19.12.2016 Regensburg

Tabuthema

Mehr als tausend Mal wandten sich pädophil veranlagte Menschen an Ambulanz

Aus einer Kampagne "Kein Täter werden" für Pädophile
Foto: Pressematerial
"Kein Täter werden" heißt ein Projekt für Männer, die sich zu Kindern hingezogen fühlen, an der Uni Regensburg. Mehr als 1.000 Mal wurden die Wissenschaftler seit 2010 kontaktiert – die Stelle soll verhindern, dass potentiell pädophile Männer Kinder missbrauchen.

Seit 2010 besteht das Projekt „Kein Täter werden“ in der Sexualwissenschaftlichen Ambulanz Regensburg. Menschen, die sich sexuell von Kindern und Jugendlichen angesprochen fühlen und sich nicht in einem juristischen Verfahren befinden, können dort kostenlos und unter Schweigepflicht Hilfe erhalten. Ende 2015 wurde dieses Angebot mit der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Sozialstiftung Bamberg um einen Nebenstandort in Bayern ergänzt. Im Rahmen des Netzwerks „Kein Täter werden“ erfolgten in den Standorten Regensburg und Bamberg so bislang 1037 Kontaktaufnahmen. Insgesamt wurden 270 diagnostische Erstgespräche mit den Betroffenen geführt.


Ursprünglich wurde das Projekt 2005 am Sexualmedizinischen Institut der Berliner Charité initiiert. Ziel des Präventionsprojektes besteht darin, die Betroffenen zu einem mündigen Umgang mit ihrer sexuellen Präferenzstörung zu befähigen, sie in ihrem Leidensdruck zu unterstützen und ihnen zu einer hohen (Selbst-)Kontrolle ihres sexuellen Verhaltens zu verhelfen. Durch die therapeutische Behandlung sollen sexueller Kindesmissbrauch und die Nutzung von Missbrauchsabbildungen bereits im Vorfeld verhindert werden.
Zwischen September 2010 und Oktober 2016 erfolgten so bislang allein in Bayern 1037 Kontaktaufnahmen. Bundesweit haben sich bis Ende September 2016 insgesamt 7.075 Menschen Hilfe suchend an das Präventionsnetzwerk gewendet (wovon insgesamt 659 Teilnehmer die Therapie begonnen und 251 erfolgreich abgeschlossen haben).


Weitere Standorte befinden sich in Berlin, Düsseldorf, Gießen, Hamburg, Hannover, Kiel, Leipzig, Main, Stralsund und Ulm. Für Interessenten, die aufgrund zu weiter Anreisewege keine Diagnostik und Therapie an einem der Standorte in Anspruch nehmen können oder bei denen Faktoren vorliegen, die eine Aufnahme in das Therapieprogramm zumindest vorerst verhindern (z.B. schwere psychische Störungen, Substanzabhängigkeit etc.), werden den Gegebenheiten angemessene Therapiealternativen vermittelt.


Um eine effektive Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch auch in Zukunft bewerkstelligen zu können, streben wir auch in den kommenden Jahren eine möglichst flächendeckende Versorgung von Menschen mit pädophilen Neigungen an.
 

Autor: ce/Pressemitteilung

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