11.02.2016 Straubing/Regensburg

Gericht

Blutüberströmtes Opfer: Mit dem Hammer auf den Kopf geschlagen oder Treppe heruntergefallen?

Gefährliche Körperverletzung mit dem Hammer?
Foto: mh
Dass es auch in homosexuellen Beziehungen mitunter recht brutal zugehen kann, zeigte sich am Donnerstag bei der Verlesung der Anklageschrift gegen einen 55-jährigen Angeklagten.

Ihm wird vorgeworfen, seinem Freund im Juni 2015 in Straubing mit dem Hammer mehrmals auf den Kopf geschlagen zu haben und in der Zeit, in der dieser dann im Krankenhaus war, mehrmals seine EC-Karte benutzt zu haben. Doch der Angeklagte kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen, er habe seinen Partner blutüberströmt in der Küche gefunden, dieser habe angegeben, von der Treppe gefallen zu sein.

Vor Gericht erzählte der Angeklagte, wie er das mutmaßliche Opfer kennengelernt hatte. Auf einem einschlägigen Portal im Internet habe man sich verabredet. Da der Angeklagte ohnehin Arbeit suchte, half er dem neuen Partner bei seinen Aufträgen  als Hausmeister und bei Putzdiensten. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass es mit der kleinen Firma nicht mehr weit her war und die beiden zudem unterschiedliche Vorstellungen in Sachen Beziehung hatten. Auch der Plan der Beiden nach Spanien auszuwandern – der Angeklagte lebte viele Jahre in Spanien und hat dort noch eine Bar – wurde wieder verworfen.

 

Mit dem Hammer auf den Kopf geschlagen?

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, am 10. Juni vergangenen Jahres seinen damaligen Partner im Schlaf überrascht zu haben und ihm mit einem 300 bis 400 schweren Hammer gezielt auf den Kopf geschlagen zu haben. Im Krankenhaus benötigte das Opfer eine Notoperation und musste neun Tage stationär dort bleiben. In dieser Zeit soll der Angeklagte nicht nur dessen Auto, sondern auch dessen Handy und dessen Geldbeutel entwendet haben und dabei einen Schaden von 2.500 Euro verursacht haben. Zudem soll er widerrechtlich die EC Karte des Opfer benutzt haben und sogar in seinem Namen unterschrieben haben und dabei einen Schaden von fast Tausend Euro verursacht hab.

 

Rache wegen Beziehungs-Aus?

Ganz anders schilderte der Angeklagte den Vorfall: Am besagten Tag sei er vormittags nach Hause gekommen und habe seinen Partner blutüberströmt mit einem Handtuch auf dem Kopf in der Küche sitzen sehen. "Das Blut ist gelaufen wie Wasser", sagte der Angeklagte vor Gericht.  "Ach, die scheiß Treppe", habe sein Partner gesagt. Er habe seinen Partner dann ins Krankenhaus gefahren. Dass er während dessen Krankenhausaufenthalt dessen Auto und EC-Karte benutzte, stritt er gar nicht ab. Das sei auch zuvor schon Gang und Gäbe gewesen. Er besuchte das Opfer zwar noch einmal im Krankenhaus, habe dann aber beschlossen, sich endgültig zu trennen, weil vorher die Differenzen schon zu groß waren. Was ihm nun vorgeworfen wird, habe er erst bei seiner Verhaftung im Juli erfahren. "Vielleicht will er mir eins auswischen", so der Angeklagte.  "Das kann so nie gewesen sein", sagt der 55-Jährige weiter.

 

Dass der Angeklagte allerdings kein Unschuldslamm ist, wurde selbst beim Prozessauftakt schon klar. 1999 wurde er bereits zu drei Jahren und acht Monate Gefängnis verurteilt. Zudem stehen noch zwei weitere Betrügereien von Männern, die er ebenfalls auf diesem Internet-Portal kennengelernt hatte, im Raum. Außderm soll es einen Brief des mutmaßlichen Opfers an die Polizei geben, dass der Angeklagte ihm noch 15.000 Euro schulde. Ob er aber wirklich mit dem Hammer auf seinen Ex-Partner eingeschlagen hat, das wird das Gericht klären müssen. Der Prozess dauert an, ein Urteil wird für Anfang März erwartet.

Autor: Michael Hopper

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