15.05.2012 Landshut

Hanseder-Projekt am Münchner Tor

Das "Dreck-Eck" und die Leiden eines Architekten


Als Architekt braucht man manchmal gute Nerven. Die von Bernd Hanseder werden seit einiger Zeit auf eine harte Probe gestellt.

 

„Seit knapp zwei Jahren“, wie er erzählt, ringt er nun um eine Baugenehmigung für sein Projekt am Münchner Tor (das Wochenblatt berichtete mehrmals). In fünf Sitzungen in verschiedenen Gremien wurde das Thema bereits ausführlichst diskutiert. Und es wird mindestens noch eine sechste geben.
Eigentlich hätte der Bausenat am Montag alles klar machen können, nachdem auch der Gestaltungsbeirat mehr oder weniger grünes Licht gab weil sich Hanseder bereit erklärt hatte, den Gebäudekomplex um ein Stockwerk von vier auf drei Etagen zu reduzieren und von der Stützmauer zum Ottonianum abzurücken. Gleichzeitig erklärten die Gestaltungsbeiräte aber auch, dass eine Entscheidung auf „politischer Ebene“ gefällt werden müsse. Vor allem im Hinblick darauf, da das Vorhaben als Referenzobjekt für andere Bauvorhaben „in ähnlich gelagerten Bereichen“ der Stadt dienen könnte. Tatsächlich will auch Hanseders Nachbar sein Gebäude im hinteren Teil erweitern, dafür in den Hang bauen.
Doch die Politik tat sich auch am Montag schwer damit, endlich mal Nägel mit Köpfen zu machen. Immerhin: Der grundsätzliche Widerstand gegen das Bauprojekt am „Dreckeck“, wie Stadtrat Rudi Schnur, der für die Bebauung ist, die Stelle recht eindeutig titulierte, scheint zu bröckeln.
So wurde mit 9:1 Stimmen im Bausenat eine Genehmigung des Baukörpers in Aussicht gestellt. Nur das Landesamt für Denkmalpflege und der Stadtheimatpfleger Gerhard Tausche sind nach wie vor gegen das Projekt.
Auch sprach man sich mit 6:4 Stimmen für eine Treppe entlang der Stadtmauer auf öffentlichem Grund zur Erschließung des Geländes aus. Eine Überbauung des Turms wurde mit 5:5 Stimmen abgelehnt. Soll heißen: Hanseders Bauwerk muss sich von dem alten Teil der Stadtmauer absetzen.
Das bedeutet, dass er nicht direkt auf den Resten des alten Turms aufbauen darf. Stattdessen werden sich die neuen Gebäudeteile jetzt an die Überreste anlehnen und sollen sie so hervorheben.
Beschlossen wurde allerdings auch, dass Hanseder das Projekt noch einmal mit allen geforderten Änderungen vorstellt.
Der Architekt selbst, der gegen die Stadt wegen ihrer ablehnenden Haltung auch schon Klage eingereicht hatte, bewertete den Verlauf der Sitzung am Montag immerhin „ganz positiv“. Bleibt abzuwarten, ob die Sitzung, in der er sein Projekt, in das er laut Stadtrat Schnur schon über 1.000 Stunden investiert haben soll, dann endlich durchgewunken – oder abgelehnt – wird. Oder ob es doch noch eine Lesung im Bausenat braucht.
Autor: Alexander Schmid

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