18.06.2012 Regensburg

Adel:

Ein Fürst, keine Hochzeit, aber ein Sponsor für den Lamborghini


Foto: Christian Eckl
Schon witzig: Sein Vorfahre Albert I. ließ sich noch mit Chauffeur durch Regensburg fahren (und huldigen), war mit einer österreichischen Kaisertochter verheiratet (die übrigens sehr beliebt war), sponserte aber gleichzeitig die Notstandsküche. Sein Nachfahre, Albert II., genannt Fürst von Thurn und Taxis, tut dies zwar auch – hat aber, sicher ein Novum in der Geschichte des Adelsgeschlechts, selbst einen Sponsor. Am Montagnachmittag war großer Bahnhof in der Maxstraße, denn Albert fuhr seinen Reiter Lamborghini zwecks Werbefilm-Dreh einmal um die Kurve.

Albert hält es übrigens wie die Queen und der Papst: „Ich entschuldige mich dafür, dass Interviews mit den Printmedien angekündigt waren, aber ich gebe grundsätzlich keine Interviews mit Zeitungen, Sie können sich denken, warum", sagte der großgewachsene, mittlerweile sehr schlanke und sportliche Fürst mit erkennbar guten Manieren. Weil Albert aber offenbar ein richtiger Kumpel-Typ ist, ließ er sich trotzdem zahlreiche Mikrofone und Kameras vors Gesicht halten, lächelte nicht nur, sondern war auch richtig witzig – und auch die Redakteure und Mitarbeiter der Printmedien durften fragen. „Aber nur über den Motorsport und nichts Privates", forderte Albert auf. Gehalten haben sich die Journalisten natürlich wieder mal nicht dran. Etwas schwierig war es aber doch, in die Fragen immer wieder Alberts heiß geliebten Motorsport einzubauen.

 

„Nächstes Jahr werden sie 30", fragte eine Journalistin, „was ändert sich?" – „nicht viel, außer, dass ich nächstes Jahr wahrscheinlich noch weniger Haare haben werden", witzelte Albert. „Wann übernehmen Sie denn in Regensburg das Ruder?", wurde gefragt – worauf der Fürst erwiderte: „Die Mama ist wahnsinnig tüchtig, deshalb mach' ich noch meine eigenen Sachen, so nach dem Motto: Viele Köche verderben den Brei. Die ehrliche Antwort ist: Ich frage mich das auch oft, wann der Zeitpunkt kommt, ist weiß es aber nicht!"

 

„Wann wird Regensburg denn eine fürstliche Hochzeit erleben?", lautete eine andere Frage, die nun wirklich nichts mit Alberts Leidenschaft – dem Motorsport – zu tun hatte. Albert kicherte, sagte dann: „Ich glaube, da müssen Sie sich noch etwas gedulden!"

 

Sympathisch ist er, der Fürst, eigentlich wirkt er auch sehr umgänglich, mit besten Manieren und dabei auch noch charmant. Es wird sich zeigen, ob es ein Glücksfall war, dass seine Mutter in den letzten Lebensmonaten ihres Gatten Fürst Johannes noch verhinderte, dass er eine Stiftung aus dem Vermögen des Hauses machte. Sie hat, ganz Mutterinstinkt, das Vermögen für ihren Sohn bewahrt und seither den einstigen Hofstaat, an dem auch viele Regensburger wirtschaftlich hingen, zum international erfolgreichen, aber auch blutleeren Konzern gemacht. Es gibt aber auch Leute, die behaupten, Gloria hat das Fürstenhaus vor dem finanziellen Desaster nach dem Tod ihres Mannes bewahrt. Heute jedenfalls ist Albert ein Milliardär, der sich auf internationalem Parkett sicher bewegt und bei sich zuhause, in Regensburg, am liebsten in Ruhe gelassen wird.

 

Und jetzt hat der Fürst also einen Sponsor. Die Firma InterNetX dürfte zwar vielen in Regensburg nicht bekannt sein, das liegt aber nicht an der Bedeutung des Unternehmens. Was früher einmal mächtige Verlage und Zeitungen waren, sind zunehmend Firmen, die das Fell des weltweiten Netzes unter sich aufteilen. InterNetX ist eines der Unternehmen, die das wilde Gemetzel der „New Economy"-Blase nach anfänglicher Goldgräberstimmung und anschließender Ernüchterung überlebt haben. Die Regensburger Firma hostet Internet-Domains, hat davon insgesamt 3,6 Millionen im weltweiten Netz, hat offenbar erfolgreich auf die Verlagerung von Daten ins Internet reagiert und, noch wichtiger, sitzt in der Domain (also Seiten)-Vergabestelle von Ländern wie Deutschland (mit der Endung .de), aber auch England, Italien, Frankreich und Dänemark sowie in der Schweiz, in Österreich und zahlreichen anderen Ländern rund um den Globus. Zu deutsch: Was Alberts Familie vor vielen hundert Jahren und aufgrund der adeligen Herkunft getan hat, nämlich ein Postsystem aufzubauen, das machen die Leute von InterNetX heute in der virtuellen Welt: Poststationen – also Homepages – einrichten.

 

Nur da ist es umgekehrt: Die Inhalte werden geliefert, sie stellen den Postkasten zur Verfügung. Und bei aller kumpelhaften Art, die der Fürst am Montag im Hotel Karmeliten an den Tag legte: Seine Familie roch immer förmlich, wo es die nächste Goldmine zu entdecken gibt. Scheint so, als habe das Gen die Jahrhunderte auch bei Albert überdauert … 

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Autor: Christian Eckl

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