09.03.2017 Passau / Vilshofen

Wie Kinder Deutsch erlernen:

Uni bietet Lehrkräften Beratung in 'Deutsch als Zweitsprache' an

Das Bild zeigt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fortbildung mit Referentin Sibylle Draber (Universität Passau, vorne r.) und Schulleiter Geerd Budelmann (hinten, r.).
Foto: Mittelschule St. Georg
Wenn Schülerinnen und Schüler in die Klasse kommen, die erst Deutsch lernen müssen, stellt dies nicht nur die Lernenden selbst, sondern auch die Lehrkräfte vor große Herausforderungen.

Sibylle Draber, Akademische Rätin für Deutsch als Zweitsprache (DaZ) und Didaktik des Deutschen als Zweitsprache an der Universität Passau, hat Lehrkräfte der Mittelschule St. Georg in Vilshofen sowie der DreiflüsseRealschule Passau im Rahmen einer Fortbildung dafür sensibilisiert, was es bei der Vermittlung der deutschen Sprache in den vier Kompetenzen Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben zu beachten gibt. „Es geht im Unterricht mit DaZ-Schülern und Schülerinnen darum, ihnen Alltags-, Fach- und Bildungssprache zu vermitteln“, sagt Sibylle Draber.

 

„Sie müssen die verschiedenen Sprachebenen, die sogenannten Register, der deutschen Sprache lernen.“ Auch wenn Kinder und Jugendliche außerhalb der Schule manchmal recht schnell erlernen, sich im Alltag zu verständigen, genüge dies nicht, um erfolgreich die Schule zu durchlaufen und einen Abschluss zu machen: „Die sogenannte Bildungssprache, die man dafür braucht, schnappt man nicht nebenbei auf. Schulsprache mit ihrem besonderen Wortschatz sowie grammatikalisch richtiges Deutsch müssen von Grund auf angeleitet werden. Sonst kommt es zu dem Phänomen, dass Kinder und Jugendliche fehlerhaft sprechen und niemand sie im Alltag korrigiert, weil sie jeder versteht.“ Sibylle Draber bietet in diesem Schuljahr auf Vermittlung des Schulamtes daher an, Grund- und Mittelschulen im Landkreis Passau individuell in „Deutsch als Zweitsprache“ zu beraten.

 

Diese besondere Transferleistung der Universität wurde möglich, weil dort seit Oktober 2016 eine eigene Stelle für DaZ eingerichtet ist, die die Dozentin besetzt. Dazu können sich die Schulen mit ihren Fragen und schulinternen Bedürfnissen an Sibylle Draber wenden. Nach einem ausführlichen Beratungsgespräch, in dem die spezielle Situation an der Schule geschildert wird, erstellt die Expertin dann ein maßgeschneidertes Angebot, das dem Bedarf der jeweiligen Schule entspricht.

 

Universitätsleitung Abteilung Kommunikation und Marketing In diesem Fall hatten die Mittelschule St. Georg aus Vilshofen und die Dreiflüsse Realschule aus Passau schulartübergreifend zusammen um eine Fortbildung gebeten, um Übergänge von DaZ-Schülerinnen und Schülern besser gestalten zu können. Die Lehrkräfte beider Schulen setzten sich im Rahmen der Veranstaltung mit theoretischem Wissen zu Deutsch als Zweitsprache in Verbindung mit vielen praktischen Beispielen auseinander.

 

Dabei ging es z. B. um Spracherwerbstheorien und die Frage, in welcher Reihenfolge Wortschatz, Grammatik und Satzbau erworben werden, wenn Deutsch nicht die erste Sprache ist. Welche grundlegenden Prinzipien sind dabei zu beachten? Welche Rolle spielt das Hören beim Spracherwerb, welche das Lesen? „Antworten auf diese und andere Fragen unterstützen nicht nur Lehrkräfte, die DaZ erteilen, sondern alle Lehrkräfte, die DaZ-Schülerinnen und -Schüler unterrichten“, erklärt die Referentin. Geerd Budelmann, Schulleiter der Mittelschule St. Georg Vilshofen, hatte vom Schulamt von dem Beratungsangebot erfahren. Er ist von dem individuellen Fortbildungsangebot begeistert, da es auf einen großen Bedarf stößt. „Es ist ein sensibler Umgang mit Zweitsprachelernenden erforderlich“, sagt er.

 

Auch im Hinblick auf Schulentwicklung wurde bei der Veranstaltung deutlich, dass Sprachförderung eine Aufgabe für das gesamte Kollegium ist: „Das Unterrichten in Deutsch als Zweitsprache funktioniert nur, wenn Lehrkräfte fächerübergreifend kooperieren und im Team arbeiten.“ Der Schulleiter betont: „Von einem sprachsensibel und sprachförderlich gestalteten Unterricht profitieren letztlich alle Schülerinnen und Schüler, auch die deutschsprachigen.“ An der Mittelschule St. Georg soll es deshalb schon nach Ostern eine Fortsetzung geben.

Autor: pm/jg

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