29.07.2014 Mallersdorf-Pfaffenberg/Regensburg

Tatnacht in Mallersdorf-Pfaffenberg

Anklage: Versuchter Mord – nur noch schwere oder gar nur fahrlässige Körperverletzung?

Amts- und Landgericht Regensburg
Foto: Ursula Hildebrand
Ohne Vorwarnung soll er seinem WG-Partner ein Küchenmesser in den Rücken gerammt haben, um ihn zu ermorden, so die Anklage. Am Abend des 22. Januar soll ein 40-Jähriger seinen Mitbewohner in der gemeinsamen Wohnung in Mallersdorf-Pfaffenberg mit mehreren Stichen traktiert haben. Während der Verhandlung zeichnete sich kein klares Bild der Geschehnisse in der Tatnacht ab. Am Dienstag, 29. Juli, wurden nun die Plädoyers gehalten. Vom Tatvorwurf "versuchter Mord" ist dabei keine Rede mehr.

Recht schnell stellte sich bei der Verhandlung heraus, dass der Angeklagte unter regelmäßigem Alkoholkonsum leidet. Auch bei der Tat waren Täter und Opfer erheblich alkoholisiert. Beide konnten keine lückenlosen Aussagen über den Verlauf des Abends bis zu der blutigen Attacke machen. Fest stand lange nur, dass der Angeklagte seinen Mitbewohner mit einem Messer verletzt hatte. Jedoch, wie er angab, nur als Abwehrhandlung gegen Angriffe des Anderen. Dabei habe er seinen Mitbewohner "fahrlässig" mit dem Messer erwischt, so sein Verteidiger. Hinterher habe er sogar nach ihm gesehen anstatt den Mord beziehungsweise den Versuch dazu tatsächlich zu begehen und zu vollenden.

 

Aussage gegen Aussage – wer ist glaubwürdiger?

Ohne den Angeklagten mit lückenhaften Erinnerungen belasten zu wollen, wollte dieser aber nichts von Abwehrreaktionen wissen. Es habe keinen Angriff seinerseits auf den Angeklagten gegeben. Zeugenaussagen scheinen eher die Ausführungen des Opfers zu stützen, aber ob dies zu einer Verurteilung auf Grund überzeugender Beweise reicht, scheint fraglich. Vom Vorwurf des versuchten Mordes sprachen in ihren Plädoyers daher weder die Staatsanwaltschaft noch die Verteidigung. Aus Mangel an Beweisen forderte der Verteidiger sogar nur eine Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung und einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Die Staatsanwaltschaft hingegen schenkte den Ausführungen des Opfers Glauben und forderte vier Jahre Gefängnis wegen schwerer Körperverletzung.

 

Staatsanwaltschaft und Verteidigung fordern Alkoholentzug

In einem Punkt waren sich beide Seiten jedoch einig: der Forderung nach Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Zur Tatzeit hatte der Angeklagte einen Anteil von 2,54 Promille Alkohol im Blut. Zu Gunsten des Angeklagten werteten beide, dass er sich auch vor Gericht mehrfach bei dem Angeklagten entschuldigte und um Wiedergutmachung bemüht war. Er ist dazu noch nicht vorbestraft. Die enorme Alkoholisierung werteten Staatsanwaltschaft und Verteidigung strafmildernd aber nicht als in der Folge Schuldunfähigkeit des Täters. Die Motive für einen möglichen Streit der beiden konnten dazu nicht abschließend geklärt werden.

 

Ob das und die dünne Beweisdecke für den Angeklagten reicht, seine anzunehmende Verurteilung und die daraus folgende Strafe abzumildern, wird sich zeigen. Das Urteil fällt am Mittwoch, 30. Juli, um 14 Uhr.

Autor: Jerome Baldowski

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