16.05.2017 Neureichenau

Volkstheatermacher Pele Winter blitzte ab

Bayerwald-„Chippendales“ zu heiß für‘s Bayerische Fernsehen?


Foto: Mund+Art
„Sexy Boys“ von Theatermacher Pele Winter ist dem BR zu „abgehoben“

"Männer mal ganz anders“ – Im Bayerischen Wald wird’s heiß! Und nicht nur da. Boarisch, sexy, krass ist das Stück „Sexy Boys“ des ehemaligen „Mund+Art Bühne“-Machers Michael „Pele“ Winter. Zu krass für‘s Fernsehen?
„Der Bayerische Rundfunk will am Sonntagabend jetzt auch zeitgemäßere Stücke ins Volkstheater aufnehmen“, erfuhr der innovative Bayerwald-Theatermacher Michael „Pele“ Winter über noch immer bestehende Kontakte zum Tegernseer Volkstheater. Probieren kann man‘s ja mal, dachte sich Winter und nahm gleich Kontakt auf zum Bayerischen Rundfunk.


Am BR-Telefon meldete sich eine ebenso freundliche wie hörbar im norddeutschen Idiom beheimatete Dame. Nach längerem und erfolglosem terminlichen Hin und Her, sandte Winter letztlich eine DVD zur Ansicht an die BR-Dame.
Die meldete sich tatsächlich einige Zeit später mit eher weniger guten Nachrichten: „Ich persönlich finde ihr Stück an vielen Stellen eigenwillig, skurril, komödiantisch – für den zu bestückenden Sonntagabend mit moderneren, leichten Komödien … sind die ‚Sexy Boys‘ nicht geeignet“, heißt es in der schriftlichen Absage des Bayerischen Rundfunks.


Zu viel nackte Haut aus dem Bayerischen Wald für den Bayerischen Rundfunk? Zu modern-experimentiell? Theater ist Schauspielkunst mit Haut und Haar – unverfälscht, gemächlicher.

Winter erklärt das scheinbare Paradoxon: „Fernsehen funktioniert anders als Live-Theater. Im Theater braucht man mehr Zeit, man muss vermitteln. Im Fernsehen funktioniert die Information einfach schneller“, weiß der Theater-Experte. „Das Theater braucht einfach länger, um Informationen zu vermitteln und deshalb ist es in unserer schnelllebigen Zeit nicht mehr zeitgemäß!“


Dabei ist „Sexy Boys“ laut dem BR sogar „für diesen Sendeplatz zu abgehoben, zu speziell…für so ein Experiment ist unser Publikum noch nicht bereit!“. Zum Glück hat die strenge BR-Dame aber auch Lob für niederboarischen Theatermacher: „Die Inszenierung … finde ich über weite Strecken modern und frech. Auch die schauspielerische Leistung … hat mich überrascht.“


Um das geht‘s bei den „Sexy Boys“: Drei an der Welt und den Frauen verzweifelte Männer begegnen sich auf einer Selbstmörder-Brücke. Sie kommen in’s Gespräch und entwickeln eine gemeinsame Zukunftsperspektive: Big Macs, doppelt Pommes Frites und ein anschließender Kneipenstreifzug! Dabei lernen sie zwei weitere „Leidensgenossen“ kennen. Aus dem Whisky-Rausch wird eine Männerfreundschaft. Die Fünf ziehen zusammen und machen eine Kneipe auf. Doch die Kundschaft bleibt aus ... Wie kriegen sie den Laden voll? Mit einer Strip-Show à la Chippendales ...?

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Autor: Tatjana Brand