13.03.2017 Gangkofen

Justiz-Novum:

Missbrauchs-Prozess gegen 79-Jährigen wird neu aufgerollt

Waage Gericht
Foto: 123rf.com
Der 79-Jährige sitzt nun bereits zum dritten Mal auf der Anklagebank. Jetzt geht es um den schweren sexuellen Missbrauchs eines zur Tatzeit vierjährigen Mädchens.

Das ist in der Landshuter Justiz-Chronik ein Novum: Zweimal hatte Verteidiger Thomas Fauth mit der Revision gegen die Verurteilung eines inzwischen 79-jährigen Rentners aus Gangkofen wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes Erfolg.

 

 

Jetzt sitzt der Greis zum dritten Mal vor einer Strafkammer des Landshuter Landgerichts auf der Anklagebank. In der aktuellen Anklage geht es um den schweren sexuellen Missbrauchs eines zur Tatzeit vierjährigen Mädchens aus Rain (Landkreis Straubing-Bogen). Die Vierjährige hielt sich im Herbst 2013 mit ihren Großeltern, die ein gekauftes Haus renovierten, immer wieder in Gangkofen auf und besuchte den Rentner, der sie – wie es später der Anwalt der Eltern formulierte – mit Schokolade und Kleingeld „anfütterte”.

 

 

Allerdings nicht aus großväterlichen Gefühlen; denn, so der Anklagevorwurf: Eines Tages habe ihn das Mädchen in der Toilette mit nach unten gezogenen Hose und Unterhose angetroffen. Danach lotste er – immer noch entblößt – die Vierjährige in das Wohnzimmer, wo sie dann – allerdings nur einige Sekunden – seinen Penis streichelte und masturbierende Bewegungen durchführte.

 

 

Aufgeflogen war der Missbrauch, weil die bis dahin quirlige Vierjährige plötzlich weinerlich wurde. Und als sie dann von ihrem Stiefvater kein „Bussi” mehr wollte, „weil es Ärger gibt, wenn das fremde Leute sehen” und auch nicht mehr mit den Großeltern nach Gangkofen fahren wollte, läuteten die Alarmglocken. Nach und nach erzählte dann das Mädchen, dass ihm der Nachbarn seinen „Wurmi” gezeigt habe und der „immer größer” geworden sei.

 

 

Aber das, so habe er zu verstehen gegeben, „muss unser Geheimnis bleiben, weil ich sonst ins Gefängnis muss.” Dass der angeklagte Missbrauchsfall nur die „Spitze des Eisbergs” war, ergaben spätere Schilderungen des Mädchens gegenüber der Mutter und einer Beamtin der Passauer Kripo: Da berichtete die Vierjährige auch noch von weiteren Vorfällen im Schlafzimmer und im Keller.

 

 

Der 79-jährige war vor zwei Jahren zunächst auf der Anklagebank der Jugendkammer des Landshuter Landgerichts gelandet, wo er wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt wurde. Die wurde verhängt, nachdem der Rentner bereits 1996 als Kinderschänder – damals waren es in elf Fällen Nachbarskinder – zu zweieinhalb Jahren und dann 2006 wegen weiterer 20 Fälle, bei denen die eigenen Enkelkinder betroffen waren, zu fünf Jahren verurteilt wurde.

 

 

Allerdings wurde das Landshuter Urteil auf die Revision von Pflichtverteidiger Thomas Fauth hin vom Bundesgerichtshof aufgehoben. Im Urteilstenor und -strafmaß war nämlich auch berücksichtigt worden, dass der 77-Jährige gegen Weisungen der Führungsaufsicht, nämlich keinen Kontakt zu Kindern aufzunehmen, verstoßen hatte. Diesen Verstoß sah der BGH nicht, nachdem ihn die Vierjährige immer von sich aus aufgesucht hatte.

 

 

Auch gegen das zweite Urteil ging Verteidiger Fauth in die Revision und hatte Erfolg. Die Bundesrichter kamen bei der Überprüfung des Urteils zu dem Ergebnis, dass die 1. Strafkammer bei der Strafzumessung nicht nur die Folgen der Tat für die Vierjährige berücksichtigt habe, sondern auch „weitere, nicht näher festgestellte Taten des Angeklagten gegenüber dem Mädchen strafschärfend mit einbezogen hat.”

 

 

Die Bundesrichter stellten fest, dass die Vierjährige bei ihren polizeilichen Vernehmungen zwar von mehreren sexuellen Übergriffen gesprochen und sie als Belohnung dafür Kleingeld oder Schokolade bekommen habe. Allerdings habe die Strafkammer keine Feststellungen zu diesen weiteren Taten getroffen. Deshalb hätten weder die Taten selbst noch die sich aus ihnen bei dem Mädchen ergebenden psychischen Folgen strafschärfend berücksichtigt werden dürfen.

 

 

Nachdem sich der 79-Jährige seit September 2014 hinter Schloss und Riegel befindet (U-Haft bzw. Forensik) und damit die verhängte Freiheitsstrafe so gut wie verbüßt ist, geht es bei der Neuauflage vor allem um die Anordnung der Sicherungsverwahrung. Die Anklage geht davon aus, dass er nach wie vor eine Gefahr für die Allgemeinheit, sprich in erster Linie für Kinder, darstelle. Der Prozess wird am 15. März fortgesetzt. 

Autor: PmG
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