14.03.2017 Regenstauf/Regensburg

Sitzung des Kreisvorstandes

Angeschlagen, aber nicht am Ende: Joachim Wolbergs kämpft weiter!

Joachim Wolbergs, Dr. Christian Eckl
Foto: Archiv uh
Eine beklemmende Stimmung liegt auf der Versammlung, soeben hat der suspendierte Oberbürgermeister der Stadt Regensburg, Joachim Wolbergs, den Raum betreten, er will an diesem Abend den Mitgliedern des SPD-Vorstandes im Landkreis Regensburg Rede und Antwort stehen. Vorsitzender Rainer Hummel hatte Wolbergs am Wochenende signalisiert, er sei jederzeit willkommen.

Und so nahmen ihn die Mitglieder des Kreisvorstandes am Montag, 13. März, in Regenstauf herzlich in ihrer Mitte auf. Für viele war es das erste Mal seit Wochen, den Genossen wiederzusehen, in die Arme zu schließen und ein paar aufmunternde Worte sagen zu können. Viele hatten Wolbergs in die U-Haft Briefe geschrieben, "ich habe jeden drei-, viermal gelesen", berichtet Wolbergs. Das habe ihm gut getan. Auch die vielen positiven Nachrichten nach der Haftentlassung seien eine Wohltat gewesen. Noch fehle ihm die Kraft, an den vielen Sitzungen teilzunehmen und öffentlich aufzutreten, doch er freue sich über jeden, der zu ihm komme und nachfrage. "Wer etwas von mir wissen will, bekommt eine Antwort", sagt der 46-Jährige mit leiser Stimme. Die U-Haft hat ihn mürbe gemacht, und doch erzählt er von seiner Verhaftung, vom Tagesablauf in der Haft, von seiner Entlassung. Er spricht sich vieles von der Seele – "unter Freunden", wie er sagt. Und so zeigte sich Wolbergs offen – er legte die Karten auf den Tisch. Nahm Stellung zu den Vorwürfen.

 

Wolbergs berichtet vor allem, dass er sich wundere, was alles an falschen Dingen in der Zeitung stehe. Weder sei er in der Tiefgarage einer Wohnanlage des Bauträgers Tretzel verhaftet, noch sei er in Handschellen abgeführt worden. All das habe er in Zeitungen lesen müssen – es sei aber falsch! In der Haft, so berichtet Wolbergs, sei er gut behandelt worden, nicht besser, aber auch nicht schlechter als andere Gefangene. Zugang zu Informationen habe er keine gehabt, erst die letzten zwei Wochen konnte er die Süddeutsche Zeitung lesen, die er abonniert hatte. Als Fernsehprogramm stand ihm nur der BR zur Verfügung. Der Tagesablauf zwischen Wecken und Zubettgehen sei wenig abwechslungsreich, man komme viel ins Grübeln und sei dankbar um jeden Brief, der einen erreiche.

 

Als nach sechs Wochen die Haftentlassung im Raum stand, musste Wolbergs seine Sachen schnell packen, sollte das Fax kommen, müsse er schnell die JVA verlassen, um den Fotografen keine Zeit zu geben, ihn "abzuschießen", so der Hinweis durch das JVA-Personal. Das sei gelungen, sagt Wolbergs.

 

Inzwischen ist die Luft zum Schneiden, die Mitglieder des Kreisvorstandes sind entsetzt. Man hat ja so seine Vorstellungen von einem Gefängnis, was es aber wohl wirklich bedeutet, dort „open end“ zu sitzen, ist kaum nachvollziehbar. „Jeder Mörder dort hat ein Ziel, wann die Haftentlassung ansteht, ich hatte keines ...“, sagt Wolbergs.

 

Nicht unerwähnt wollte Wolbergs die Vorgänge rund um den Redaktionsleiter des Wochenblattes, Dr. Christian Eckl, lassen. "Stellt Euch vor, man hätte meine Gespräche mit einem SZ-Redakteur abgehört und würde nun gegen diesen so vorgehen, wie man es gegen Herrn Eckl tut, der Aufschrei nach der Pressefreiheit wäre groß", sagt Wolbergs. Aber da es sich "nur um ein Anzeigenblatt", wie viele so gerne sagen, handelt, werde hier geschwiegen. Er selbst sei auf Christian Eckl zugekommen, habe ihm Unterlagen angeboten. Das Wochenblatt sei das einzige Medium gewesen, das ihn nicht vorverurteilt habe. Er habe keinen anderen Weg mehr gesehen, die falschen Dinge, die berichtet wurden, ins richtige Licht zu rücken.

 

Wolbergs machte dem Kreisvorstand deutlich, dass er kämpfen werde. Polizei und Staatsanwaltschaft hätten nur nach belastenden Dingen gesucht, er habe nun Zeit, die Dinge herauszusuchen, die ihn entlasten. Einiges habe er dabei bereits zusammengetragen. Denn eines haben die Ermittlungsbehörden bislang nicht geschafft: ihn zu brechen! Wolbergs will kämpfen, für sich, für das Amt und für die Stadt Regensburg. Wie lange dieser Kampf dauert, ist aktuell nicht absehbar. In vielen der anwesenden Genossen aber hat Wolbergs Menschen zur Seite, die zu ihm stehen und diesen Kampf mit ihm mitgehen werden.

 

(Anmerkung: Die Autorin war am Montagabend selbst bei der Sitzung in Regenstauf anwesend.)

Autor: Ursula Hildebrand

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