10.08.2017 Landshut

Alois Schloder feiert am Freitag seinen 70. Geburtstag!

Meister, Olympia-Medaille und eine tolle Frau

Hat alles erreicht: Alois Schloder ist überaus zufrieden.
Foto: Tobias Grießer
Eine lebende Eishockeylegende feiert am Freitag ihren 70. Geburtstag: Alois Schloder, der immer dem EVL die Treue hielt und die Olympia-Bronzemedaille nach Landshut mitbrachte.

Am 11. August vor genau 70 Jahren kam Alois Schloder im niederbayerischen Landshut zur Welt. Ein Ausnahmetalent und Vorzeigebild des deutschen Eishockeys der vor allem mit Tugenden wie Disziplin, Einstellung und Kampfgeist in Verbindung gebracht wird, viel mehr aber vielleicht noch mit dem Begriff Vereinstreue. Schloder verirrte sich zu Beginn seiner sportlichen Laufbahn zunächst kurz zum Fußball, bevor er es seinem älteren Bruder Kurt gleich tat und die Schlittschuhe für den EV Landshut schnürte.

 

Was folgte war eine lange und überaus erfolgreiche Karriere auf dem Eis. In 23 Bundesligasaisons, in denen der Niederbayer ausschließlich für den EVL auflief, absolvierte er 1.085 Spiele und erzielte dabei 631 Tore. Auch auf der internationalen Bühne machte er sich schnell einen Namen. Neben deutschen Legenden wie Lenz Funk Senior oder Erich Kühnhackl trug Schloder lange Zeit das „C" auf der Brust.

 

Insgesamt 272 Mal lief er für die deutsche Nationalmannschaft auf, unter anderem auch beim größten internationalen Erfolg der deutschen Eishockeygeschichte. 1976 gewann Schloder an der Seite von Kießling, Reindl, Auhuber und Co. die Bronzemedaille bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck. Im Jahr 2000 wurde der 70-Jährige auf der rechten Außenstürmerposition in das All-Star-Team des Jahrhunderts gewählt, 2005 wurden seine sportlichen Erfolge dann mit der Aufnahme in die IIHF Hall of Fame gewürdigt.

 

Heute lebt Schloder noch immer im schönen Landshut und verbringt nach wie vor fast jeden Tag in der Eissporthalle am Gutenbergweg. Im kommenden November wird eine knapp 900 Seiten lange Vereinschronik von ihm auf den Markt gebracht und das eingenommene Geld geht zu 100 Prozent, wie könnte man es auch anders erwarten, an den Nachwuchs des EVL. So ist Alois Schloder eben.

 

 

Wochenblatt: Herr Schloder, Sie wirken mit fast 70 immer noch fit und aktiv. Wie kommt das?

Alois Schloder: Ja, fit würde ich schon sagen. Montag und Mittwoch spiele ich Tennis, Dienstag und Donnerstag gehe ich in den Isarauen laufen und anschließend mache ich nach wie vor ein bisserl Krafttraining. Das heißt, kein Muskelaufbau, aber die Spannung erhalten. Das ziehe ich nach wie vor durch. Wenn die Tennissaison vorbei ist, mache ich viermal die Woche mein Programm, ohne dass mich jemand zwingen muss. Aber bei 38 Grad – da bin ich auch mal gut zu mir selber und gehe daheim in den Pool.

 

Haben Sie denn heute größere Beschwerden?

Ich habe wirklich Glück gehabt mit Verletzungen. Mir tut heute gar nichts weh. Ich habe auch zu meiner aktiven Zeit zum Beispiel nie Probleme mit der Leiste gehabt. Aber ich hatte damals zweimal die Woche meine Massagetermine. Das war zu der Zeit noch sehr selten. Sonst hat nach dem Training niemand mehr Zeit gehabt. Für mich war das aber immer wichtig. Das hat sich bis heute ausgezahlt. Seit Jahren habe ich jeden Dienstag einen festen, eineinhalbstündigen Massagetermin.

Erinnerungen an den größten sportlichen Erfolg: Olympia-Bronze von 1976.
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Erinnerungen an den größten sportlichen Erfolg: Olympia-Bronze von 1976.

Hatten Sie denn größere Verletzungen in der Karriere?

Da habe ich Glück gehabt. Ich war 23 Jahre bei einem einzigen Verein und hatte kaum etwas. Einmal einen Wadenbeinbruch. Dann habe ich mir mal das Innenband gerissen, ausgerechnet im letzten Training vor dem Saisonstart 1976 – als Erich Kühnhackl nach Köln gewechselt war. Und ich habe auch einen Nasenbeinbruch gehabt. Die diversen kleinen Dinge, die mit ein paar Stichen genäht wurden, zählt man ja gar nicht. Auf die Länge gesehen war das aber alles eigentlich nichts.

 

Warum haben Sie den EVL nie verlassen?

Ich war früher bei der Spielvereinigung Fußballer. Dann bin ich auch irgendwie zum Eishockey gekommen, konnte aber nicht Schlittschuhlaufen. Ich wurde halt zuerst ins Tor gestellt. So hat sich alles nach und nach entwickelt. Erst nach Olympia 1968 war ein Angebot aus Düsseldorf da, das war schon sehr verlockend. Aber ich hatte damals schon gute Freunde, mit denen ich beraten habe – und schließlich abgesagt habe. Mitte der 70er Jahre gab‘s sogar ein Angebot aus Amerika. Erich und ich wollten ein zweiwöchiges Trainingscamp in Phoenix machen. Wir wollten fühlen, wie das wirklich da drüben ist. Der Verband hätte uns aber für die Liga und die Nationalmannschaft gesperrt. Darum wurde das leider nichts. Als ich schließlich 1974 zur Stadt kam, war klar, dass ich nicht mehr aus Landshut weggehen würde. Im Nachhinein muss ich sagen: Ich habe es auch nicht bereut. Allerdings fehlt Amerika halt in der Sammlung. Heute träumt jeder von der NHL. Dass der Verband damals so reagiert hat, war wirklich schade.

 

Fehlt Ihnen sonst etwas in Ihrer Karriere?

Nein, überhaupt nicht. Wir sind zweimal Meister geworden, waren zweimal ganz knapp dran und sind Vizemeister geworden. Ich bin dreimal zu Olympia gefahren als Aktiver, dann noch viermal als ZDF-Experte. Dann hatte ich noch das Glück und durfte eine Medaille gewinnen (die Bronzemedaille 1976 in Innsbruck, Anm. d. Red.). Als Eishockeyspieler geht‘s nicht besser.

 

2017 ist für Sie in mehrfacher Hinsicht ein besonderes Jahr...

Das ist richtig. Ich feiere meinen 70. Geburtstag, meine Frau zehn Tage nach mir. Darüber hinaus befindet sich gerade die EVL-Chronik nach jahrelanger Arbeit im Druck. Und: Meine schwärzeste Stunde – die Doping-Affäre von 1972 – wurde vom IOC endlich nach langem juristischen Kampf gestrichen. Vorletzte Woche kam dann noch unser Nachbar Tom Kühnhackl zum zweiten Mal mit dem Stanley Cup nach Hause. Mehr geht eigentlich nicht.

 

Wie geht‘s jetzt weiter? Was haben Sie noch vor?

Nach dem 70. Geburtstag folgt am 2. November die Präsentation der Chronik, wo man eine wichtige Imagekampagne für den Verein machen kann, der im nächsten Jahr auch 70 wird. Am 5. November startet der Verkauf. Da habe ich natürlich den Anspruch, dass ich die ersten 1.000 Stück selbst verkauf und dass Geld in die Kasse kommt. Danach fliege ich im Dezember mit meiner Tochter, dem Schwiegersohn und den Eltern von Tobi Rieder nach Amerika. Das nächste große Fest ist die Goldene Hochzeit mit meiner Frau am 13. Juli nächsten Jahres. Man kann das Ganze nur bewältigen, wenn die Frau zu 100 Prozent hinter dir steht, mitspielt und du dich voll und ganz verlassen kannst. Meine Frau habe ich natürlich im Eisstadion kennengelernt, wo denn auch sonst. Und es passt auch heute noch wunderbar. Ich kann mit meiner Margit sowieso nicht streiten.

 

Haben Sie auch Schwächen?

In früheren Jahren musste alles nach meinem Kopf gehen. Wenn Kritik kam, musste ich viel lernen. Kritik anhören und reagieren darauf, ist meine Devise heute. Abwägen, ob es berechtigt ist, und dann besser machen. Dann bin ich auch etwas ungeduldig. Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, muss es am besten vorgestern passiert sein. Ich bin außerdem auch ziemlich nah am Wasser gebaut. Bei einem Film, der mich berührt oder bei Beerdigungen, laufen schon die Tränen. Aber das muss keine Schwäche sein. Mal schauen, wie‘s mir da am Freitag geht...

Autor: Tobias Grießer

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