17.03.2017 Gangkofen

Urteil

Missbrauchsprozess: 79-Jähriger kommt in die Sicherungsverwahrung

Gericht Richter
Foto: 123rf.com
Seine Haftstrafe hatte der Mann vor dem Prozess schon verbüßt.

Die Strafe von zwei Jahren und drei Monaten, welche die 6. Strafkammer des Landshuter Landgerichts für den schweren sexuellen Missbrauch einer Vierjährigen verhängte, hat ein 79-jähriger Rentner aus Gangkofen bereits im Rahmen der Untersuchungshaft verbüßt. Wenn das jetzt verhängte Urteil rechtskräftig wird, wartet die Sicherungsverwahrung auf ihn.

 

Der Prozess gegen den 79-Jährigen war – wie online berichtet – ein Novum in der Landshuter Justizchronik. Zweimal wurde er von verschiedenen Strafkammern bereits zu Freiheitsstrafen mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt, zweimal hatte Pflichtverteidiger Thomas Fauth mit dem Gang in die Revision Erfolg, der Bundesgerichtshof (BGH) hob das Urteil jeweils auf.

 

Zuletzt allerdings nur im Bezug auf die Rechtsfolgen. Die Bundesrichter argumentierten damit, dass bei der Strafzumessung – insbesondere auch was die Anordnung der Sicherungsverwahrung betreffe – weitere, nicht angeklagte Fälle eine Rolle gespielt hätten. 
Die Sicherungsverwahrung für den Rentner war in den Urteilen der Landshuter Strafkammern verhängt worden, weil er bereits 1996 als Kinderschänder – damals waren es in elf Fällen Nachbarskinder – zu zweieinhalb Jahren Haft und dann 2006 für 20 Fälle von Kindesmissbrauch, wobei da die eigenen Enkelkinder und deren Freunde betroffen waren, zu fünf Jahren verurteilt worden war.

 

Den Missbrauch der Vierjährigen hatte der 79-Jährige bereits bei seinen ersten Vernehmungen eingeräumt. Das Mädchen hatte sich im Herbst 2013 mit seinen Großeltern, die ein gekauftes Haus renovierten, immer wieder mal in Gangkofen aufgehalten und den in der Nachbarschaft lebenden Rentner besucht, der die Vierjährige mit Süßigkeiten „anfütterte“, wie es später der Anwalt der als Nebenkläger auftretenden Familie des Mädchens formulierte.

 

Bei einem der Besuche traf ihn die Vierjährige auf der Toilette an, wo er bei offener Tür und mit nach unten gezogener Hose und Unterhose stand. Danach lotste er – immer noch entblößt – das Mädchen ins Wohnzimmer, wo es dann seinen Penis streichelte und masturbierende Bewegungen machte. Nach einigen Sekunden schickte der 79-Jährige das Mädchen dann nach Hause.

 

Aufgeflogen war der Missbrauch, weil die bis dahin quirlige Vierjährige – so ihre Mutter – weinerlich wurde. Und als sie dann von ihrem Stiefvater kein „Bussi“ mehr wollte, „weil das Ärger gibt, wenn es fremde Leute sehen“ und auch nicht mehr mit den Großeltern nach Gangkofen fahren wollte, läuteten in der Familie die „Alarmglocken“.

 

Das Mädchen berichtete dann seiner Mutter und später auch einer Kripobeamtin, dass ihm der Nachbar seinen „Wurmi“ gezeigt habe und der beim Streicheln „immer größer“ geworden sei. Bei den Vernehmungen lieferte das Kind dann verschiedene Versionen, so dass sich der Verdacht ergab, dass es mehrere Missbrauchsfälle gegeben haben musste.

 

Dafür sprach auch der damals von der Vernehmung angefertigte Videomitschnitt. „Das Mädchen hat das Ganze sehr anschaulich mit meinem Zeigefinger nachgestellt“, so die Kripobeamtin. Nicht zuletzt deshalb, so hatte Vorsitzender Richter Ralph Reiter bei der dritten Auflage des Prozesses festgestellt, spreche vieles dafür, dass die Vierjährige nicht nur einmal missbraucht worden sei.

 

Wie schon bei den vorangegangenen Prozesses, so hatte der 79-Jährige bei seinem Geständnis wieder einmal seine bigotte Frömmigkeit demonstriert. Er bedauere es, eine Kinderseele geschädigt zu haben und hoffe auf Gottes Vergebung, ließ er verlauten, er wolle schließlich ewiges Seelenheil erlangen.

 

Die 6. Strafkammer verhängte dann neben der (bereits verbüßten) Freiheitsstrafe auch die Sicherungsverwahrung. Außerdem verurteilte sie den 79-Jährigen zu einer Schmerzensgeldzahlung von 2.500 Euro an sein inzwischen achtjähriges Opfer. Damit entsprach sie dem Antrag von Staatsanwalt Kinsky. – ws – 

Autor: ws
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