04.01.2017 Regensburg

Spendenaffäre

Jetzt wehrt sich Tretzel und klagt gegen die ,Süddeutsche Zeitung'

Die Wohnanlagen von Volker Tretzels BTT gelten als hochwertig verarbeitet und gut gestaltet.
Foto: pm /
Der BTT-Chef und Jahn-Mäzen Volker Tretzel ist sauer: "Ich lasse mir das nicht mehr einfach so gefallen", sagt er zum Wochenblatt. Hintergrund ist seine Klage gegen die Süddeutsche Zeitung und die BR-Sendung quer im Zusammenhang mit der Spendenaffäre.

Ohne den Bauunternehmer Volker Tretzel wäre der Jahn wohl längst pleite. Doch aus diesem Umstand wird im Zusammenhang mit der sogenannten Spendenaffäre ein Strick gedreht – vor allem die Süddeutsche Zeitung versucht derzeit, aus dem Bauträger einen eigennützigen Millionär zu machen, der nur für sich, nicht aber für die Stadt arbeitet. Jetzt wehrt sich der Bauunternehmer – er hat Klage eingereicht gegen die SZ. Unserer Zeitung liegt der Klagesatz vor.
Darin geht es einem SZ-Artikel über die Vergabe der Nibelungenkaserne, der am 8. November 2016 erschien: „Obwohl die Stadtverwaltung das Angebot der Firma Tretzel nur als viertbestes einstufte, bekam Tretzel den Zuschlag.“


Natürlich wird man da als Regensburger stutzig: Tretzel ist nur der Viertbeste, bekommt aber den Zuschlag für alle drei Lose im Nibelungenareal? Wie kann das gehen? Eben so: Die Aussage stimmt gar nicht.


Tretzels Anwanlt sieht das anders: Es handelte sich demnach um eine reine Aufzählung. Dennoch ist die Tatsachenbehauptung kaum mehr aus der Welt zu schaffen. Pikant ist auch, dass die Geschäftsführerin des Werkvolks bei ihrer Vernehmung bei der Kriminalpolizei am 24. August 2016 aussagte, bei der ersten Ausschreibung des Nibelungenareals, die noch vor der OB-Wahl 2014 stattfand, habe ihr der damalige Oberbürgermeister Hans Schaidinger versprochen, das Werkvolk würde die Sozialwohnungen auf dem Areal bauen dürfen.


Pikant ist das deshalb, weil damals für den Höchstbietenden ausgeschrieben wurde. Die neue Rathaus-Koalition hatte die Ausschreibung aber aufgehoben, auch mit Stimmen der CSU. Hatte man dem Werkvolk etwas versprochen, was man nicht halten konnte?


Stimmt die Behauptung also, das Werkvolk sei der bessere Bieter gewesen für die Sozialwohnungen?
Lediglich die Vorlage für die Stadträte, die am 23. Oktober 2014 über die Vergabe entschieden, schafft Klarheit. So seien die Angebote wegen der Nebenkosten schwer zu vergleichen. Das Bauteam Tretzel ist zwar beim Preis etwas höher, bei den Nebenkosten aber deutlich niedriger. Darum kommt das Liegenschaftsamt zu folgendem Schluss: „Es wird vorgeschlagen, WA1, WA2 und WA4 an BTT zu verkaufen.“ Von einer Reihung also keine Spur – Tretzel war bester Bieter. Pikant ist auch: Die Matrix der Angebote zeigt für das Werkvolk gar keine Verkaufspreise für die Eigentumswohnungen.


Tretzel meint eindeutig den Rennplatz
Am Freitag, 23. Dezember, legte die „Süddeutsche Zeitung“ dann nach. „Kann das wirklich sein: Baugrund im Gegenzug für die Unterstützung eines Fußballvereins?“, fragt die SZ. Und bezieht sich in weiten Teilen auf die Nibelungen-Vergabe. Klar: Nach Informationen des Wochenblattes steckte Tretzel in den vergangenen Jahren fast zwölf Millionen Euro in den Verein – netto, mit Steuerlast sind es tatsächlich 16 Millionen.


Jetzt ist ein Schreiben Tretzels aufgetaucht, das auch dem Wochenblatt vorliegt. Bei dem Schreiben ging es aber um die Umwidmung des Areals Rennplatz Nord in Wohn- statt Gewerbebebauung – nicht um die Nibelungenkaserne.
Die Stadtverwaltung kam auf die Idee, von Tretzel statt der vorgeschriebenen Quote von 20 Prozent sozialem Wohnbau 50 Prozent zu verlangen. Tretzel lehnte das ab. Wörtlich schrieb er: „Nebenbei darf ich anmerken, dass ich seit zehn Jahren etwa 40 Prozent des Nettoeinkommens von BTT für den Jahn ausgebe. (...) Die vom Jahn zusätzlich von mir mindestens benötigten 1 Million Euro jährlich sind in den nächsten Jahren mit WA1 und WA2 alleine nicht zu erwirtschaften.“ Tretzel meint offenbar den Rennplatz, denn auch dort gibt es WA1 und WA2, wie in der Nibelungenkaserne. Doch mit solcherlei Zweifel hält sich die „SZ“ nicht lange auf: „Auf dem Nibelungenareal hatte die Firma Tretzel, der größte Geldgeber des SSV Jahn, im Jahr 2014 drei Bauabschnitte von der Stadt erworben. (...) Das Schreiben legt nun nahe, dass die Stadt nach dem Verkauf des Areals von der Firma Tretzel verlangte, auf dem dritten Bauabschnitt weitere Forderungen beim sozialen Wohnungsbau zu erfüllen“, so die SZ. Auch dagegen will der Jahn-Mäzen nun medienrechtlich vorgehen. Zwar findet sich das Schreiben nach Informationen des Wochenblatts auch in den Ermittlungsakten – es trägt aber keinen Eingangsstempel der Stadt.


Der Grund: Tretzel hatte das an Baureferentin Christine Schimpfermann und Wirtschaftsreferent Dieter Daminger gerichtete Schreiben niemals abgeschickt. Und was beweist ein nicht abgeschickter Brief-Entwurf eigentlich?
Gegenüber dem Wochenblatt kündigte Tretzel auch an, dass er das Gewerk WA4 auf dem Nibelungen-Areal zurückgeben wird, „wenn es einen Bauträger gibt, der die dort entstehenden 300 Sozialwohnungen günstiger baut als wir – natürlich mit den selben Standards.“


Das Wochenblatt hat bei der Süddeutschen Zeitung nachgefragt, wie man sich die Diskrepanz zwischen Berichterstattung und den Dokumenten erklärt. Der Bayern-Chef der sogenannten Qualitätszeitung, Sebastian Beck, antwortete kurz und knapp, „dass wir Ihnen grundsätzlich keine Fragen zu unseren Recherchen beantworten“.

Bewertung der Vergabe Nibelungenkaserne an BTT: "Bester Bieter"
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Bewertung der Vergabe Nibelungenkaserne an BTT: "Bester Bieter"

Darum geht es im Streit Tretzels mit der SZ

 

Der sogenannte Spendenskandal ist zwischenzeitlich kompliziert. Wir erklären die Hintergründe der aktuellen Debatte um ein Schreiben, das aufgetaucht ist.
 
• Volker Tretzel entwarf am 23. November 2015 einen Brief an Wirtschaftsreferenten Dieter Daminger und Baureferentin Christine Schimpfermann. Dieses betrifft nicht das Areal in der Nibelungenkaserne, sondern die Umwidmung des Rennplatzes Nord von Gewerbe- in Wohnbebauung.
 
• Schimpfermann und Daminger hatten Tretzel aufgefordert, dort 50 statt der vorgeschriebenen 20 Prozent sozialen Wohnbaus umzusetzen. Tretzel lehnte das in seinem Schreiben ab.
 
• Das Schreiben wurde nie abgeschickt. Ob es der SZ tatsächlich vorlag, ist unklar – Teil der Ermittlungsakte ist jedenfalls der von der SZ zitierte Absatz nicht. Es gehört wohl zum bei Tretzel sichergestellten Material. Das in den Ermittlungsakten beinhaltete Schreiben ist mit Streichungen versehen, es trägt keinen Eingangsstempel von der Stadt – und auch der Jahn-Absatz lautet hier ganz anders: „Nebenbei darf ich anmerken, dass ich seit 10 Jahren etwa 40 % des Nettoeinkommens von BTT für den Jahn ausgebe. Dieses Engagement beruht nicht darauf, dass ich mich für Fußball interessiere, sondern auf Bitte der damaligen Stadtspitze, um eine (sic!) Konkurs des Jahn zu verhindern.“
 
• Fraglich ist: wie kam ein Schreiben, das nicht in den Akten ist, aber auch nicht abgesandt wurde, überhaupt an die „SZ“?
 
• Offenbar fälschlich wird mit dem Schreiben in der „SZ“ auch die Vergabe an Tretzel für die drei Gewerke in der Nibelungenkaserne in Verbindung gebracht. Doch die Vergabe erfolgte am 23. Oktober 2014, ein Jahr vor dem Schreiben.
 
• Die fälschliche Behauptung, Tretzel sei nicht der beste Bieter im Nibelungenareal gewesen, hat auch die Geschäftsführerin des Werkvolks Amberg, die mit Bauteam Tretzel um die Vergabe von zwei der drei Gewerken in der Nibelungenkaserne wetteiferte, aufgestellt. In der Sendung „quer“ des Bayerischen Rundfunks wird sie auch mit der Behauptung zitiert, das Werkvolk sei an erster Stelle gelandet, Tretzel dagegen nur an vierter.
 
• Tretzel geht auch gegen diese Berichterstattung vor.

 

• Im Wahlkampf unterstützte die Werkvolk-Geschäftsführerin auch den CSU-Kandidaten Christian Schlegl. Allerdings nicht mit Spenden, Genossenschaften dürfen nicht spenden. Zeitungsartikel zeigen Schlegl mit der Geschäftsführerin 2013.
Autor: Christian Eckl

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