17.07.2012 Landshut

Mit harten Bandagen gegen Radfahrer

Bewährungsstrafe für den Sheriff von der Flutmulde


In der Landshuter Flutmulde ist er der Schrecken der Radfahrer. Jetzt hat es den 52-Jährigen, der gerne auch mal mit dem Stock Schläge austeilt, selbst erwischt. Er bekam vom Gericht eine saftige Strafe aufgebrummt.

 

Seit Jahren führt der 52-Jährige seinen Hund tagtäglich in der Flutmulde entlang der Hofmark-Aich-Straße aus, meist in Gesellschaft von anderen Hundebesitzerinnen und -besitzern. Und er hat sich zum „Sheriff der Flutmulde“ aufgeschwungen, wobei er vor allem die Radfahrer ins Visier nimmt, sich mit ihnen nicht nur verbal, sondern handfest anlegt. Jetzt bekam er einen „Warnschuss“: Nach mehreren Verurteilungen zu Geldstrafen verhängte der Strafrichter eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.
 
Seit Jahren tritt der gelernte Installateur in der Flutmulde als „Radlerschreck“ auf. In seinen Augen stellt jeder „Strampler“ – vor allem die, die mit Rennrädern unterwegs sind – eine potenzielle Lebensgefahr für Spaziergänger sowie deren Kinder und Hunde dar.
Eines der Opfer wurde am Nachmittag des 20. März dieses Jahres der Geschäftsführer (47) eines Landshuter Fitness-Centers, der an der Gruppe um den „Radlerschreck“ vorbeifuhr: Prompt handelte er sich einen Schlag des 52-Jährigen mit dem Gehstock auf den Allerwertesten und dann noch die Beleidigungen unter anderem als „charakterloses A...loch“ ein.
Vor dem Strafrichter bestritt der 52-Jährige den Schlag und die Beleidigung: „Der leidet wohl an Halluzinationen.“ Der Radler habe gestrampelt „wie ein Wahnsinniger“ und sei mit 50 Stundenkilometer knapp auf die Hundebesitzer-Gruppe zugerast. „Die gefährden permanent das Leben der Spaziergänger, vor allem der Kinder“.
 
„Der leidet wohl an Halluzinationen“
Für eine Überraschung sorgte der Geschäftsführer: Früher, so berichtete er, sei er selbst mit seinem Hund und der Gruppe unterwegs gewesen. Von der habe er sich dann aber wegen der ständigen Probleme, die es mit den Radlern, Joggern und Rollerbladern gab, getrennt. Schon im Herbst 2011 habe es dann einmal eine verbale Auseinandersetzung mit dem „Sheriff“ gegeben: „Da hat er mich angemacht, weil ich in der Dämmerung ohne Licht unterwegs war.“
 
An jenem Nachmittag im März habe er die Gruppe mit den Hunden (Dobermänner, Labradore usw., die besser angeleint sein sollten, aber es nie sind) – schon von weitem gesehen und auch, dass der 52-Jährige wild gestikuliert und geschimpft habe. Er habe versucht an der Gruppe vorbeizufahren, aber dennoch einen Schlag bekommen. „Mir geht es nicht darum, dass er bestraft wird, sondern dass er nicht dauernd andere Leute, vielleicht sogar Kinder, angreift“, so der Geschäftsführer, der freimütig einräumte, den 52-Jährigen noch gefragt zu haben, ob er übergeschnappt sei.
 
„Da hat er dann eine Kampfposition eingenommen und Drohungen ausgestoßen.“ Der Strafrichter verhängte, wie vom Staatsanwalt beantragt, wegen Körperverletzung und Beleidigung eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zur Auflage wurde dem 52-Jährigen gemacht, 160 Stunden soziale Hilfsdienste abzuleisten.
 
Mehr Glück hatte der Frührentner in einem weiteren Fall, der fast parallel bei der Berufungskammer des Landgerichts anhängig war. Da war ihm ursprünglich vorgeworfen worden, am 27. Oktober 2011 in der Flutmulde einen Radfahrer, der ebenfalls die Gruppe der „Gassigeher“ passieren wollte, zunächst mit „Du Depp, pass auf“ beleidigt und ihm dann einen Schlag mit seinem Gehstock auf den Rücken versetzt zu haben, so dass der Radler stürzte und sich schmerzhafte Prellungen zuzog. Und nicht nur das: Das herrenlose Rad flog durch die Luft und hätte beinahe ein Kind, das zur Gruppe der Hundebesitzer gehörte, getroffen.
 
Die Anklage hatte da auf gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, vorsätzliche Körperverletzung und Beleidigung gelautet.
Da aber das Opfer nicht mehr mit letzter Sicherheit sagen konnte, von wem aus der Gruppe der Schlag und die Beleidigungen kamen, heimste der 52-Jährige in der Berufungsinstanz einen Freispruch ein. Schon in erster Instanz war er lediglich wegen Beleidigung verurteilt worden und zu einer Geldstrafe von 1.200 Euro. 
 
Bereits im Oktober 2010 hatte das Wochenblatt über den Mann berichtet. Damals war er an die Öffentlichkeit gegangen, weil er selbst von einem Radfahrer Prügel einstecken musste.
Autor: ws

Weitere Nachrichten aus dem selben Ort: