch noch die beiden Nichten in den Jahren 2003 und 2004 in seinem Bus bzw. bei einem Besuch im Dingolfinger "Caprima" an der Brust und im Intimbereich begrapscht.

 

Vorsitzender Richter Reiter stellte in der Urteilsbegründung klar, dass es sich um eine Aussage-gegen-Aussage-Konstellation handle, da es nach mehr als vierzehn Jahren keine objektiven körperlichen Beweise gebe, seelische Spuren und Schmerzen aber schlecht messbar seien. Die Kammer habe deshalb besonders sorgfältig die Glaubwürdigkeit der Tochter überprüft, darunter auch die Umstände, die zur Aussage und Anzeige geführt hätten.

 

Zum Eklat sei es am 4. September 2013 im Rahmen der schon länger andauernden Ehekrise mit dem Rauswurf des 53-Jährigen aus dem von der Familie bewohnten Haus in Pilsting gekommen, nachdem eine neuerliche Affäre des Busfahrers mit einer anderen Frau aufgeflogen war. Beim Streit habe die Tochter dann angekündigt, dass sie „noch ein Ass im Ärmel“ habe.

 

Unter diesem Aspekt habe es sich das Gericht nicht einfach gemacht zu klären, ob die Tochter lediglich ihre Mutter im Rahmen des Ehemartyriums und des Rosenkrieges unterstützen und Geldforderungen durchsetzen wollte. Die Aussage der Tochter sei aber auch nach dem Gutachten der psychiatrischen Sachverständigen Dipl.-Psychologin Dr. Sandra Loohs erlebnisfundiert und plausibel und damit glaubhaft gewesen. Es habe zwar Widersprüchlichkeiten in den Aussagen gegeben, andererseits aber wäre es geradezu unnatürlich, wenn nach so vielen Jahren und so zahlreichen Übergriffen keine Fragezeichen und Unstimmigkeiten aufgetreten wären. Andererseits sei es völlig unvorstellbar, dass die 24-Jährige in einem sich über sieben Tage hinziehenden Prozess mit penibler Beweisaufnahme mit einer völlig falschen Geschichte durchkommen würde.

 

Für jegliche Fremdsuggestion und Hinweise auf das vom Angeklagten geltend gemachte Komplott von Ex-Ehefrau und Tochter gebe es keinerlei Anhaltspunkte. Der Tochter seien die Worte vom „Ass im Ärmel“ erst nach Jahren herausgerutscht. Das sei typisch für Missbrauchsfälle bei Kindern, die oft nicht wüssten, was ihnen geschehe und erst im Rahmen der Aufklärung in der Schule die Tragweite erkennen würden: "Sie offenbaren sich nicht, tragen es vielmehr mit sich herum."

 

Die Tochter habe überdies in der Hauptverhandlung einen guten Eindruck gemacht, sich durchaus auch emotional bewegt gezeigt, ihre Aussage sei stimmig, logisch und schlüssig gewesen. Ihr Vater dagegen habe sich mit Briefen aus der Untersuchungshaft heraus ungeniert bemüht, Zeugen zu beeinflussen, um ihn mit tendenziösen Aussagen zu entlasten.

 

Bei der Strafzumessung wirkten sich das bisherige straffreie Leben des Busfahrers und die lange Verfahrensdauer mildernd aus. Acht Monate der verhängten Freiheitsstrafe werden wegen der durch personelle Engpässe bei der Landshuter Kripo bedingten Verfahrensverzögerung als verbüßt angerechnet. Während Staatsanwältin Bergmeier eine Gesamtstrafe von sechs Jahren beantragt hatte und sich Rechtsanwältin Claudia Wüllrich, die die als Nebenklägerin auftretende Tochter vertrat, anschloss, plädierte Verteidiger Andreas Martin auf Freispruch.

 

Der Busfahrer beteuerte in seinem letzten Wort unter Tränen: "Es war nie etwas. Sie hätte hundert Mal Gelegenheit gehabt, etwas zu sagen, aber wir hatten bis zum letzten Streit das beste Verhältnis." Dabei blieb er, selbst als die Tochter ihn unterbrach und bettelte: "Du hast mein Leben zerstört. Sag doch wenigstens jetzt die Wahrheit." Die Urteilsbegründung nahm er zunächst permanent kopfschüttelnd zur Kenntnis, um dann wütend zu kommentieren: "Das ist unerträglich, was hier gelogen wird."

 

Zum Urteil wurde noch keine Erklärung abgegeben, jedoch ließ Verteidiger Martin durchblicken, dass der Gang in die Revision geplant sei. 

Autor: ws

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