16.03.2017 Regensburg/Giengen

Steinwurf auf der A7

Hochzeitsfeier bei Regensburg endet für Familie tragisch – jetzt beginnt der Prozess

Gericht Justiz Verhandlung Prozess
Foto: Jürgen Unterhauser
Auf dem Rückweg von einer Hochzeit passierte es: Eine vierköpfige Familie verunglückt auf der Autobahn A7 bei Giengen schwer, jetzt steht derjenige vor Gericht, der den Stein auf die Autobahn geworfen hatte, gegen den das Auto der Familie prallte.

Der 37-Jähriger Angeklagte verweigerte zu Beginn des Prozesses vor dem Landgericht Ellwangen jede Aussage, berichtet sie Heidenheimer Zeitung am Donnerstag, 16. März. Der mutmaßlichen Steinewerfer, der in einem Zentrum für Psychiatrie untergebracht ist, wird erst aktiv, als der Familienvater ausagt. Letztlich droht er, sich eine Waffe zu besorgen, wenn er wieder aus dem Gefängnis kommt. Der Richter schreitet ein, lässt dem Angeklagten wieder Handschellen anlegen.

 

Für die verunglückte Familie war es bis zum Unfall eine glückliche Zeit. Sie hatten bei einer Hochzeit im Raum Regensburg mitgfeiert, waren auf dem Heimweg, als das Drama seinen lauf nahm. Noch heute, Monate nach dem Unfall leidet die Familie an den körperlichen und seelischen Folgen dieser Nacht.

 

Der Prozess wird am Dienstag, 21.März, fortgesetzt.

 

Hintergrund: Die Pressemeldung der Polizei vom 25. September 2016

Tatort war die Autobahn A7 zwischen den Anschlussstellen Heidenheim und Giengen/Herbrechtingen. Der Täter hielt sich gegen 1.45 Uhr auf Höhe von Giengen auf einer Brücke auf, die über die A7 führt. Von dort warf er einen mehrere Kilogramm schweren Betonplasterstein auf die Fahrbahn.

 

Ein in Richtung Ulm/Kempten fahrendes Auto überrollte den Stein. Das Fahrzeug geriet ins Schleudern und überschlug sich an einer Böschung. In dem Citroen befand sich eine vierköpfige Familie. Die 25-jährige Beifahrerin erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Ein sechsjähriges Mädchen zog sich schwere Verletzungen zu. Der 33-jährige Fahrer und ein Vierjähriger kamen mit leichteren Verletzungen davon. Notärzte, Rettungskräfte, Feuerwehr und Polizei waren mit zahlreichen Kräften im Einsatz. Die Polizei leitete unmittelbar nach der Tat umfangreiche Fahndungsmaßnahmen ein, zahlreiche Streifenfahrzeuge und ein Polizeihubschrauber waren beteiligt. Die Autobahn musste zeitweise in beide Fahrtrichtungen voll gesperrt werden. Der Verkehr in Richtung Ulm/Kempten musste bis gegen 5 Uhr umgeleitet werden.

 

Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei haben Ermittlungen wegen einem versuchten Tötungsdelikt eingeleitet und eine Ermittlungsgruppe eingesetzt. Nach derzeitigem Ermittlungsstand stammt der Betonpflasterstein von einem in der Nähe der Autobahn befindlichen Lagerplatz. Der Täter hat ihn von dort zu der Autobahnbrücke geschafft, wo er ihn auf die Fahrbahn warf.

 

Ob der Stein unmittelbar vor dem betroffenen PKW auf der Fahrbahn aufschlug oder ob er bereits kurze Zeit auf der Fahrbahn lag, konnte bislang nicht sicher geklärt werden. Laut Zeugen soll ein unbekanntes Fahrzeug eine Ausweichlenkbewegung gemacht haben, kurz bevor der Citroen gegen den Stein geprallt war. Die Polizei sucht hierzu dringend Zeugen. Ebenso alle Verkehrsteilnehmer, die zwischen 1.30 und 1.45 Uhr die Stadt Giengen auf der A7 passierten und Wahrnehmungen gemacht haben, die in einem Zusammenhang zu der Tat stehen könnten. Wer hat in dieser Zeit Personen oder Fahrzeuge auf der Autobahnbrücke oder in der Nähe der Autobahn bei Giengen festgestellt? Wer kann Angaben zu Personen machen, die in der Nacht im Raum Giengen unterwegs waren und bei denen es Anhaltspunkte für ein verdächtiges Verhalten gibt?

 

Am 26. September teilte die Polizei mit, dass nun eine Sonderkommission ermittelt. Am 29. September kam dann die Nachricht, dass der mußmaßliche Täter gefasst ist.

 

Autor: Ursula Hildebrand / pm