12.12.2011 Regensburg

Podiumsdiskussion zur umstrittenen Präimplantationsdiagnostik


Die Präimplantationsdiagnostik bietet die Möglichkeit gefährdeten Paaren das Leid einer Tot- oder Fehlgeburt zu ersparen. Allerdings macht sie es auch möglich, eine Art „Designer-Babys” zu erstellen – was bisher in Deutschland noch verboten ist. Zu eben diesem Thema veranstaltete der Verein „Junges Deutschland” eine Diskussionsrunde.

Am Donnerstag, 8. Dezember, fand im H2 der Universität Regensburg eine Podiumsdiskussion zum umstrittenen Thema „Präimplantationsdiagnostik – Wohltat oder Plage?” statt. Die studentische Vereinigung „Junges Europa” lud hierzu sechs Vertreter aus Politik, Medizin und Theologie ein. 

 
Die Präimplantationsdiagnostik (PID) beschäftigt sich mit der Untersuchung, ob ein in-vitro erzeugter Embryo in die Gebärmutter eingepflanzt werden soll oder nicht. Somit sollen Erbkrankheiten, Tot- und Fehlgeburten vermieden, aber auch Babys als Organspender, sogenannte „Retterbabys”, oder bestimmten genetischen Eigenschaften entsprechende Kinder erzeugt werden. Dieses Verfahren ist sowohl ethisch als auch politisch umstritten und in den Ländern per Gesetz geregelt. In Deutschland darf die PID lediglich in Ausnahmefällen zur Vermeidung von Erbkrankheiten, Tot- und Fehlgeburt eingesetzt werden.
 
Bei der Untersuchungsmethode müssen mehrere Embryos hergestellt werden, von denen dann maximal zwei in die Gebärmutter eingepflanzt werden können. Besonders dieser ist einer der Gründe, weshalb sich Prof. Dr. Herbert Schlögel vom Lehrstuhl für Moraltheorie sowie CSU-Politiker Johannes Singhammer entschieden gegen die PID aussprechen. „Jeder Embryo ist schützenswert”, empörte sich Schlögel und beide warfen die Fragen auf, ab wann eine Krankheit als so schwerwiegend eingestuft werden darf, dass ein Leben als nicht mehr lebenswert gilt.
 
FDP-Politikerin Ulrike Flach und Angelika Graf von der SPD haben sich bei der Abstimmung im Bundestag für die PID ausgesprochen. Graf erachtet die Möglichkeiten, gefährdeten Paaren das Leid einer Fehlgeburt zu ersparen als durchaus positiv. Flach, die dank ihres Amtes im Gesundheitsministeriums gut mit der Thematik vertraut ist, griff die viel diskutierte Fragestellung, welche Krankheit als schwerwiegend eingestuft werden kann, auf und rechtfertigte das Fehlen eines Kriterienkataloges damit, dass lediglich die individuelle Abstimmung vor einer Ethikkommission jedem gerecht werden kann.
 
Dr. Ute Hehr vom Zentrum für Humangenetik betonte außerdem, dass es sich bei diesem Verfahren um einen „sehr harten Weg” handle, da viele Krankheiten nicht erkannt werden können und lediglich 30% der Frauen schwanger würden. 
Die Präimplantationsdiagnostik ist ein kontroverses Thema, das viele Fragen aufwirft. „Junges Europa” hat durch ihre Diskussionsrunde die Zuhörer zumindest dazu angeregt, sich Gedanken über dieses Verfahren und das Leben im Allgemeinen zu machen.
Autor: Carina Freundl

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