23.08.2017 München / Hutthurm

Es läuft für Martin Frank:

Preise, Bühnenreife und eine „Helden“-Rolle!

Martin Frank als Titelheld in dem Germanical »Siegfried - Götterschweiß und Heldenblut« im Schwabinger Lustspielhaus von Till Hofmann.
Foto: Lustspielhaus
Martin Frank, bühnengereiftes und vielfach ausgezeichnetes Kabarett-Talent aus Hutthurm.

Er pubertierte quasi jahrelang in gleichnamigem Programm auf Kabarett-Bühnen bis nach München, wurde mit 20 Jahren Standesbeamter im Hutthurmer Rathaus – um dann das Abi nachzuholen und auf die Schauspielschule zu gehen (siehe auch unten „Zur Person“). Nun hat Martin Frank, u. a. mit dem Kulturpreis des Landkreises Passau ausgezeichneter Kabarettist, die „Bühnenreife“ erlangt – und gleich die Titelrolle in dem „Germanical“ des Schwabinger Lustspielhauses erlangt: „Siegfried – Götterschweiß und Heldenblut“. Die PaWo sprach mit Frank über sein sehr bewegtes Jahr:

 

Gerade haben Sie Ihre dreijährige Ausbildung an der Münchner Schauspielschule Zerboni abgeschlossen. Darf man erfahren wie?

Also auf meinem Abschlusszeugnis steht „erfolgreich abgeschlossen“. Zum Glück sieht man die Noten nicht. Vor allem in Sprecherziehung war ich zumindest „sehr bemüht“. Meine Professorin hat mir im Abschlussgespräch gesagt: „Martin, das mit dem Hochdeutsch habe ich bei dir schon lange aufgegeben.“

 

Für die Schauspielausbildung haben Sie Ihren sicheren Job als Standesbeamter bei der Marktgemeinde Hutthurm aufgegeben. Und nie bereut?

Ich hatte anfangs wirklich ein bisschen Angst von heute auf morgen ohne anständigen Job dazustehen, aber ich muss sagen, ich habe es bis heute keinen einzigen Tag bereut.

 

Aktuell spielen Sie im Schwabinger Lustspielhaus von Till Hofmann den Titelhelden im Germanical „Siegfried. Götterschweiß und Heldenblut“. Kam Ihnen dabei die Operngesangsausbildung zugute?

Jein. Diese Produktion hat zumindest musikalisch nicht mehr so viel mit Wagner zu tun. Es wird viel gesungen, aber nicht klassisch. Die Regisseurin Gabi Rothmüller wollte es eher etwas rockig haben. Es gibt deshalb auch kein Streichorchester, sondern Schlagzeug, Klavier, Keyboard, Bass und E-Gitarren. Es ist von Vorteil, wenn man singen kann, aber ein bisschen von Nachteil, wenn man bisher nur auf Klassik getrimmt wurde. Aber ich krieg‘s schon irgendwie hin.

 

Ab September voller Tour-Terminplan mit dem Kabarett-Solo „Alles ein bisschen anders – vom Land in d’Stadt“, im nächsten Jahr neues Solo „Es kommt, wie’s kommt“ … bleibt da überhaupt Zeit für die Schauspielerei? Sie sind jetzt bei der Agentur Kick, die ihre Mandanten zu Film und Fernsehen vermittelt.

Ich will mir die Zeit für Schauspiel unbedingt nehmen. Ich habe nebenbei noch einmal die Woche Schauspiel- und Sprechtraining in der Otto-Falckenberg-Schule, denn drei Jahre Schauspielschule heißt noch lange nicht, dass man jetzt ausgelernt hat. Aber man muss sowieso erst mal Angebote in der Schauspielerei bekommen. Agentur ist alles schön und gut, aber das ist keine Garantie für große TV- und Filmrollen.

 

Ist „Es kommt, wie’s kommt“ auch so autobiografisch gefärbt wie die ersten beiden Programme?

Ja, würde ich schon sagen. Ich schreibe auch lieber über Dinge, die ich selber erlebt habe oder die mich wirklich beschäftigen anstatt mir irgendwelche Geschichten aus den Fingern zu saugen und die völlig aus der Luft gegriffen sind. Ich glaube, das ist auch meinem Publikum am liebsten.

 

Kam es wegen der Termindichte deshalb noch nicht zur Premiere von „Wie d’Semmel so d’Knödel“ mit Kabarett-Kollegin Franziska Wanninger?

Oh ja. Aber es war nicht ganz allein mein Terminkalender daran Schuld. Unsere beiden Agenturen haben gesagt, 2018 muss ein neues Soloprogramm erscheinen und da ein solches viel Zeit in Anspruch nimmt, haben wir beschlossen, unser Duo-Programm um ein Jahr zu verschieben. Franzi feiert im Februar 2018 Premiere, ich im März 2018 und dann können wir uns auf unser Duo-Programm stürzen.

 

Heuer gab es mit Goldener Stuttgarter Besen 2017 (Jurypreis) und dem  Halltertauer Kleinkunstpreis 2017 weitere Auszeichnungen. Die Preis-Liste seit 2014 liest sich respektabel, zumal es ja immer wieder Publikums- und Jury-Preise in einem sind.  Macht einen das sicherer auf der Bühne? Welche Auszeichnung hat Sie am meisten gefreut?

Oh Dankeschön! Ja man möchte vielleicht meinen, dass das einen sicherer auf der Bühne macht, aber mich irgendwie nicht. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen komisch, aber es macht mich sogar zum Teil noch unsicherer bzw. nervöser. Ich freue mich wirklich über jeden Preis sehr, aber jeder Preis setzt mich ein bisschen mehr unter Druck. Vor allem der Stuttgarter Besen ist in der Branche sehr renommiert und als ich am nächsten Tag nach dem Wettbewerb eine kleine Mixed-Show in Baden-Württemberg gespielt hatte, wurde ich vom Moderator schon als Preisträger angekündigt und da sind die Erwartungshaltungen vom Publikum natürlich hoch. Oft wäre es mir lieber, wenn keiner darüber reden würde und ich relativ neutral auf eine Bühne gehen kann. Zumal der Auftritt dann gar nicht so preisverdächtig war. Das Publikum wird sich dann wohl gedacht haben: Für was hat der jetzt den Preis bekommen?! Aber der Besen hat mir viele Türen beim SWR geöffnet. Ich wurde in die Spätschicht eingeladen und im Herbst erscheint eine völlig neue Sendung, die Lisa Fitz und ich eröffnen dürfen. Von daher ist das wohl eher Jammern auf hohem Niveau. Das will ich natürlich nicht.

 

Wie erlangt man denn die „Bühnenreife“?

Die Bühnenreife – ich finde ein etwas alberner Begriff – erlangt man nach einer mindestens dreijährigen Schauspielausbildung an einer staatlich genehmigten Schauspielschule. Viele Schauspielagenturen, Theater sowie die ZAV (Künstlervermittlung) verlangen diese, bevor sie einen Schauspieler in die Kartei bzw. Ensemble aufnehmen.


Auf der Kabarett-Bühne erreicht man die ja über viele, viele Auftritte sowie über reichlich Wettbewerbsteilnahmen, oder?

Ja ich weiß gar nicht, wie man das im Kabarettbereich nennt. Für diesen Beruf gibt es ja keine dreijährige Ausbildung. Da dauert es etwas länger, bis man sich Kabarettist nennen darf. Monika Gruber sagte mal zu mir: „Martin, merk da oans, bis man ein guter Kabarettist ist, kinnan scho moi zehn Jahre vergeh.“ Dann hab ich noch ein paar Jahre vor mir.

 

Gibt die Ausbildung mehr Sicherheit auf der Bühne? Haben Sie jetzt weniger Lampenfieber, sofern Sie das überhaupt plagt?

Es wäre schön, wenn die Ausbildung das Lampenfieber verringern könnte. Ich habe jetzt zum Teil mehr Lampenfieber als vor meiner Ausbildung – da wären wir wieder beim gleichen Problem wie bei den Preisen. Dank der Ausbildung habe ich jetzt ein viel größeres Wissen, was die Bühne, das Schauspiel oder überhaupt den Beruf angeht. Ich weiß, worauf ich auf der Bühne achten muss, wie ich meiner Rolle gerecht werden will und muss, usw. All diese Dinge wusste ich vor meiner Ausbildung nicht und bin halt einfach auf die Bühne gestürmt. Als ausgebildeter Schauspieler will ich meinem Publikum natürlich Qualität bieten und das steigert bei mir das Lampenfieber. Bei der Premiere von „Siegfried“ hatte ich das erste Mal seit Langem wieder einen trockenen Mund auf der Bühne.

 

Martin Frank, bühnengereiftes und vielfach ausgezeichnetes Kabarett-Talent aus Hutthurm.
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Martin Frank, bühnengereiftes und vielfach ausgezeichnetes Kabarett-Talent aus Hutthurm.
Zur Person: Martin Frank

Nach seinem mehrfach ausgezeichneten Debütprogramm „Alles ein bisschen anders“ präsentiert der 25-jährige Shootingstar der bayerischen Kabarettszene 2018 sein neues Soloprogramm „Es kommt, wie’s kommt“. Der Bayerische Rundfunk bezeichnet ihn als „unbandige Rampensau“, die SZ als „großes Nachwuchstalent“ und seit 2015 steht er jährlich als „Zivi“ gemeinsam mit Monika Gruber an Silvester auf der Congressbühne in Salzburg.


Noch bis 31. August spielt Frank täglich (außer Sonntag und Montag) im Schwabinger Lustspielhaus die Titelrolle in „Siegfried – Götterschweiß und Heldenblut“; Karten über www.lustspielhaus.de


Auszüge aus Presse-Kritiken zur Premiere: Die Süddeutsche Zeitung schreibt über „Siegfried“ Martin Frank: „Aber auch der niederbayerische Kabarettist Martin Frank, der mit blonder Billigperücke und im Kuhfell-Röckchen den Drachentöter und Titelhelden Siegfried mimt, ist umwerfend. Nicht zuletzt deshalb, weil der ausgebildete Bariton beim melodisch-parodistischen Aufeinandertreffen von Wagner und Claydermann beweist, dass er durchaus auch hohe Töne beherrschen würde.“


Und die tz München so: „Beim Verkuppeln der Göttertochter kommt der niederbayerische Wurmtöter Siegfried ins Spiel, den Martin Frank als androgyne Sieglinde im Kuhfell-Rockerl spielt, der den Ring im goldenen Gucci-Tascherl rumschleppt. Gleich bei seinem ersten Auftritt fällt Siegfried-Sieglinde den Premierenzuschauern am Bühnenrand auf den Tisch und reißt den Weißwein um. War zwar nicht geplant, passt aber bestens zur Anarchie auf der Bühne.“


Zuvor hat Martin Frank seine dreijährige Ausbildung an der Münchner Schauspielschule Zerboni mit der „Bühnenreife“ abgeschlossen (siehe Interview oben). Im Jahr 2013 hatte erst seine Ernennung zum Standesbeamten in Hutthurm für Wirbel gesorgt – dann seine Kündigung (PaWo berichtete).


Ab September ist Martin Frank noch landauf, landab mit „Alles ein bisschen anders“ auf Tour. Darin mischt er komödiantisch den Stadt-Land-Kulturclash Hutthurm-München auf! In der Region ist er damit zu erleben: am Donnerstag, 7. September (20 Uhr) im Wolferstetter-Keller Vilshofen. Vorverkauf bei der PaWo, Tel. 0851/5014-0. Und am 8. September im Freyunger Kurhaus.

Autor: Fritz Greiler

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