16.03.2017 Abensberg

"Wie's früher war ..."

Kaffee, Kuchen und Erzählungen rund um die Kunstblumenfabrik Wittenbeck

Egal ob als Hochzeitsschmuck oder als üppige Schaufensterdekoration: Kunstblumen waren in der Nachkriegszeit "in". In Abensberger existierte bis 2001 die Kunstblumenfabrik Wittenbeck. Das Stadtmuseum Abensberg lädt deshalb alle Interessierten herzlich am Samstag, 18. März, um 14.30 Uhr in den Herzogskasten zu Kaffee, Kuchen und Erzählungen ein.
Foto: Stadtmuseum Abensberg
Egal ob als Hochzeitsschmuck oder als üppige Schaufensterdekoration: Kunstblumen waren in der Nachkriegszeit "in". In Abensberger existierte bis 2001 die Kunstblumenfabrik Wittenbeck. Das Stadtmuseum Abensberg lädt deshalb alle Interessierten herzlich am Samstag, 18. März, um 14.30 Uhr in den Herzogskasten zu Kaffee, Kuchen und Erzählungen ein.

Bereits aus der griechischen und römischen Antike sind uns schriftliche Hinweise auf künstliche Blumen wie etwa Kränze bekannt. Im Mittelalter wurde diese Kunst vor allem in den Klöstern Italiens von Nonnen weiter gepflegt. Ihre Blütezeit begann jedoch in Frankreich zu Anfang des 18. Jahrhunderts: Nicht nur auf zahlreichen Gemälden jener Zeit finden sich Kunstblumen, auch bei der damaligen Mode fanden die filigranen Kunstblumen großzügige Verwendung. Zudem waren Hochzeits- und Totenkronen, Erinnerungskränze und Erntesträuße, alles aus künstlichen Blüten, Blättern und Früchten, sehr gefragt.

 

In Deutschland wuchsen seit der Mitte des 18. Jahrhunderts vor allem in Böhmen und im Sudetenland regelrechte Zentren dieses Wirtschaftszweiges heran. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in Nordböhmen eigene Schulen für diesen Gewerbezweig, so in Nixdorf und in Niedereinsiedel. Hier erreichte der Handel über den regionalen Vertrieb bis in die USA und nach Kanada große wirtschaftliche Bedeutung. Meist handelte es sich um Familienbetriebe, in denen die Männer die Stanzwerkzeuge bedienten, während die Frauen die feineren Aufgaben wie das Formen und Zusammenbinden der Blüten erledigten. Der Zweite Weltkrieg und die sich anschließende Flucht und Vertreibung bereitete der Kunstblumenfabrikation im Sudentenland ein jähes Ende. Einige Betriebe wurden jedoch in der neuen Heimat wieder errichtet oder von ehemaligen Betriebsangehörigen neu gegründet, so auch die Abensberger Kunstblumenfabrik Wittenbeck. 

 

Josef Wittenbeck kam 1911 bei Reichenberg im Sudetenland zur Welt. Vor dem Krieg arbeitete er als Betriebsleiter in der Kunstblumenfabrik seines Schwagers in Niedereinsiedel. Während er bis 1948 in russischer Kriegsgefangenschaft war, musste seine Frau mit ihrem einjährigen Sohn 1945 das Sudetenland verlassen. Mit dem Wissen und der Erfahrung aus seiner Heimat gründete Josef Wittenbeck im Juni 1950 in Aunkofen mit zwei ehemaligen Mitarbeitern aus Niedereinsiedel eine Kunstblumenfabrik. 1952 verlegte er das Betriebsgelände an den Arnhofener Weg. 1976 übernahm sein Sohn Peter Wittenbeck die Firmenleitung. Die Firma fertigte die unterschiedlichsten Kunstblumen vorwiegend aus Stoff, Kunststoff und Metall an; aber auch jahreszeitliche Dekorationsartikel wie zum Beispiel Ostereier stellte man her. Zeitweilig waren hier bis zu 150 Mitarbeiter, meist Frauen, zum Teil in Heimarbeit beschäftigt. Aufgrund der billigen Konkurrenz aus Osteuropa und Asien musste der Betrieb 2001 seine Pforten schließen. 

 

Das Stadtmuseum Abensberg freut sich, dass Peter Wittenbeck im Rahmen von "Wie's früher war ..." von der Abensberger Kunstblumenfabrik erzählen wird und dass auch einige ehemalige Mitarbeiterinnen ihr Kommen zugesagt haben. 

 

Autor: pm / uh

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