16.03.2017 Vilshofen

Vortrag mit Dr. Karl von Koerber am 19. März in Vilshofen

Wir essen anders! Aber ernähren wir uns auch wirklich gesund?

Frisches Obst und Gemüse ist gesund, das wissen wir. Aber immer mehr Menschen essen stark verarbeitete Lebensmittel.
Foto: Maria Mosolova
Vortrag von Dr. Karl von Koerber aus München: am Sonntag, 19. März (18 Uhr), im Wirtshaus „zur Wurz‘n“ in Vilshofen, Schmalhof 6.

Wir essen anders! Seit vielen Jahren verändert sich unsere Esskultur immer mehr – nicht gerade zum Positiven. Mittlerweile ist Essen nicht „nur“ Nahrungsaufnahme, sondern Lifestyle. Aber wie und was essen wir in der Zukunft? „Esskultur im Wandel der Zeit – Plädoyer für eine neue Ernährungskultur“, lautet der Titel eines vom KGV (Kultur- und Geschichtsverein Vilshofen) organisierten Vortrags von Dr. Karl von Koerber aus München: am Sonntag, 19. März (18 Uhr), im Wirtshaus „zur Wurz‘n“ in Vilshofen, Schmalhof 6. Näheres unter www.kgv-vilshofen.de. Die PaWo sprach vorab mit dem bekannten Ernährungswissenschaftler:

 

Welche Auswirkungen hat unsere Ernährung auf die eigene Gesundheit?

Als Ursache für ernährungsmitbedingte Krankheiten gilt eine übermäßige, hinsichtlich der Hauptnährstoffe Fett, Eiweiß und Kohlenhydrate unausgewogenen Ernährung, die gleichzeitig und bezüglich der lebensnotwendigen Nährstoffe unzureichend ist. Auf der Lebensmittelebene heißt das ein Zuviel an Fleisch, Wurst und Eiern sowie ein Zuviel an stark verarbeiteten fett-, zucker- und salzreichen Nahrungsmitteln. Umgekehrt bedeutet dies ein Zuwenig an gesundheitsfördernden pflanzlichen, gering verarbeiteten Lebensmitteln mit hoher Nährstoffdichte, also mit vielen Vitaminen, Mineralstoffen und sogenannten sekundären Pflanzenstoffen sowie mit reichlich wichtigen Ballaststoffen.

 

Immer mehr Menschen bevorzugen vegetarische oder gar vegane Ernährung. Hat das Vorteile?

Eine überwiegend pflanzliche Ernährung brächte uns große ökologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Vorteile. Aber auch aus gesundheitlicher Sicht ist es vorteilhaft, deutlich weniger Fleisch, Wurst und Eier zu konsumieren, da viele unserer „Wohlstands-Erkrankungen“ im Zusammenhang stehen mit einem zu reichlichen Konsum tierischer Produkte. Eine ausschließlich pflanzliche, also vegane Ernährung, bei der vollständig auf tierische Lebensmittel und Milcherzeugnisse verzichtet wird, ist allerdings gesundheitlich problematisch. Hier können Versorgungsengpässe entstehen – vor allem bezüglich Nährstoffen wie Vitamin B12 und Vitamin B2, aber auch bezüglich Kalzium, Eisen, Zink, Jod, und Vitamin D. Besonders bei Säuglingen und Kindern ist eine Unterversorgung bedenklich. Unser Bedarf an Vitamin B12 kann definitiv nicht durch pflanzliche Lebensmittel gedeckt werden. Bei einer veganen Ernährung werden daher Nahrungsergänzungsmittel oder mit Vitamin B12 angereicherte Lebensmittel oder Zahncremes notwendig. Allerdings wäre das ein Schritt weg von einer angestrebten natürlichen Ernährung.


„Die Kultur des Essens hat sich stark verändert“


Welches sind die fünf Dimensionen einer nachhaltigen Ernährung?

Schon seit den Anfängen an der Universität Gießen in den 1970er und 1980er Jahren hatten wir in studentischen Arbeitskreisen die vier Dimensionen Gesundheit, Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft zugrunde gelegt – regional, national, global. In der aktuellen Weiterentwicklung findet sich auch die Kultur.

 

Was beinhaltet diese fünfte Dimension der Ernährung genau?

Die Kultur des Essens hat sich grundlegend verändert: Ernährung wird immer mehr zur Nebentätigkeit und zum Bestandteil einer „Fremdversorgung“. Im Fokus stehen dabei Nahrungsmittel, deren „Geschichte“ uns selten bewusst ist, etwa wie und wo sie erzeugt, verarbeitet und vermarktet wurden? Welche Zutaten oder Zusatzstoffe enthalten sie? Das heutige durchschnittliche Essverhalten ist durch reichlich tierische Lebensmittel und stark verarbeitete und aufwändig verpackte Produkte gekennzeichnet, teilweise aus dem Ausland importiert. Billige Lebensmittel werden häufig bevorzugt – Herstellung, Herkunft und Qualität spielen da oft eine untergeordnete Rolle.

 

Gibt es eine Gegenbewegung zu dieser bedenklichen Entwicklung?

Erfreulicherweise, ja. Denn diese Entwicklung führt langfristig zu einem Wissens- und Erfahrungsmangel hinsichtlich der Zubereitung von Lebensmitteln. Zudem galt bisher etwa der tägliche Fleischverzehr als Statussymbol. Umgekehrt suchen viele Menschen nach einer Ernährung, die mehr Orientierung, Sicherheit und Transparenz bietet, etwa durch natürliche und traditionelle Lebensmittel. Immer wichtiger wird auch eine „Nachhaltige Ernährung“, also eine Ernährungskultur, die Genuss, Verantwortung und gutes Gewissen miteinander verbindet.

 

Was macht das mit unserer Umwelt, mit der Natur?

Die Menschheit beansprucht heute mehr natürliche Lebensgrundlagen, als die Erde verträgt – vor allem durch den sehr aufwändigen Lebensstil in den reichen Industrieländern. Naturressourcen wie landwirtschaftlicher Boden, sauberes Wasser und saubere Luft werden immer knapper. Die Ernährung trägt – über Erzeugung, Verarbeitung, Vermarktung, Transport, Einkauf und Zubereitung – zur Umweltbelastung bei. Hinzu kommt noch die Entsorgung von Verpackungen und organischen Resten, d. h. das bedenkliche Wegwerfen von noch verzehrfähigen Lebensmitteln – in Deutschland ca. ein Drittel aller Lebensmittel.


Dr. Karl von Koerber
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Außerdem: Der weltweite Klimawandel ist inzwischen ohne Zweifel spürbar. Neben Temperaturanstieg, Erwärmung der Ozeane, Abtauen der Gletscher und Auftauen der Permafrostböden zeigt sich dies auch in der Verminderung der Eisschilde an den Polen und im Anstieg des Meeresspiegels. Der neue Sachstandsbericht des sogenannten Weltklimarates erhärtet die Gewissheit, dass der Mensch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit hauptverantwortlich dafür ist. Deshalb sind die Wirtschaftsweise und der Lebensstil der reichen Länder nicht dauerhaft weiterzuführen, wenn die lebensnotwendigen Umweltressourcen erhalten bleiben sollen. In Deutschland entfallen rund 25 Prozent der Treibhausgase auf den Ernährungsbereich. In den Industrieländern muss deren Ausstoß bis 2050 um etwa 80 bis 95 Prozent gegenüber 1990 sinken!


800 Millionen Menschen sind unterernährt!


Wie sieht es in anderen Ländern aus?

In den wirtschaftlich armen Ländern – im sogenannten „Globalen Süden“ – liegen ganz andere Problemfelder vor. Obwohl ausreichend Lebensmittel für die gesamte Weltbevölkerung von derzeit rund 7,5 Milliarden Menschen erzeugt werden, leben Millionen Menschen in ständiger Unterernährung, nämlich etwa 800 Millionen, das sind zwölf Prozent der Weltbevölkerung. Unterernährung führt jedes Jahr zum Tod von 3,1 Millionen Kindern unter fünf Jahren, das bedeutet, dass jeden Tag 8 500 Kinder sterben, weil sie nicht genug zu essen bekommen. Weit verbreitet ist außerdem ein Mangel an Mikronährstoffen wie Eisen, Jod und Vitamin A mit gravierenden Folgekrankheiten.

 

Ihr Fazit?
Eine natürliche, überwiegend pflanzliche Kost, bestehend aus ökologisch, regional, saisonal und fair produzierten Lebensmitteln mit geringem Verarbeitungsgrad trägt dazu bei, die weltweiten Lebens- und Umweltbedingungen positiv zu beeinflussen.

Info und Anmeldung (unbedingt erforderlich!) bei Halo Saibold unter Tel. 08547/7332.


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