08.09.2017 Landshut

Vorwürfe gegen Google

Das verschwundene Kreuz von St. Martin, Google und eine Verschwörungstheorie

Kirchturm St. Martin Google
Foto: Screenshot Google Earth
Eine Supermarktkette hat Kreuze wegretuschiert, warum soll das also nicht auch Google machen? Tatsächlich ist die Kirchturmspitze von St. Martin in Landshut auf Google Earth verschwunden. Auf Facebook werden jetzt rechte Verschwörungstheorien verbreitet, Google eine "Entchristianisierung" unterstellt. Die Erklärung ist aber wohl ganz einfach.

Fakt ist: Auf der mobilen Anwendung von Google Earth ist die Kirchturmspitze von St. Martin bei der 3D-Darstellung verschwunden und mit ihr auch das Kreuz. Tatsache ist auch, dass das mysteriöse Verschwinden der Turmspitze nicht nur das Wahrzeichen von Landshut betrifft, sondern ganz viele Kirchen. Den Dom in Freising zum Beispiel, den in Regensburg oder den in Salzburg.

St. Katharinen Kirche Google
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Die Kirchturmspitze von St. Katharinen in Hamburg. Das Kreuz ist gut zu sehen.

Diese Tatsache allein genügt einigen Zeitgenossen, um daraus eine Skandal-Geschichte zu stricken und Google eine "Entchristianisierung" vorzuwerfen - ohne Google zu Wort kommen zu lassen.

 

So postete eine Seite namens Moosburg.tv am Freitag in der Landshut-Gruppe die vermeintlich skandalöse Entdeckung. Bereits am Donnerstag hatte das Wochenblatt aber mit Google Kontakt aufgenommen und um eine Stellungnahme wegen der verschwundenen Kirchturmspitzen und Kreuze gebeten.

 

Die kam dann auch: "Google entfernt keine Kreuze", sagte ein Sprecher des Konzerns auf Anfrage des Wochenblattes. Das Problem mit den Kirchturmspitzen war Google Deutschland bis dahin aber offenbar noch nicht bekannt. Seit Donnerstag gehe man dem Problem auf den Grund, so die Stellungnahme. Bisher lasse sich sagen, dass es sich offenbar um ein Problem beim Rendern der Bilder für den Onlinedienst handle.  “Es handelt sich in um einen Bildverarbeitungsfehler. Wir arbeiten derzeit daran, das Problem zu beheben", so der Google-Sprecher.

 

Tatsächlich finden sich auch viele Kirchen, auf denen die Kruzifixe noch gut zu sehen sind. Auf dem Berliner Dom zum Beispiel oder in Hamburg und Köln. Dass es sich tatsächlich um ein technisches Problem handeln dürfte, zeigt auch das 3D-Bild des Petersdoms in Rom. Dort ist das Kreuz noch teilweise zu sehen.

 

Am Montag will Google sich weiter zu der Angelegenheit gegenüber dem Wochenblatt äußern. Für Moosburg.tv ist der Fall dagegen jetzt schon klar: "Mit Rücksicht auf muslimische Benutzer des Internets hat der amerikanische Internetdienst eine umfangreiche Entchristianisierung vorgenommen und bei zahlreichen Gotteshäusern die christlichen Symbole wegretuschiert", heißt es da. Dass die AfD auf der Seite eine Bannerwerbung geschaltet hat, passt zu dieser Feststellung.

 

Wie das Wochenblatt von der fehlenden Turmspitze erfuhr, woher die Bilder für Google Earth kommen, die ausführliche Stellunganhme von Google und mehr Hintergrundinfos in der Printausgabe am Mittwoch.

 

Hinweis: Mittlerweile hat Moosburg.tv seinen Text nach einem Anruf des Wochenblattes etwas verändert und abgemildert. Jetzt heißt es dort: "(...) sieht es so aus als seien auch bei dem Internetunternehmen bei zahlreichen Gotteshäusern die christlichen Symbole wegretuchiert worden."

Martinskirche
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Die Martinskirche in Landshut.

Autor: Alexander Schmid

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