08.03.2017 Straubing

LKA-Gutachten bringt keine Erkenntnisse

Rathausbrand bleibt ungeklärt – zahlt jetzt die Versicherung?

Brand Straubing Rathaus
Foto: Casdorf
Auch ein abschließendes Gutachten des Landeskriminalamts kann keine eindeutige Ursache für den verheerenden Rathausbrand benennen. Was hat das aus Versicherungssicht für Auswirkungen?

Wenn in Polizeiberichten von Bränden zu lesen ist, steht dort oft: „Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen zur Brandursache übernommen.“ Oft ist es allerdings der Fall, dass nach einem Brandschaden die genaue Ursache nicht mehr ermittelt werden kann. Aktuelles Beispiel: der Brand des Straubinger Rathauses. Bis heute ist der Grund für das verheerende Feuer nicht geklärt – und wird es wohl auch nicht mehr. Denn wie das Polizeipräsidium am Dienstag mitteilte: Auch ein letztes Gutachten des Landeskriminalamts, das nun vorliegt, kann keine eindeutige Ursache für die Brandkatastrophe benennen. Die polizeilichen Ermittlungen sind somit ohne konkretes Ergebnis abgeschlossen.

 


Doch was hat das für Auswirkungen, wenn Brandermittler keine Ursache finden? Ist der Schaden trotzdem durch die Versicherung gedeckt? Diese und weitere Fragen haben wir dem Versicherungsexperten Rolf Neumann von der Feuersozietät gestellt:

 

Herr Neumann, wie stellt sich die Situation bei einem aktuellen Schadenfall wie dem Brand des Straubinger Rathauses aus Versicherungssicht dar? Die Brandursache konnte nicht ermittelt werden. Was hat das für Folgen bei der Schadenregulierung – zahlt die Versicherung trotzdem?
Es kommt relativ häufig vor, dass bei einem Gebäudebrand die eigentliche Schadenursache von der Kripo und anderen Sachverständigen letztlich nicht aufgeklärt werden kann. Wenn die Brandlast so hoch war, dass nur noch Brandschutt vorhanden ist, kann oft keine konkrete Schadenursache festgestellt werden. Im konkreten Fall des Brandes des Straubinger Rathauses gibt es keinerlei Hinweise, die den Versicherungsschutz der Stadt gefährden könnten. Die Schadenregulierung wird durch die ungeklärte Schadenursache nicht behindert und geht mit der Sicherung und Beurteilung der Bausubstanz planmäßig weiter.

 

Was kann es für mich als Eigenheimbesitzer für Folgen haben, wenn nach einem Brandfall die Brandursache nicht ermittelt werden kann? Zahlt die Versicherung?
Nur wenn der Versicherungsnehmer in irgendeiner Form an der Schadenentstehung oder -ausbreitung verantwortlich mitgewirkt hat, ist die Frage nach einer Einschränkung oder des kompletten Wegfalls des Versicherungsschutzes zu prüfen.
Klassisches Beispiel hierfür ist die Eigenbrandstiftung, d. h. der Versicherungsnehmer zündet das eigene Gebäude zur Erlangung der Versicherungssumme an. Können wir dies dann nachweisen, entfällt der Versicherungsschutz.

 

Worauf sollte ich beim Abschluss einer Versicherung unbedingt achten, um im Brandfall bestmöglich abgesichert zu sein?
Grundsätzlich gesprochen, sollte – insbesondere bei älteren Verträgen – überprüft werden, ob der zu Vertragsbeginn ermittelte Wert des Gebäudes noch ausreichend ist oder ob im Lauf der Zeit beispielsweise An- oder Umbauten durchgeführt wurden und sich der Gebäudewert dadurch verändert hat. Dies ist wichtig, um eine Unterversicherung – sprich: Kürzung im Schadenfall – zu vermeiden.

 

Muss ich bei älteren Versicherungen etwas beachten? Versicherungssumme anpassen etc.? Oder kann es unter Umständen sinnvoll sein, zusätzliche oder neue Versicherungen abzuschließen?
Ältere Policen haben oft in einzelnen Positionen unzureichende Entschädigungsgrenzen (Beispiel: Abbruchkosten). Hier lässt sich häufig der Versicherungsschutz durch wenige Euro optimieren. Bei der Beurteilung der bisherigen Police hilft der zuständige Betreuer gerne weiter.

Autor: sms

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