22.07.2014 Regensburg/Mallersdorf-Pfaffenberg

Justiz

Polizei-Pfusch macht Aussage bei versuchtem Mord zunichte!

JVA Regensburg
Foto: Michael Hopper
Tag zwei im Prozess um den angeblichen Mordversuch in Mallersdorf-Pfaffenberg vor dem Regensburger Landgericht. Weitere Zeugenaussagen und auch die Aussage der Übersetzerin bei der polizeilichen Vernehmung haben am Dienstag, 22. Juli, für zusätzliche Verwirrung gesorgt, anstatt klare Beweise zu liefern.

Bereits nach dem ersten Verhandlungstag waren einige Umstände rätselhaft geblieben (das Wochenblatt berichtete). Dem 40-jährigen Angeklagten wird vorgeworfen, versucht zu haben, seinen Mitbewohner in der damaligen gemeinsamen Wohnung in Mallersdorf-Pfaffenberg von hinten zu erstechen. Die Aussagen von Opfer und mutmaßlichem Täter wichen ganz erheblich voneinander ab. Nun erregte ein ganz anderes Kapitel die Gemüter der Prozessbeteiligten. Wie der Angeklagte bereits verlesen lies, war seine polizeiliche Vernehmung wegen Sprachproblemen im wahrsten Sinne des Wortes mit Händen und Füßen von statten gegangen. Spontan wurde daraufhin die Übersetzerin vor Gericht geladen. Und zur Überraschung aller handelt es sich bei der Frau nicht um eine offizielle Dolmetscherin.

 

Übersetzerin war keine offizielle Dolmetscherin

Die Frau gab verschiedene Sprachen an, die sie sprechen würde. Brisant hierbei sind vor allem ihre Polnisch-Kenntnisse. Am Tag nach den Geschehnissen war sie nämlich als Übersetzerin bei der Vernehmung des nun Angeklagten bei der Straubinger Polizei anwesend. Die Slowakin gab vor Gericht an, sie sei in der Grenzregion zu Polen aufgewachsen und habe zehn Jahre mit einem Polen zusammengelebt. Eine Ausbildung als Dolmetscherin in polnischer Sprache oder irgendwelche Kurse in diese Richtung konnte sie aber nicht vorweisen

 

Was bei kleineren Delikten wie Diebstählen oder ähnlichem weniger relevant scheint, ist beim Vorwurf eines derartigen körperlichen Angriffs mehr als verantwortungslos. Nach einigem Nachhaken durch Richter und Verteidiger rutsche der Frau dann schließlich raus, dass sie Polnisch nicht zu hundert Prozent perfekt spräche und bei der Vernehmung einige Dinge umschreiben musste oder mit slowakischen Begriffen ausdrückte. Zwar ähneln sich beide Sprachen, aber doch bedeuten Wörter der einen, etwas ganz anderes in der anderen Sprache. In Verfahren, bei denen es um Nuancen geht und bei denen es auf jede Formulierung ankommt, ist es nahezu unbegreiflich, weshalb die Straubinger Polizei bei so einer relevanten Vernehmungen auf nicht ausgebildete Übersetzer zurückgreift.

 

Griff der Angeklagte nach zwei Flaschen Wodka zum Messer?

Der Verteidigung indes dürfte dies in die Karten spielen. Ein klares Bild der Geschehnisse fehlt. Ebenso ein klares Motiv. Opfer als auch mutmaßlicher Täter waren massiv alkoholisiert und können beide keine lückenlosen Angaben zum Hergang machen. Dass die unmittelbar nach der Tat aufgenommene Aussage des Angeklagten nahezu unbrauchbar zu sein scheint, ist der Beweisführung ebenso wenig dienlich. Während keine schlüssige Aufklärung der Vorkommnisse möglich scheint, ist der Fokus darüber hinaus auf die Schuldfähigkeit gerichtet. Nach verschiedenen Angaben, seien mehrere Flaschen Wodka getrunken worden. Die Verteidigung setzt dazu von Anfang an alles daran, das Bild eines Alkoholsüchtigen zu skizzieren. Noch heute wird dazu ein Gutachter Stellung nehmen

 

Das Urteil wird voraussichtlich für Mittwoch kommende Woche, 30. Juli, erwartet.

Autor: Jerome Baldowski