12.10.2017 Passau
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Shitstorm gegen die Herbstdult


Foto: Wolfgang Korduletsch
Sexuelle Belästigung gegen Frauen und wie der Sicherheitsdienst dabei versagte.

Da bemüht sich die Stadt Passau so sehr, um das angeknackste Image ihrer Dult wieder aufzupolieren, weil nach Ansicht der Festwirte und Brauereien der Fokus der Medien zu sehr auf die negativen Alkohol-, Pöbel- und Gewaltausschreitungen während der vergangenen Maidult gelegen habe, gibt dafür einen Haufen Geld an eine Werbeagentur aus, die mit ihrem flotten Reporter-Maskottchen – dem „Dult-Jackl“ – die schönen Seiten des Passauer Aushängefestes herausstellen will – und dann passiert gleich am ersten Herbstdult-Abend dieses böse Foul: Eine Gruppe junger Frauen wird im Dultstadl von einer wohl durch zuviel Festbier bedödelten Gruppe Männern massiv sexuell angepöbelt und belästigt, begrapscht und mit verbalen Anzüglichkeiten beleidigt – und als sich eine der Frauen hilfesuchend an die Security-Mitarbeiter wendet, wird sie von denen ebenfalls sexuell verhöhnt und ausgelacht – und am Ende hätten sich die Mädels an einen anderen Tisch setzen sollen, anstatt dass die offensichtlich im Suff notgeil gewordene Männer-Bagage vor die Tür gesetzt worden wäre. Dieses Versagen des Sicherheitsdienstes ist eine Schande!


Die Folge ist ein Image-Schaden für die Herbstdult, der noch lange Nachwehen haben wird: Die Frau postete das üble Dult-Erlebnis auf Facebook – und prompt erhob sich ein Shitstorm in der Region gegen die Dult, der seinesgleichen sucht. Und nicht nur gegen die Dult, sondern vor allem gegen das private Sicherheitspersonal auf der Dult, an dem nicht ein gutes Haar gelassen wurde. Da kann sich der städtische „Dult-Jackl“ noch so sehr nach der Decke strecken, so wird das nix mit dem Image.


Zu sexuellen Übergriffen kommt es bei jedem größeren Volksfest, das ist vor allem dem Alkohol geschuldet, der alle Hemmschwellen über Bord werfen lässt. Aber um Festbesucher genau vor solchen Übergriffen zu schützen, dafür ist ein Sicherheitsdienst da. Wenn jedoch wie im Fall der Gruppe junger Frauen aus den Beschützern quasi Unterstützer der Übeltäter werden, dann ist es um das Sicherheitsgefühl eher schlecht bestellt. Das kann nun wirklich nicht im Sinne des Veranstalters sein. Denn nur eine friedliche Dult ist eine schöne Dult. Dieser Vorfall darf also nicht nach dem Motto „o mei, is eh nix passiert, kommt vor nach zwei Maß“ unter den Tisch gekehrt werden. Hier muss die Stadt als Veranstalter ein ernsthaftes Wort mit Security und Festwirten reden.


Denn geradestehen für das Vorgehen des Sicherheitsdienstes müssen am Ende auch die Festwirte, sie dürfen nicht aus der Verantwortung entlassen werden. Und vielleicht sollte man sich auch überlegen, den übermäßigen Alkoholkonsum einzudämmen. Oder was haben Schnapsbars in einem Bierzelt zu suchen? Hochprozentiges auf Festbier ist eine explosive Mischung, die sich auf der Passauer Dult regelmäßig entlädt. Da könnte man viel entschärfen.

Autor: Stefan Brandl