14.03.2017 Landshut

Zahlen statt Vermutungen

Polizeibericht: So hoch ist die Kriminalität durch Zuwanderer in Niederbayern

Blaulicht Polizei
Seit Beginn der Flüchtlingskrise ist das Thema Kriminalität durch Zuwanderer ständig ein Thema in der Öffentlichkeit. Für das Jahr 2016 hat das Polizeipräsidium jetzt die Fallzahlen für Niederbayern veröffentlicht.

In der jährlichen Polizeistatistik des für den Bezirk Niederbayern zuständigen Präsidiums gibt es einen eigenen Unterpunkt "Kriminalität durch Zuwanderer", der die von der niederbayerischen Polizei bearbeiteten Straftaten genau auflistet. Unter dem Begriff „Zuwanderer“ fallen alle Nichtdeutschen, die als Aufenthaltsanlass den Status „Asylbewerber“, „Schutzberechtigte/Asylberechtigter“ oder „Kontingentflüchtling“ besitzen bzw. die sich anhand einer „Duldung“ oder „unerlaubt“ im Bundesgebiet aufhalten.

 

Bezogen auf die Gesamtkriminalität, ohne Berücksichtigung der ausländerrechtlichen Verstöße, wurden im Berichtsjahr 2016 in Niederbayern insgesamt 2.799 Tatverdächtige (2015: 1.414 Tatverdächtige) mit dem Status „Zuwanderer“ registriert. Dies bedeutet in 2016 einen Anteil von 36,0 % an allen nichtdeutschen Tatverdächtigen und 11,6 % an allen Tatverdächtigen.

 

Dabei ist zu berücksichtigen, dass infolge der Migrationsbewegung, vor allem ab dem Spätsommer 2015, die Zahl der Zuwanderer in Niederbayern angestiegen ist. Ein Teil dieser Menschen ist auch strafrechtlich in Erscheinung getreten.

 

An 3.481 der insgesamt 32.540 geklärten Fälle der Gesamtkriminalität des Berichtsjahres 2016 war mindestens ein Zuwanderer als Tatverdächtiger beteiligt. Dies entspricht einer Quote von 10,7 %. Im Berichtsjahr 2015 lag diese Quote bei 6,0 %.

 

o Diebstahlskriminalität

Im Bereich der Diebstahlskriminalität ist ein deutlicher Rückgang der unter der Tatbeteiligung von Zuwanderern begangenen Straftaten von insgesamt 470 Fälle in 2015 auf 262 Fälle im Berichtsjahr 2016 (- 44,3 %) zu verzeichnen.

Bei den Ladendiebstählen beträgt der Rückgang der Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr 52,6 %, von 312 registrierten Fälle im Jahr 2015 auf 148 Fälle im Jahr 2016.

 

o Körperverletzungsdelikte

Die maßgeblichen Deliktsgruppen innerhalb der Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit sind die mit Vorsatz begangenen Delikte gefährliche und schwere Körperverletzung sowie einfache Körperverletzung. Bei der Deliktsgruppe gefährliche und schwere Körperverletzung stieg die Zahl der unter der Tatbeteiligung von Zuwanderern begangenen Straftaten um 67,2 %, von 177 Fälle im Vorjahr auf 296 Fälle im Jahr 2016. In der Deliktsgruppe einfache Körperverletzung stieg die unter der Tatbeteiligung von Zuwanderern begangenen Straftaten um 74,9 %, von 335 Fälle im Vorjahr auf 586 Fälle im Jahr 2016.

 

Dabei ist gerade im Bereich der vorsätzlich begangenen einfachen, gefährlichen und schweren Körperverletzungsdelikte zu beachten, dass bei 61,2 % der von Zuwanderern begangenen geklärten 882 Fälle, mindestens ein Opfer selbst Zuwanderer war.

 

Nimmt man zudem die jeweilige Tatörtlichkeit in diese Betrachtungsweise auf, so ist festzustellen, dass bei 48,3 % dieser genannten Fälle mindestens ein Opfer selbst Zuwanderer war und es sich bei der Tatörtlichkeit zudem um eine Asylbewerberunterkunft handelte.

 

o Sexualdelikte

Im Deliktfeld Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, begangen durch Zuwanderer, ist ein Anstieg der Fallzahlen von 40 in 2015 auf 57 Fälle im Berichtsjahr 2016 zu verzeichnen. Wie im Deliktsbereich Sexualdelikte bereits ausgeführt, sind auch hier Beleidigungen auf sexueller Grundlage – verbal oder mit unmittelbarem Körperkontakt (sog. Grapscher) - in dieser Statistik nicht enthalten

 

Besondere Ermittlungsverfahren:

Am 01.11.2016 war eine junge Frau gegen 03.40 Uhr im Stadtgebiet Landshut auf dem Nachhauseweg. Dabei wurde sie unvermittelt von einem jungen Mann angesprochen, der sofort zudringlich wurde. Der Mann forderte die Frau zum Geschlechtsverkehr auf und fasste sie mehrfach an. Dabei berührte er sie auch wiederholt im Intimbereich. Das Opfer reagierte geistesgegenwärtig und behalf sich einer notwendige List: Sie ließ sich zum Schein auf das Drängen des Mannes ein und erklärte, er solle ihr folgen. Als die Beiden beim Wohnanwesen der Frau ankamen, läutete die diese sofort „Sturm“ am Klingelbrett des Mehrfamilienhauses und machte so auf sich aufmerksam. Bekannte von ihr öffneten und konnten die Frau in Schutz nehmen.
Der Tatverdächtige flüchtete. Eine sofort eingeleitete Fahndung durch die Polizei verlief zunächst erfolglos. Die Kriminalpolizei Landshut ermittelte wegen sexueller Nötigung und konnte bereits am Folgetag im Rahmen der weiteren Fahndungsmaßnahmen den Tatverdächtigen, einen 18-jährigen syrischen Flüchtling, ermitteln und festnehmen. Der Syrer wurde zwischenzeitlich zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt.

 

o Rauschgiftdelikte

Im Deliktsfeld der Rauschgiftkriminalität, begangenen durch Zuwanderer, ist im Vergleich zum Vorjahr ein erheblicher Anstieg der Fallzahlen von 52 Fällen in 2015 auf 126 Fälle im Berichtsjahr 2016 zu verzeichnen. Diese Mehrung von 74 Fällen bedeutet einen Anstieg von 142,3 %.

 

Besondere Ermittlungsverfahren:

Nach umfangreichen Ermittlungen konnten im November 2016 in Landshut insgesamt 18 vorwiegend arabisch- und nordafrikanisch-stämmige Flüchtlinge wegen Handels mit Betäubungsmitteln ermittelt und festgenommen werden. In diesem Zusammenhang wurden bei gemeinsamen und konzertierten Festnahme- und Durchsuchungsaktionen in Berlin und Landshut weitere sieben Beschuldigte festgenommen und rund 4 kg Cannabis sichergestellt. Insgesamt konnten bei diesen Verfahren rund 50 Händler und Abnehmer ermittelt werden. Acht Anzeigen wurden gegen Abnehmer im Alter von 14 bis 18 Jahren wegen Erwerbs von Betäubungsmitteln erstellt. Zusammengerechnet wurden ca. 9 kg Cannabis, 100 g Amphetamin sowie geringe Mengen an Kokain und Ecstasy dem Markt entzogen. Die Ermittlungen erfolgten auf Grund der z. T. europaweit vernetzten Täterstrukturen in enger Zusammenarbeit mit den Kriminaldienststellen in Berlin, Köln, Frankfurt, München sowie der Schweiz.


Zwischenzeitlich erfolgte durch das Landgericht eine erste Verurteilung von vier Tätern zu Freiheitsstrafen wegen Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Das Strafmaß für den heute 35-jährigen irakischen Organisator und Haupttäter beträgt 8 Jahre, das für einen 34-jährigen staatenlosen Palästinenser, der als Verteiler der Drogen fungierte, beträgt 5 Jahre. Ein 28-Jähriger irakischer Mitorganisator und Fahrer erhielt eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 10 Monaten. Ein 38-jähriger Syrer, der als Bunkerhalter das Rauschgift verwahrte, wurde zu 2 Jahren Haft auf Bewährung und Sozialstunden verurteilt. 

 

 

Autor: lw/Quelle: Polizei Niederbayern

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