28.08.2017 Regensburg

Prozess

Vergewaltigung? Oder doch nicht? Zweifel an Schilderung des Opfers von Kumpfmühl

Ein 24-jähriger pakistanischer Flüchtling muss sich seit Mittwoch, 23. August, wegen Vergewaltigung vor dem Landgericht verantworten. Er soll eine 46-jährige Frau am Neujahrsmorgen in Kumpfmühl vergewaltigt haben.
Foto: ce
Der Prozess gegen einen 25-jährigen Pakistani wegen Vergewaltigung dauert an. Eigentlich wollte die Strafkammer unter Richter Georg Kimmerl am vergangenen Freitag ein Urteil fällen, doch neue Zeugen müssen vernommen werden.

Der Mann gestand zwar, am Neujahrsmorgen eine damals 46-jährige Regensburgerin sexuell bedrängt zu haben. Doch ob seine Tat als Vergewaltigung gewertet werden kann, ist fraglich: Das Gericht muss die Frage klären, ob der Mann mit den Finger in den After der Frau eingedrungen ist.


Zentrale Zeugin ist natürlich die Frau selbst. Sie schilderte das, was an jenem Morgen geschehen ist, ruhig und absolut glaubwürdig im Gerichtssaal. Die heute 47-Jährige ist eine zierliche Frau mit Regensburger Akzent, auf der Straße würde sie nicht sonderlich auffallen. Sie ist die Frau von nebenan, die nichts weiter wollte an jenem Morgen, als ihren Dienst anzutreten – an einem Feiertag zu einer Zeit, zu der andere schlafen.


„Ich war auf dem Weg zur Arbeit, als mir in Kumpfmühl auf Höhe des Unterwäschegeschäfts ein Mann den Weg versperrte“, schilderte sie mit leiser, aber fester Stimme. „Ich bin links ausgewichen und habe gesagt: Schleich dich! Ich bin so schnell wie möglich weg“, setzte sie im Zeugenstand fort. Doch einige Meter weiter habe der der Mann sie „von hinten gepackt, den Mund zugehalten und dann hat er mich in einen Wohneingang gezerrt“, so die Frau. Sodann schilderte sie dem Gericht ein Detail, um das sich der Prozess dreht - den Überfall auf die Frau hat der Pakistani bereits eingeräumt. Doch führte er seinem Opfer gewaltsam einen Finger in den After ein? Das wertet die Staatsanwaltschaft nämlich als Vergewaltigung, anders als sexuelle Belästigung ist dieser Straftatbestand mit mindestens zwei Jahren zu ahnden. Die Zeugin sagt mit fester Stimme: „Dann ist er mit der Hand in meinen Slip und mit dem Finger in meinen After eingedrungen!“ Das Eindringen sei „ruckartig“ geschehen. „Das war ein richtiger Stoß und das hat weh getan. Mir ist das wie eine Ewigkeit vorgekommen!“, schilderte die Frau weiter vor Gericht.


Obwohl ihr der Mann gewaltsam den Mund zuhielt sie biss sich so fest auf die Lippe, dass sie im Spiegel später ein blutverschmiertes Gesicht sah, so das Opfer –, konnte sie schreien, eine Anwohnerin hörte sie. „Ich habe geplärrt, so gut wie es ging“, sagte die Frau. „Gott sei Dank hat mich jemand gehört!“ Da habe der Mann von ihr abgelassen, die Anwohnerin, die Schlimmeres verhindert hatte, hatte gleichzeitig die Polizei gerufen. Auf der anderen Seite der Straße hatte sich der Mann zwischenzeitlich aus dem Staub gemacht, konnte aber wenig später noch in Kumpfmühl dingfest gemacht werden.

 


Schlimm genug: Die Frau berichtete, dass sie seit der Tat Angstattacken hat. „Ich schlafe schlecht, ich bekomme oft Panik, gerade auf dem Weg zur Arbeit“, schilderte sie. Widersprüche gab es trotzdem. So soll die Frau zunächst bei der Polizei ausgesagt haben, sie hätte keine Schmerzen. Jetzt beschrieb sie das Eindringen in den Körper als schmerzhaft. Was stimmt denn nun? Die Anwälte des Angeklagten meldeten erhebliche Zweifel an der Version an, dass der Angeklagte in die Frai eingedrungen sei. Weitere Zeugen sollen nun im September vernommen werden.

 

Vor allem die Aussage der vernehmenden Polizeibeamtin ließ Zweifel aufkommen, ob die Tat tatsächlich so abgelaufen ist, wie das Opfer sie beschrieben hat. Denn dort habe die Frau lediglich äußerliche Manipulationen berichtet. So schlimm auch diese sind: Juristisch geht es nun darum, ob ohne jeden Zweifel ein Eindringen in den Körper ausgeschlossen werden kann oder nicht. In zwei weiteren Verhandlungstagen soll diese Frage nun geklärt werden. Der Prozess wird am 11. September fortgesetzt. 

 

Offenbar ist nun doch nicht klar, ob der Mann aus einer Flüchtlingsunterkunft in München angereist war oder nicht. Jetzt schilderte ein Kripo-Beamter, der Mann arbeite zwischenzeitlich auf 450-Euro-Basis in einem Lokal und habe an diesem Tag auch in Regensburg bis 23 Uhr gearbeitet. Dann sei er in der Alten Filmbühne auffällig geworden, weil er Frauen angegrabscht habe, habe man ihn des Lokals verwiesen. Es sei in dieser Nacht so schlimm gewesen "wie noch nie", schilderte der Mann im Zeugenstand. Hätte man erahnen können, was später geschah?


Übrigens setzte sich ihre Anwältin nicht mit dem Antrag durch, die Öffentlichkeit auszuschließen. Um der Frau den Anblick ihres Peinigers zu ersparen, wurde er einige Meter hinter sie gesetzt, einer seiner zwei Verteidiger setzte sich vor ihm, so dass ihr Blickkontakt erspart blieb. Der Angeklagte indes wollte sich bei der Frau entschuldigen, doch die lehnte das ab. „Soetwas kann man nicht entschuldigen“, sagte ihre Anwältin.

Autor: Christian Eckl

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