29.08.2017 Passau
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Trostspender und Trostpflaster


Foto: Elisabeth Fuller
Ministerpräsident Horst Seehofer auf Tour durch das Sturm-Katastrophengebiet

Ob Ministerpräsident Horst Seehofer geahnt hat, was ihn auf seiner Tour durch das Passauer Sturm-Katastrophengebiet erwartete? Ich glaube nicht! Sicher, er wusste Bescheid über die Millionenschäden, die der Horror-Twister angerichtet hatte. Er wusste auch Bescheid über die verlorenen und bedrohten Existenzen in der Katastrophen-Region. Aber dass es für ihn eine Tour der Emotionen werden würde? Horst Seehofers Besuch wurde zur Tröster-Tour – und der Ministerpräsident zeigte sich dabei stundenlang ganz als wahrer Landesvater.


In jedem geschädigten Ort zwischen Salzweg und Jandelsbrunn wartete auf Seehofer und seinen Tross aus Landes- und Kommunalpolitikern eine Menschenmenge, die ihn mit Hoffnungs-Bitten um rasche finanzielle Hilfe überhäufte. Und dem Ministerpräsidenten wurde dadurch eindrucksvoll eines demonstriert: dass unsere Region in Zeiten der Not zusammen steht. Das dürfte ihn sichtlich beeindruckt haben.


Seehofer hörte sich die Sorgen und Nöte der einzelnen geduldig an – und kam sicherlich gehörig ins Spekulieren ob der individuellen Schicksale, die er da zu hören bekam. Der eine erzählte seine Misere unter Tränen und flehte quasi um Hilfe – ein anderer bat, die Wut unterdrückt, den Ministerpräsidenten nicht um Hilfe, sondern forderte sie schlichtweg. So unterschiedlich sind die Gefühle. Und da gab es zwischendrin noch die Geschichte von der alten Witwe, der das vom Sturm auf den Friedhof gefegte Turnhallendach das Grab ihres verstorbenen Ehemannes zerstörte. Sie wird sich mit ihrer kleinen Rente keinen neuen Grabstein leisten können. Wer kommt für solche Schäden der Seele auf?


Tatsächlich hat der Ministerpräsident an diesem Montag einer ganzen Region ganz persönlich und von Herzen Mut gemacht. Und er versprach, dass die finanzielle Hilfe aus Bayern für die Region Passau mehr als ein Trostpflaster werden wird. Vielleicht kommt da den betroffenen Menschen sogar zugute, dass sich die Katastrophe just zu Zeiten des Bundestagswahlkampfs ereignete (was zwar kein Trost ist, aber sicher ein Vorteil).


Finanzielle Hilfe ist das eine. Aber wie soll es in der Zukunft weitergehen? Angesichts des fortschreitenden Klimawandels ist die nächste Natur-Katastrophe vorprogrammiert – drei hatten wir ja schon in den vergangenen Jahren. Es gilt also, das Übel bei den Wurzeln zu packen. Für Seehofer heißt das: Der Wald muss „umgebaut“ werden, muss „widerstandsfähiger“ werden. Dazu wolle er ein entsprechendes Programm auflegen. Diese Aussage ist in ihrer Nachhaltigkeit am Ende wohl mehr wert, als all die Millionen, die am kommenden Dienstag für die Katastrophen-Region beschlossen werden. Denn es wird Zeit zu erkennen, dass die Zeichen tatsächlich weiter auf Sturm stehen und sie deshalb zu einem schnellen Umdenken zwingen.

Autor: Stefan Brandl

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