22.08.2017 Passau
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Nach dem Sturm…


Foto: Markus Zechbauer / zema-foto.de
Vernichtete Wälder, zerstörte Existenzen, wahre Helden und das Warten auf Hilfe

Wenn g’standene Waldbauern mit Tränen in den Augen ohnmächtig in der stillen Leere stehen, wo gestern noch Bäume rauschten, dann muss man gehörig schlucken. 20 Minuten genügten, um ihre Existenz in Trümmer zu legen. Die Sturmgewalt in der Nacht von Freitag auf Samstag vernichtete eine ganze Landschaft in der Region Passau  – und brannte sich in die Herzen der Menschen ein: Schon wieder eine verheerende Katastrophe, schon wieder bei uns. Hört das denn nie auf?


Wie unbarmherzig die Natur zuschlagen kann, erlebte z. B. auch Rudi Hirz aus Hauzenberg. Der Braumeister feierte tags zuvor noch die Bilanz seines gelungenen Einstands als Hauzenberger Dult-Festwirt, freute sich wie ein Schneekönig – wenige Stunden später tobte der Sturm, legte seine Brauerei binnen Minuten in Schutt. Es sah aus wie auf einem Schlachtfeld, ein Bild der Verzweiflung.


Aber nach dem Sturm gibt es keine Ruhe. In Ohnmachtsstarre zu verharren, gibt es nicht in unserer Region. Nach dem kurzen Moment des Innehaltens vor der Macht der Naturgewalt wurde in die Hände gespuckt und angepackt. In der Sturmnacht waren in Stadt und Landkreis Passau sowie im Landkreis Freyung-Grafenau fast 1 500 Hilfskräfte im Einsatz. Feuerwehr, THW, Rettungskräfte mussten alle im Landkreis Passau mehrere 1 000 Einsätze fahren. Mit Kettensägen trotzten sie – unter eigener Lebensgefahr! – dem Orkan, machten binnen weniger Stunden von umgestürzten Bäumen blockierte Straßen wieder frei, halfen Menschen in ihrer Not. Mittlerweile Katastrophen erprobte Einsätze, die abliefen wie ein Uhrwerk, die ineinandergriffen wie Zahnräder – und schon am nächsten Tag war zum größten Teil kaum mehr zu erkennen, dass noch wenige Stunden vorher hier eine Urgewalt tobte, als würde die Apokalypse über uns hereinbrechen. Und auch Rudi Hirz erlebte diesen soldarischen Zusammenhalt in Zeiten der Not: Viele fleißige Helfer sorgten dafür, dass er schon am Sonntag seinen Betrieb wieder aufnehmen konnte. Freud, Leid, Hoffnung – alles kann so nahe beieinander liegen…


Danke sagen ist nach dem Sturm einmal mehr angebracht. Danke an jene Frauen und Männer, die selbstlos zupacken im Dienst am Nächsten, die ihren Helm aufsetzen und in einer Höllen-Nacht ausrücken, damit andere bei Kerzenschein sicher in ihren Häusern bleiben können – und vielleicht dabei sogar ihr eigenes Leben riskieren. Das ist ganz und gar nicht selbstverständlich. Das sind für mich wahre Helden!


Nun liegt es nach dem Sturm an unseren Politikern, es diesen Helden gleich zu tun. Nämlich nicht lange zu fackeln, sondern zu handeln und den in ihrer Existenz vernichteten Menschen schnell zu helfen. Da gibt es kein Wenn und Aber. Nach dem Sturm gibt es nur eine Losung: Bayern darf Passaus Waldbauern nicht im Stich lassen.

Autor: Stefan Brandl

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