15.03.2017 Bayerbach

Hobbymalerin

Herzkrank aber tapfer: „Ich male mir das Leben schön"

Andrea MIedl
Foto: Holger Becker
Andrea Miedl ist schwer herzkrank, laut Ärzten müsste sie seit drei Jahren schon tot sein. Kraft schöpft sie aus ihrem Hobby, der Malerei. Ab 17. März stellt sie im Klosterhof Asbach ihre Werke aus.

Das Leben meinte es mit Andrea Miedl zuletzt nicht immer gut: Vor drei Jahren erlitt die heute 52-Jährige einen Herzinfarkt, in der Folge wurde bei ihr eine schwere Herzerkrankung festgestellt. „Damals meinten die Ärzte, ich hätte noch höchstens drei Monate zu leben. Aber ich bin heute noch da“, sagt die gebürtige Schöllnacherin. Kraft gibt Andrea Miedl die Kunst: „Ich male mir mein Leben schön“, lächelt sie. Jetzt stellt sie ihre Werke im Klosterhof Asbach bei Rotthalmünster aus.

 

Viele Jahre war Andrea Miedl ehrenamtlich und zuletzt auch berufstätig für andere Menschen da, heute ist sie oft selbst auf Hilfe angewiesen. „Ich habe viele Jahre beim BRK in Deggendorf und beim Kreisverband Passau in der Altenpflege gearbeitet, 30 Jahre davon ehrenamtlich. In Schöllnach habe ich zusammen mit Pfarrer Konrad Bittmann die Hospizvereinigung ins Leben gerufen“, blickt sie zurück.

 

Vor sieben Jahren lernte sie nach ihrer Scheidung ihren zweiten Mann kennen und zog nach Bayerbach im Rottal. Doch als sie vor drei Jahren gerade mit einer Ärztin und einer Schwester im Stationszimmer des Altenheims eine Besprechung hatte, sank sie plötzlich zusammen. „Ich sagte noch Herzinfarkt und 110“, erinnert sie sich. Mit dieser Diagnose lag sie richtig. Sie wurde ins Krankenhaus Rotthalmünster gebracht, verbrachte Wochen auf Reha. „Aber mein Zustand besserte sich nicht wirklich“, war sie verzweifelt.

 

Ein Kardiologe in Eggenfelden schließlich diagnostizierte bei ihr die Herzkrankheit HOCM, die unter anderem Auslöser für den sogenannten Sekundentod ist. Andrea Miedl kam in eine Spezialklinik in Bad Oeynhausen, wo man ihr mitteilte, dass eine eigentlich notwendige Operation am Herzen für sie zu risikoreich wäre. „Sie gaben mir nur noch Wochen, höchstens drei Monate zu leben“, traf es sie wie ein Schlag.

 

Heute, drei Jahre später, lebt die 52-Jährige aber noch immer. „Die Ärzte können sich nicht erklären, warum ich noch so fit bin“, sagt sie. Wobei fit relativ ist: Andrea Miedl bekam einen Herzschrittmacher und einen Defi eingesetzt, längeres Gehen ist nicht mehr möglich, diese kann sie nur im Rollstuhl zurücklegen. In Folge der Krankheit und der acht Operationen hatte sie zwei Magentumore und eine Speiseröhrenentzündung. „Aber mei, ich leb noch“, hadert sie nicht mit ihrem Schicksal.

 

Den Grund dafür, dass sie entgegen der Prognosen der Ärzte noch immer am Leben ist, sieht sie selbst in ihrem „niederbayerischen Sturschädel“ und in ihrer positiven Haltung: „Ich bin über jeden Tag froh, den ich noch erleben darf.“
Auf einer Reha sah ein bekannter Kirchenmaler in Bayerisch Gmain eine ihrer Töpferarbeiten und meinte: „Wer so gut töpfern kann, der kann auch malen“. Das motivierte sie zur Hobby-Malerei.

 

„Ich habe schon als Kind gerne gemalt und habe mir einige Sachen nun Schritt für Schritt selbst angeeignet“, sagt die Autodidaktin. Sehr gerne malt Andrea Miedl Porträts, aber auch Landschaften und manchmal auch leicht abstrakte Bilder. „Wichtig ist mir aber, dass alles darin einen Sinn haben muss“, betont sie.

 

Und sie lässt sich nicht auf eine bestimmte Technik oder Themenbereiche festnageln: Von Porträts, über PopArt, Karikaturen, Tiermalerei, Aktmalerei, von Encaustik, über Bleistiftzeichnung, Acryl, Aquarell oder Pastell bis hin zu Plastiken recht ihre Schöpfungskraft. Gern verwendet sie dabei auch Materialien, wie Moos, Zweige oder auch mal Kaffeesatz.

 

Ihre Werke präsentiert sie unter ihrem Künstlernamen „Angelo Arte“, also Engelskunst, auf der Homepage www.angelo-arte.jimdo.com. Das Echo ist durchwegs positiv. Zuletzt erhielt sie zum Beispiel den Auftrag einer englischen Autorin, ihr Katzenbuch zu bebildern, auch als Porträtzeichnerin hat sie sich schon einen Namen gemacht.

 

Als Gerhard Nömmer vom Klosterhof Asbach ihre Bilder auf ihrer Homepage sah, war er so begeistert, dass er Andrea Miedl fragte, ob sie ihre Werke nicht einmal bei ihm ausstellen wolle.

 

Ihre gesamten Werke stellt die 52-Jährige vom 17. März bis zum 17. April im Klosterhof Asbach aus. Geöffnet hat der Klosterhof dienstags bis samstags ab 12 Uhr, sonntags ab 11 Uhr. Am Palmsonntag, 9. April, bietet sie dort auch eine Encaustik-Vorführung (14.30 bis 17 Uhr), bei der jeder sich auch selbst ausprobieren kann.

 

Mit ihrer Kunst will Andrea Miedl den Menschen nicht nur eine Freude machen, sondern auch etwas Gutes damit tun: Zehn Prozent des Verkaufserlöses ihrer Werke gehen an die Deggendorfer Tierrettung Renz und zehn Prozent an das Hospiz St. Ursula in Niederalteich. 

Autor: Holger Becker
Weitere Nachrichten aus dem selben Ort: